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Zusammenarbeit mit rennomierten Musikern

Mit Magneten und Eisenkugeln: Tom Stolz bringt in Au am Rhein Saxophone wieder in Form

Der Mechanikermeister Tom Stolz betreibt in Au am Rhein eine Saxophon-Werkstatt. Er repariert die Instrumente und unterzieht sie einer Generalüberholung. Allerlei Werkzeuge hat Stolz selbst angefertigt. Unter anderem arbeitet er auch mit dem renommierten Jazz-Musiker Peter Lehel zusammen.

Jedes Detail im Blick: Tom Stolz kümmert sich in seiner Werkstatt mit großer Akribie um die Reparatur von Saxophonen. Viele Werkzeuge hat er selbst angefertigt. Foto: Hans-Jürgen Collet

In der Garage von Tom Stolz steht eine Spülmaschine. Was darin gewaschen wird, ist eher ungewöhnlich. Es sind Saxophone, die hier neuen Glanz erhalten sollen. Maschinen zum Fräsen, Polieren, Bohren und eine Drehbank gehören ebenfalls zum augenfälligen Inventar des Raumes.

Neben der Garage, in der kleinen Werkstatt von Stolz, wird es dann ganz klar: Saxophone unterschiedlichsten Alters und verschiedenster Größe stehen fein sortiert nebeneinander. Allerlei Werkzeuge und Ersatzteile auf dem Tisch dokumentieren, dass sich Stolz darauf spezialisiert hat, diese Blasinstrumente zu reparieren oder sie gegebenenfalls einer Generalüberholung zu unterziehen.

Musikalisch geprägtes Elternhaus

Tom Stolz stammt aus einem musikalisch geprägten Elternhaus. Der Vater spielte Akkordeon und Orgel, er selbst fing im Alter von sieben Jahren an, sich mit einer Melodica vertraut zu machen. Mit 14 Jahren erhielt er eine Gitarre und wirkte in mehreren Jugendbands mit.

Durch Kontakte zu einem Musiklehrer in Gernsbach erwarb er mit 17 Jahren sein erstes Saxophon, „ein altes Keilwerth Tenor“, wie Stolz sagt. „Die erforderliche Generalüberholung habe ich mangels Geld mutig selbst durchgeführt“, erinnert er sich. Dies blieb nicht ohne Folgen: „Ich war fasziniert von dem Klang und der Mechanik dieses Instruments“.

Später absolvierte er eine Mechanikerausbildung, machte seine Meisterprüfung, arbeitete bei einem Maschinenbaubetrieb in Durmersheim und wechselte dann zur Firma Siemens nach Karlsruhe, wo er Vertriebsleiter für Antriebstechnik wurde.

Jazzmusiker Peter Lehel ist prominentester Kunde

„Das Saxophon ist wie ein guter Freund, mit dem ich immer in Verbindung geblieben bin“, sagt Stolz, der über vielerlei handwerkliche Fähigkeiten verfügt und sich mit seiner ganz speziellen Werkstatt nach eigenem Bekunden einen Traum verwirklicht hat.

Durch sein gutes Netzwerk nicht nur in Au am Rhein fand Stolz viele Saxophonisten aus Vereinen, von Bands oder aus der Hochschule für Musik in Karlsruhe, die ihm ihre reparaturbedürftigen Instrumente anvertrauten. Prominentester Kunde ist der vielfach hoch dekorierte Jazzmusiker Peter Lehel. Er wohnt, nicht weit entfernt, in Elchesheim-illingen.

Die Teile müssen auf den hundertstel Millimeter genau passen.
Tom Stolz, Mechanikermeister

„Oft kommt es vor, dass die Polster, die teilweise aus Känguru-Leder bestehen und die Tonlöcher verschließen, spröde werden“, sagt Stolz. Mitunter falle ein Saxophon auch einmal aus einem Koffer, so dass es eine Beule hat. Stolz demonstriert, wie es gelingt, mit einem „ultrastarken Magneten“ und einer massiven Eisenkugel das Instrument wieder in Form zu bringen.

Viele Kleinteile und Werkzeuge für die Detailarbeit hat er dank seiner reichhaltigen handwerklichen Erfahrungen, die er sich als Mechaniker erwerben konnte, selbst angefertigt. Die geforderte Präzision bei der Arbeit sei extrem hoch: „Die Teile müssen auf den hundertstel Millimeter genau zusammen passen“, betont Stolz.

Das hochwertige „Super Balanced Action-Saxophon“ aus dem Jahr 1952 von Peter Lehel schätzt Stolz ganz besonders: „ Ich begegne ihm mit großem Respekt und Ehrfurcht und weiß schnell, was daran zu machen ist“, sagt er und verweist auf das stark ausgeprägte Vertrauen zu seinen Kunden, das für ihn ganz wesentliche Bedeutung besitzt.

Er ist wie ein persönlicher Doktor für mich.
Peter Lehel, Jazzmusiker

Lehel findet seinerseits für Stolz nur lobende Worte: „Er ist wie ein persönlicher Doktor für mich.“ Er sei eine absolute Vertrauensperson und „ein wahrer Glückstreffer“. Die vorwiegend alten Instrumente, die er nutzt, bedürften eben einer intensiveren Pflege: „Das ist wie mit alten Autos“, meint Lehel.

Oft gehe es nur um Kleinigkeiten. Aber weil seine Sopran-, Tenor- und Altsaxophone von ihm stark beansprucht werden, sei der Kontakt zu Stolz schon sehr ausgeprägt: „Manchmal komme ich zwei Mal in einem Vierteljahr bei ihm vorbei.“

Ich habe den Anspruch, immer die beste Lösung zu finden.
Tom Stolz, Mechanikermeister

Wichtig sei es, sich bei den Arbeiten stets die nötige Zeit zu nehmen. Vier bis sechs Wochen kalkuliert Stolz für eine Generalüberholung. Um die Reparaturzeit zu überbrücken, stellt Stolz gegebenenfalls Leihinstrumente zur Verfügung, genauso wie für Schnupperkurse, die dazu dienen sollen, erste Erfahrungen mit dem Saxophon zu sammeln.

Je nach den dabei gewonnenen Eindrücken empfiehlt der 58-Jährige dann eine Ausbildung an einer Musikschule, bei einem Saxophonlehrer oder durch einen Musikverein. „Ich habe den Anspruch, immer die beste Lösung zu finden“, betont Stolz.

Um seine Erfahrungen weiter zu vertiefen, nutzt der in Au am Rhein in vielen Bereichen ehrenamtlich tätige Stolz zudem den Austausch mit Werkstätten in ganz Deutschland. Die Zahl der Saxophone, die bei ihm momentan auf eine Reparatur warten, hat sich im Übrigen durch Corona nicht wesentlich reduziert: „Die Leute üben jetzt eben zuhause.“

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