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Jahresrückblick – Juli bis September

Streaming und Drive-in-Markt: Eventtechniker aus Rastatt setzt in der Corona-Krise auf kreative Ideen

Tobias Petraschko aus Rastatt kämpft in der Corona-Pandemie für seine Eventtechnikfirma. Zum Überleben setzt er auf Kooperationen, Kontakte und kreative Ideen. Wie beispielsweise den Drive-in-Weihnachtsmarkt in Iffezheim. Das kommt gut an.

Nicht unterzukriegen: Der Rastatter Eventtechniker Tobias Petraschko ist stolz, dass auch die zweite Auflage des Weihnachts-Drive-Ins ein voller Erfolg war. Foto: Hans-Jürgen Collet

2021 wollte er richtig durchstarten. Stattdessen hagelte es für den 33-jährigen Tobias Petraschko und seine Rastatter Eventtechnikfirma reihenweise Veranstaltungsverschiebungen, wie schon 2020. „Ich kämpfe schon zwei Jahre für meine Firma“, sagt er.

2015 hat er T.O.B. Eventtechnik als Kleingewerbe neben seinem Hauptberuf als gelernter Baustoffprüfer gegründet. Es lief so gut, dass er ausgerechnet 2020 den Schritt ins Vollgewerbe wagte. Nach drei Fastnachtsveranstaltungen stand er ohne Aufträge da – Corona-Krise. Seine drei Mitarbeiter konnte Petraschko nicht mehr beschäftigen.

„Die Branche stirbt gerade“, sagt er. Von manchen Mitbewerbern im Raum Rastatt habe er dieses Jahr gar nichts mehr gehört. Insolvent, vermutet Petraschko. Das wünsche er keinem. Zum Überleben setzt er deshalb auf Kooperationen, Kontakte und kreative Ideen. Abwarten ist für ihn keine Option. „Wenn ich zwei Jahre nichts von mir hören lasse, dann weiß da draußen kein Mensch mehr, dass es uns gibt. Präsent sein ist wichtig.“

Dafür ließ er sich einiges einfallen und investierte vor allem Geld in Dekoration, um mehr anzubieten als Bühnentechnik. „Man muss versuchen, die Kunden mit neuen Ideen zu überzeugen“, sagt er. Nach seinem ersten Clou, dem coronakonformen Drive-in-Weihnachtsmarkt im Rastatter Gewerbegebiet im Dezember 2020, folgte der T.O. Club. Im Januar 2021 streamte Petraschko gemeinsam mit DJ Alan-Lee aus seiner Firmenhalle Partymusik in viele Wohnzimmer der Region. Eine weitere Drive-in-Attraktion mit Biertankstelle folgte zum Vatertag im Mai.

Die Branche stirbt gerade.
Tobias Petraschko, Inhaber T.O.B. Eventtechnik

Dabei musste er ständig auf neue Umstände reagieren. Vom Alkoholausschank-Verbot über Ausgangssperren bis zum Lockdown. „Man ist immer ein bisschen bange, was am nächsten Tag sein wird.“ Seine mobile Cocktailbar, die es seit September 2020 als zweites Standbein gibt, konnte er über diesen Sommer hinweg für einige Hochzeiten und Betriebsfeiern vermieten. Der dazugehörige Cocktail-Lieferservice bringe zwar nur Kleinbeträge, dafür aber Kontakte.

Auf Anregung von Stammgästen stampfte er gemeinsam mit seiner Familie im August die Kultur-Sommer-Lounge aus dem Boden und ließ regionale Solomusiker spielen. „Ich liebe Herausforderungen! Im Betrieb hat man mich deshalb früher immer an die Problemmaschinen gestellt“, sagt Petraschko. Wegen der Testpflicht und des schlechten Wetters seien aber nur wenig Gäste gekommen

Andrang bei Weihnachts-Drive-in in Iffezheim war groß

Einen Monat später schüttete Petraschko Sand auf die Galopprennbahn Iffezheim und öffnete eine Strandbar mit Konzertbühne, in der er nach dem letzten Rennen rund 500 After-Race-Partygäste begrüßen konnte. Ebenfalls auf der Galopprennbahn feierte diesen Dezember der Weihnachts-Drive-in in Kooperation mit RS-Stiel-Events sein Comeback.

Zum Auftakt des Drive-In-Weihnachtsmarktes am Freitag rollten 140 Autos über den Rennplatz der Galopprennbahn in Iffezheim. Foto: Ralf Joachim Kraft

Jeweils nach einer Stunde musste wegen des großen Andrangs die Zufahrtsstraße gesperrt werden. Rund 450 Autos schaffte das Team pro Öffnungstag. „Leider sind die meisten anderen Aktionen nur kostendeckend. Und selbst dabei wird es in manchen Monaten verdammt schwer.“

Man ist immer ein bisschen bange, was am nächsten Tag sein wird.
Tobias Petraschko, Inhaber T.O.B. Eventtechnik

Für nächstes Jahr gebe es viele neue Anfragen und verschobene Veranstaltungen aus den vergangenen zwei Jahren. Aber alle sind coronabedingt mit einem Fragezeichen versehen. Aus 2021 nimmt Petraschko gemischte Gefühle mit. „Ich weiß, dass wir einiges geschafft haben, aber die Ungewissheit in der Planung macht einem zu schaffen. Ich hoffe sehr, dass 2022 alles wieder entspannter wird.“

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