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Grillplätze geschlossen

Höchste Waldbrandgefahr: Was heißt das für meinen Ausflug?

In Coronazeiten gibt es viel mehr heimische Ausflügler als sonst. Ausgerechnet jetzt warnen Experten vor der höchsten Waldbrandgefahr-Stufe. Unter anderem im Hardtwald sind daher die Grillplätze voraussichtlich den gesamten August über geschlossen.

Durch die extreme Trockenheit herrscht in den Wäldern höchste Waldbrandgefahr, wobei durch Unachtsamkeit, wie hier durch eine weggeworfene Zigarrettenkippe, ein Waldbrand ausgelöst werden kann. Foto: Wolfgang Kumm dpa

Martin Moosmayer musste bei seiner Vorhersage kein Prophet sein. Ende April sagte der Forstamtsleiter gegenüber unserer Zeitung, er glaube an einen warmen und trockenen Sommer. Seine Prognose: „Dann werden wir sehr große Probleme bekommen.” Der erwartet trockene Juli kam dann auch. „Er war sehr schlimm”, sagt Moosmayer heute.

Dementsprechend alarmierend sind auch die Schlagworte, die aus dem Ministerium für Ländlichen Raum zu hören sind: Grillverbot, Rauchverbot, höchste Gefahrenstufe (fünf) für Waldbrand.

„Die Prognosen sagen für Samstag praktisch für das ganze Land eine hohe, vielfach sogar die höchste Waldbrandgefahr voraus”, so Forstminister Peter Hauk (CDU). „Die Hitze und die Trockenheit der letzten Tage hat im Wald die Bodenvegetation, Laubreste, Nadelstreu und auf dem Boden liegende Äste und Reisig extrem ausgetrocknet.” Laut Landesforstverwaltung gab es 2019 in Baden-Württemberg 17 Waldbrände auf einer Gesamtfläche von 6,45 Hektar.

Deutlich mehr Ausflügler in den Wäldern

Die hiesigen Wälder scheinen so anfällig wie noch nie. Das Sorgenkind ist und bleibt der Hardtwald, wie Forstamtsleiter Moosmayer sagt. „Da können wir trotz Urlaubszeit Grillen nicht zulassen. Man muss davon ausgehen, dass die Plätze im August zu bleiben.” Im Kraichgau und im Schwarzwald seien die Grillplätze noch geöffnet.

Gerade seit Beginn der Coronakrise im März gebe es in den Wäldern mehr Ausflügler. „Gefühlt sind es drei Mal so viele wie sonst, der Wald wird extrem genutzt”, sagt Moosmayer. Er warnt: „Wenn man in der Natur unterwegs ist, muss man aufpassen. Es ist auch kein rechtsfreier Raum.”

„Schnell entsteht ein Bodenfeuer”

Von März bis Oktober gilt ein Rauchverbot. Förster beobachten öfter, dass gerade Gruppen oder Spaziergänger im Wald rauchen. „Im Prinzip ist es eine Ordnungswidrigkeit”, sagt Moosmayer. „Aber wir weisen in der Regel freundlich auf das Verbot hin.”

Staubtrockener Waldboden, gelbes Gras am Wegesrand, abgestorbenes Schadholz: „Da genügt ein kleiner Funke für einen Brand. So vertrocknet ist es das ideale Brennmaterial.” Schon der Funke einer Zigarette könne ein Grasbüschel zum Brennen bringen. „Mit ein bisschen Wind entsteht schnell ein Bodenfeuer.”

Auch der Grillplatz im Hardtwald an der Friedrichstaler Allee ist derzeit wegen der Waldbrandgefahr geschlossen. Foto: Rake Hora

Die Trockenheit ist längst auch den Baumkronen anzusehen, die farblich mehr auf Herbst, denn auf Sommer deuten. Spaziergänger sollten daher auf herabfallende Äste achten. Von einem Ausflug in den Wald rät Moosmayer nicht grundsätzlich ab, er betont aber: „Die Gefahr ist hoch. Man betritt den Wald auf eigene Gefahr - vor allem in den Buchenwäldern. Da reichen schon geringe Windbewegungen, dass ein Ast abbricht.”

Stadtsprecher: Verbote werden oft missachtet

In den städtischen Waldgebieten würden viele Bürger die Verbote an den Grillplätzen missachten, wie ein Sprecher der Stadt Karlsruhe sagt. Wer trotz des derzeit bestehenden Verbots raucht, könne mit bis zu 50 Euro bestraft werden, wer ein Feuer macht, mit bis zu 150 Euro. „Wenn vor allem bei Letzterem Waldbrandgefahr besteht, ist dies eine Straftat und wird der Staatsanwaltschaft übergeben.” Forstleute, der kommunalen Ordnungsdienst sowie die Polizei kontrollieren die Grillplätze.

Diese bleiben bis auf weiteres geschlossen, so der Sprecher, und würden erst freigegeben werden, wenn der Deutsche Wetterdienst die Gefahrenstufe von fünf auf drei absenkt. „Das kann tagesaktuell sein, je nach Wetterlage. Karlsruhe ist in den heißen Monaten aber sehr oft auf Stufe fünf.” Seit zwei Jahren gebe es einen deutlichen Anstieg bei Grillplatz-Verboten.

Vorsicht auch im heimischen Garten

Wer dennoch einen Ausflug in den Wald oder an den Baggersee machen möchte, sollte sich an die Grundregeln halten, sagt Dominik Wolf. Für den stellvertretenden Kreisbrandmeister zählen dazu: Kein offenes Feuer machen, keine Glasscherben zurücklassen, keine Zigaretten anzünden. „Dann ist schon mal sehr viel gewonnen”, sagt Wolf.

Brände habe es aber auch schon gegeben, weil Autos am Wegesrand parkten. Durch den heißen Katalysator könne sich das Gras entzünden. Auch wer im Garten sein Unkraut mit einem Gasbrenner entfernt, sollte aufpassen: „Ist Gehölz oder eine Hecke in der Nähe? Dann geht das schnell mal durch.”

Die Feuerwehren würden sich derzeit nicht in erhöhter Alarmbereitschaft befinden, Schulungen für Waldbrände habe es schon Anfang des Jahres gegeben. „Aber wir haben es auf dem Schirm.” Zuallererst kommt es auf die Rücksicht der Ausflügler im Wald und an den Baggerseen an. „Wenn man sich an die Verhaltensweisen hält, kann man sich in Ruhe erholen.”

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