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Hilfsangebote

Missbrauch und Kinderpornografie: Die Kinder leiden oft ein Leben lang

Oft wird nur über Täter, aber nicht über Opfer sexuellen Missbrauchs gesprochen. Organisationen bieten Hilfe vor Ort an – und betonen auch, wie wichtig Prävention ist.

Es gibt zahlreiche Opfer: Mit einer Schweigeaktion sollte hier 2019 auf die etwa 1.000 Fälle im Missbrauchs-Skandal Lügde aufmerksam gemacht werden. Foto: Christophe Gateau picture alliance/dpa

Es ist nicht leicht, sexuellen Missbrauch an Kindern zu erklären. Wie weitläufig die Taten sein können, zeigt der Hamburger Verein „Dunkelziffer“ auf.

„Immer bedeutet es, dass ein Fremder – oder aber auch jemand, den du sehr gut kennst und dem du vielleicht vertraut hast – dich an Körperstellen berührt, an denen du es nicht magst“, schreibt der Verein. „Es kann auch sein, dass man dich zwingt, gemeinsam mit Erwachsenen Pornofilme anzusehen oder dass du Erwachsenen beim Sex zugucken musst. Alles das ist sexueller Missbrauch.“

Die Straftatbestände lauten Nötigung oder Exhibitionismus und reichen bis hin zum Missbrauch von Kindern, der gefilmt wird. Die Aufnahmen werden teilweise so oft verbreitet, dass sie dauerhaft im Internet kursieren.

Seit 28 Jahren unterstützt der Verein Kinder mit sexueller Gewalterfahrung mit Therapie und Beratung. Die Taten können bei den Kindern Traumata auslösen, psychische Erkrankungen machen sich manchmal dann auch erst nach vielen Jahren bemerkbar.

Die Zahl nimmt zu: Die deutsche Polizei registrierte im vergangenen Jahr 18.761 Fälle von Kinderpornografie, fast 53 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Foto: Uwe Zucchi picture alliance / dpa

Der Verein „Dunkelziffer“ geht, getreu seinem Namen, von einer hohen Dunkelziffer an Fällen aus. Die könne sogar zehn- bis fünfzehn Mal höher liegen als die angezeigten Fälle. „Wir müssen von einem betroffenen Kind in fast jeder Schulklasse ausgehen“, schreibt der Verein.

Kriminalstatistik: Fälle haben enorm zugenommen

Die festgestellten Fälle, in denen Missbrauchsabbildungen verbreitet werden, haben enorm zugenommen. Dazu zählen Handlungen, in denen Menschen Missbrauchsabbildungen erworben, besessen oder auch hergestellt haben. Über 26.000 Taten waren es im Jahr 2020 laut polizeilicher Kriminalstatistik in Deutschland – das sind 54,2 Prozent mehr als noch im Jahr 2019. Die Statistik unterteilt in Kinder- und Jugendpornografie, der Zuwachs liegt in beiden Bereichen bei über 50 Prozent.

Das Bundeskriminalamt (BKA) führt den Zuwachs auf Unterstützung aus den USA zurück. Die Nichtregierungsorganisation National Centre for Missing and Exploited Children (NCMEC) meldet dem BKA Fälle, in denen von einem Tatort in Deutschland auszugehen ist. Auch seien die Ermittlungen und anlassunabhängige Internet-Recherchen im Nachgang zu den Verfahren in Lügde, Bergisch Gladbach und Münster intensiviert worden, heißt es.

Eine Rolle spiele zudem, dass „vor allem Kinder und Jugendliche ohne Kenntnis eines strafrechtlichen Hintergrunds kinder- und jugendpornografische Bilder in Gruppenchats teilen und somit verbreiten“.

Doch welche Hilfe gibt es für Kinder, die zu Opfern wurden? Zu den größten Hilfsorganisationen zählt der Weiße Ring. „Unsere ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehen täglich, welche schwerwiegenden Folgen solche Taten für die Betroffenen haben“, sagte der Vorsitzende Jörg Ziercke. „Wer als Kind sexuellen Missbrauch erlebt, leidet oft noch Jahre oder Jahrzehnte später darunter, manchmal sogar sein Leben lang.“

Verhaltenstipps für Kinder und Eltern

Betroffene können nach Ansprechpartnern vor Ort suchen: www.weisser-ring.de/hilfe-fuer-opfer/hilfe-vor-ort. Auch im Raum Karlsruhe gibt es einen ehrenamtlichen Mitarbeiter. „Wenn Sie sich an uns wenden, stehen offene Ohren und Zuwendung am Anfang und im Mittelpunkt der Hilfe“, heißt es. Dann gehe es darum, wie die Betroffenen mit den Tatfolgen leben könnten: „Egal, ob diese seelischer, materieller oder gesundheitlicher Natur sind.“

Hilfsorganisationen widmen sich auch der Vorbeugung solcher Straftaten. Eine Rolle spielt dabei „Cybergrooming“. Denn auch im Internet können Minderjährige in Kontakt mit Tätern kommen. „Dabei werden Minderjährige oft anonym oder unter falschen Angaben angesprochen und beispielsweise zu Nacktaufnahmen oder sexuellen Handlungen aufgefordert“, schreibt der Weiße Ring. Wenn die Täter das Vertrauen der Kinder gewonnen haben, gehe es um persönliche Treffen und um Missbrauch.

Auf seiner Webseite gibt der Weiße Ring daher Verhaltenstipps. Diese gelten sowohl für Kinder, die sich mit Vorsicht im Internet bewegen sollten als auch für Eltern, die aufmerksam bleiben müssen.

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