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Zweitmandate im Wahlkreis Rastatt

Rastatter Abgeordnete bangen um Einzug in den Landtag: Die Erlösung kommt erst spät in der Nacht

Schon früh am Wahlabend stand fest, dass Thomas Hentschel (Grüne) für den Wahlkreis Rastatt in den Landtag einzieht. Für die Kandidaten von CDU und SPD begann zu diesem Zeitpunkt das große Zittern. Auf die erlösende Nachricht mussten Alexander Becker und Jonas Weber mehrere Stunden warten.

Buhlen um Aufmerksamkeit am Straßenrand: Die Corona-Pandemie ließ den Kandidaten wenig Möglichkeiten, mit den Wählern direkt in Kontakt zu kommen. Foto: Hans-Jürgen Collet

Für Jonas Weber (SPD) und Alexander Becker (CDU) war es eine lange Nacht. Beide saßen zu Hause vor dem Rechner und luden immer wieder die Seite des statistischen Landesamts neu. Erst kurz vor 1 Uhr hatten sie Gewissheit: Beide ziehen wieder in den baden-württembergischen Landtag ein.

„Die Aufregung war natürlich groß“, sagt Weber. Zwar stand schon kurz nach 20.30 Uhr am Sonntagabend fest, dass der Grünen-Kandidat Thomas Hentschel das Direktmandat im Wahlkreis Rastatt gewonnen hat, aber Weber musste sich noch mehrere Stunden gedulden. Um zu berechnen, welche Kandidaten über die Zweitmandate einen Platz im Landtag ergattern, musste erst das Ergebnis aller 70 Wahlkreise in Baden-Württemberg vorliegen. Die Gesamtschau ließ bis weit nach Mitternacht auf sich warten.

Kandidaten verfolgen Auszählung zuhause vor dem Rechner

Auch Alexander Becker saß im Kreis der Familie in seinem Heimatort Ötigheim und starrte auf den Bildschirm. Im Gespräch mit unserer Redaktion zeigte er sich zwar schon gegen 23 Uhr optimistisch, dass es für ihn gereicht hat, in Jubel wollte er allerdings nicht ausbrechen. Als ihn das Statistische Landesamt schließlich Schwarz auf Weiß als gewählten Bewerber auswies, fiel eine Last von ihm ab: „Als das Ergebnis feststand, war ich natürlich froh.“

Am Morgen danach blickt Weber auf anstrengende Wahlkampfmonate zurück: „Es war nicht leicht, sich als junger Abgeordneter bekannt zu machen.“ Der 38-Jährige sitzt seit Herbst 2018 im Stuttgarter Parlament. Ursprünglich war Weber Zweitkandidat für den ehemaligen Bietigheimer Bürgermeister Ernst Kopp, der nach der Hälfte der Amtszeit nach einem schweren Herzinfarkt von all seinen Ämtern zurückgetreten war.

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Alexander Becker will Fokus auf Bildung legen

Dass er aus dieser Position heraus nicht an das Wahlergebnis seines Vorgängers von 2016 herangekommen ist und vier Prozent einbüßte, hat Weber nicht überrascht. Dass es trotzdem gereicht hat, um weiter als Landtagsabgeordneter zu arbeiten, „tut sehr gut“.

Becker hatte das CDU-Wahlergebnis schon am Sonntag unumwunden als erwartbar schlecht klassifiziert. Er selbst landete mit 23,8 Prozent fast genau beim Landesschnitt von 24,1. Seinen Schwerpunkt in der kommenden Legislaturperiode möchte der 48-Jährige als Mitglied des entsprechenden Ausschusses auf die Bildungspolitik legen: „Das wird mit die wichtigste Baustelle in den nächsten Jahren.“ Eine langfristige Mammutaufgabe sei außerdem die Transformation der Wirtschaft, für welche die Politik die richtigen Rahmenbedingungen schaffen müsse.

Es war nicht leicht, sich als junger Abgeordneter bekannt zu machen.
Jonas Weber, SPD

Auch Weber sieht darin eine der „großen Fragen“ für die kommenden Jahre. Der Wahlkampf habe ihm außerdem gezeigt, dass die PFC-Problematik weiterhin eine große Rolle spiele. Als dritte Baustelle nennt der Abgeordnete bezahlbaren Wohnraum. Nicht nur in großen Städten, sondern auch in kleineren Kommunen gewinne dieses Thema immer mehr an Bedeutung.

Aus welcher Rolle heraus die beiden Rastatter Abgeordneten die Themen angehen, wird sich in den Koalitionsverhandlungen in den kommenden Wochen zeigen. Naturgemäß präferieren sie unterschiedliche Modelle. Weber plädiert für die Ampel, Becker für die Fortsetzung der Zusammenarbeit von Grün-Schwarz. Beide äußern sich optimistisch, nicht auf der Oppositionsbank zu landen. „Es wäre das beste, die aktuelle Koalition fortzuführen“, sagt Becker. „Wir sind schon in sehr vielversprechenden Gesprächen“, sagt Weber.

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