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Analyse nach der Landtagswahl

Grüne gewinnen auch im ländlichen Raum an Zustimmung

Bislang galt bei Wahlen im Südwesten: Grüne können Stadt, die CDU kann Land. Diese alte Gewissheit gilt bei der Landtagswahl aber nicht mehr. Das zeigt eine Analyse der Wahl.

Wer hat wie gewählt? Eine Auswertung des Statistischen Landesamtes zeigt, dass sich die Kräfteverhältnisse im Südwesten durchaus verschoben haben. Foto: Christoph Schmidt/dpa

Der Stuttgarter Landtag bleibt weiter fest in grüner Hand – und damit ist nicht nur die Sitzverteilung im Plenarsaal gemeint. Auch der Wahlkreis, auf dessen Gebiet das quadratische Parlamentsgebäude steht, leuchtet auf allen Karten in einem Grün, das nirgendwo im Land dunkler ist. Mit 44, 8 Prozent der Wählerstimmen gewinnt die Frau den Wahlkreis Stuttgart I, die gegenwärtig den Vorsitz im Parlament führt: Muhterem Aras. Die Grünen-Politikerin ist die absolute Stimmkönigin im Land.

Der haushohe Sieg in ihrem urbanen Wahlkreis zeigt einen Trend, der sich auch in ganz Baden-Württemberg beobachten lässt: Je dichter die Menschen wohnen, desto stärker ist das Ergebnis der Grünen.

Zu diesem Schluss kommt das Statistische Landesamt. Demnach erreichten die Grünen in Wahlkreisen mit einer hohen Bevölkerungsdichte mit 37,5 Prozent ein überdurchschnittliches Ergebnis, wohingegen die CDU dort nur 19,1 Prozent der Stimmen einfahren konnte. In sehr weitläufig strukturierten Wahlkreisen hatten hingegen die Christdemokraten die Nase mit 29 Prozent vorne – wenn auch nur mit hauchdünnen 0,2 Prozentpunkten.

Die Grünen können vor allem Großstadt, die CDU dominiert den ländlichen Raum – so einfach ist es aber auch nicht, wie die Zahlen zeigen. Demnach lernen die Grünen immer besser, auch auf dem Land Wähler für sich zu gewinnen. Die größten Stimmzuwächse verzeichnete die Ökopartei im Wahlkreis Waldshut (6,7 Prozentpunkte) – und auch im ländlichen Wahlkreis Main-Tauber gewannen die Grünen 5,8 Prozentpunkte gegenüber 2016. Dem gegenüber stehen große Verluste der CDU: Die drastischsten Stimmrückgänge verzeichneten die Christdemokraten auf dem Land: Im Wahlkreis Waldshut (7,9 Prozentpunkte) und im Wahlkreis Ravensburg (7,3 Prozentpunkte).

SPD in Mannheim am stärksten

Die größte Hochburg der CDU liegt dennoch im ländlichen Raum: Mit 35,9 Prozent der Stimmen verteidigte Generalsekretär Manuel Hagel sein Direktmandat im Wahlkreis Ehingen. Die SPD verzeichnete ihr bestes Ergebnis in der Arbeiterstadt Mannheim: Stefan Fulst-Blei wurde mit 21,7 Prozent SPD-Stimmkönig und holte als einziger SPD-Kandidat im Land den zweiten Platz im Wahlkreis. Erik Schweickert schaffte für die FDP das beste Wahlergebnis im Enzkreis (16,9 Prozent). Die AfD hat ihre Hochburg weiterhin in Pforzheim: Hier erreichte Bernd Grimmer mit 15,8 Prozent das landesweit beste Ergebnis, verlor aber sein Direktmandat.

Einen Einfluss auf die Wahlentscheidung hat dem Bericht zufolge auch die Wirtschaftsstruktur. In Gebieten mit einem hohen Anteil an produzierendem Gewerbe erreichte die CDU mit 27,3 Prozent ein überdurchschnittliches Ergebnis. Die Grünen waren dagegen in Gebieten mit einem hohen Dienstleistungsanteil besonders erfolgreich.

Der Landtag wird aber nicht nur grüner, er wird auch weiblicher. Unter den 154 Abgeordneten sind künftig 45 Frauen. Das macht einen Anteil von 29,2 Prozent. 2016 waren nur 24,5 Prozent weiblich. Die Unterschiede zwischen den Fraktionen sind allerdings enorm: Während bei den Grünen mit einem Frauenanteil von 48,3 Prozent fast Parität herrscht, kommt die AfD nur auf einen Anteil von 5,9 Prozent.

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