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Solaranlage oder Dachbegrünung?

Rastatter Gemeinderat und Discounter streiten um Dach von geplantem Neubau

Nach Jahren ohne Nahversorger könnte sich Ottersdorf bereits 2022 über einen Netto-Markt freuen. Allerdings nur, wenn der Lebensmittel-Discounter und Lokalpolitik auf einen grünen Zweig kommen. Denn es ist ein kurioser Streit entbrannt.

Streitpunkt: „Ausschließlich liegende Fotovoltaik“ heißt es im Planungsentwurf zum neuen Netto-Markt in Ottersdorf. Das gefällt den meisten Fraktionen gar nicht. Foto: Swantje Huse

Dass Ottersdorf dringend einen Nahversorger braucht, darin waren sich alle Mitglieder des Technischen Ausschusses einig. Und auch beim wie gab es große Einigkeit über die Fraktionsgrenzen hinweg, allerdings nicht mit Netto und seinen Planern. Stein des Anstoßes ist das Dach des Discounters, der möglicherweise im Jahr 2022 eröffnen könnte.

Während Netto und das Planungsbüro S + B Projekt GmbH das Dach mit einer Fotovoltaikanlage ausstatten wollen, wünschen sich die Verwaltung und fast alle Fraktionen zusätzlich eine Begrünung des Dachs.

Lediglich die CDU könne „mit einem Solardach anstelle eines Gründachs leben“, sagte Mathias Köppel. Und auch Ottersdorfs Ortsvorsteher Stefan Lött, ebenfalls CDU, erläuterte: „Uns war die Fotovoltaikanlage wichtig.“

Von ökologischer Seite ist alles ausgeglichen.
Stefan Lott, Ortsvorsteher von Ottersdorf

Zum Hintergrund: Das Gänsewäldele am östlichen Ortsrand des Rieddorfs, in dem der Markt gebaut werden soll, unterliegt einigen naturschutzrechtlichen Vorgaben. Wie Ortsvorsteher Lott erklärte, wird für die im Spätjahr bevorstehende Rodung des Waldes ein entsprechender Ausgleich geschaffen. Zudem bleiben zehn Meter Wald als sogenannte Fledermausleitstruktur bestehen. „Von ökologischer Seite ist alles ausgeglichen“, sagte Lott.

Wer das Transistorradio nicht für die neueste Technologie hält, sollte über ein Gründach nachdenken.
Roland Walter, Die Grünen

Das sahen die anderen Fraktionen indes nicht so. „Ich verstehe gar nicht, wieso sich Netto da sperrt“, sagte Roland Walter von den Grünen – und fügte ironisch hinzu: „Wer das Transistorradio nicht für die neueste Technologie hält, sollte über ein Gründach nachdenken.“

Grünen-Politiker sieht Glaubwürdigkeit der Stadt gefährdet

Letztlich habe die Stadt auch ein Glaubwürdigkeitsproblem, sollte Netto in dieser Form bauen dürfen. „Wir verlangen allen möglichen Bauherren, auch privaten, ein Gründach ab. Da kann keine Firma Netto kommen und sagen, ,Wir sind ein armer Discounter.‘“

Vielleicht kann Rastatt da ja auch ein Pilotprojekt werden.
Raphael Knoth, Bürgermeister

Wie Joachim Winter von S + B Projekt erwiderte, habe man sich „intensiv mit dem Thema befasst“. Ein Gründach würde bei einem günstigen Discounterbau die Finanzen jedoch „sehr strapazieren“, da man eine andere Statik brauche. Zudem habe man in der Vergangenheit keine guten Erfahrungen mit Begrünungen gemacht.

„Das ist keine generelle Verweigerung“, so Winter, der um „Rücksichtnahme auf die Betriebswirtschaftlichkeit“ bat. Was wiederum Roland Oberst (AfD) auf die Palme brachte. „Profit vor Natur. Das geht nicht“, ärgerte er sich. Seines Wissens seien extensive Begrünungen mit Mooskulturen kosten- und pflegearm und auch leicht genug, um die Statik nicht herauszufordern.

Netto will noch mal in sich gehen

Einen Versuch, die Wogen doch noch zu glätten, startete Bürgermeister Raphael Knoth mit der Bitte, die Kombination von Gründach und Fotovoltaikanlage nochmals zu prüfen. „Vielleicht kann Rastatt da ja auch ein Pilotprojekt werden.“ Projektleiter Winter versprach: „Wir werden da gerne noch drüber sprechen.“ Fügte allerdings auch an: „Das wird den Bogen sehr gespannt darstellen.“ Die möglicherweise angepasste Planung wird dann dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegt werden.

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