Die Karlsruher Fußballlegende Carl-Heinz Rühl ist tot. Der ehemalige Trainer und Manager des KSC verstarb am 30. Dezember 2019 nach kurzer Krankheit. Rühl wurde 80 Jahre alt. Weggefährten schätzten den gebürtigen Berliner als Freund. 
Carl-Heinz Rühl war von 1986 bis 1994 auch Manager beim KSC. | Foto: imago-images

Nach kurzer Krankheit

Manager und Trainer in Karlsruhe: KSC-Legende Carl-Heinz Rühl gestorben

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Die Karlsruher Fußballlegende Carl-Heinz Rühl ist tot. Der ehemalige Trainer und Manager des KSC starb am 30. Dezember 2019 nach kurzer Krankheit. Rühl wurde 80 Jahre alt. Weggefährten schätzten den gebürtigen Berliner als Freund.

Wenige Wochen ist es her, da telefonierte Roland Schmider mit Carl-Heinz Rühl noch mal. Rühl, weit über die Fußball-Region hinaus als Trainer und Erfolgs-Manager aus dem Karlsruher Wildpark in Erinnerung geblieben, erzählte dem früheren KSC-Präsidenten vom Gefühl, dass neue Medikamente besser wirkten und es mit ihm aufwärts gehe. Das hatte hoffnungsvoll geklungen, fand Rühls Trauzeuge Schmider und mit ihm fanden das viele seiner Bekannten in der Region, die den gebürtigen Berliner nicht nur als Fußballfachmann, sondern als Freund mit dem Herz am rechten Fleck zu schätzen wussten.

Ex-Präsident Schmider wollte Rühl an Weihnachten anrufen

Umso betroffener stimmte alle die Nachricht, die sich am Montag verbreitete: Rühl hatte am Morgen gegen fünf Uhr seinen Kampf gegen den Krebs verloren. Sieben Wochen nach seinem 80. Geburtstag verstarb er in einem Kölner Krankenhaus. Er hinterlässt seine Lebensgefährtin und drei erwachsene Töchter sowie Enkelkinder.

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Im November hatte Rühl noch seinen 80. Geburtstag gefeiert.

„Ich hatte an Weihnachten versucht, ihn zu erreichen. Doch er ging nicht an sein Telefon. Das war kein gutes Zeichen“, berichtete Schmider, der zwischen 1974 und 2000 Clubchef des KSC war. In seiner Ägide war Rühl sowohl als Trainer (1973 bis 1977) als auch als Manager (1986 bis 1994) tätig. Rühl war die Triebfeder für einen für den KSC entscheidenden Schachzug, nämlich, Winfried Schäfer nach dessen Spielerkarriere als Trainer zum KSC geholt zu haben.

Zustande kam das so: Schäfer hatte Rühl 1986 in der Sportschule Duisburg bei einem Jugendturnier getroffen. „Calli“, habe Schäfer gesagt, „für mich unbegreiflich, dass beim KSC nichts vorankommt. Die Zuschauer warten nur auf ein Signal“. Eine Woche später saß Schäfer dem Manager in Karlsruhe gegenüber. Man einigte sich, leerer Kassen zum Trotz. Diese Zusammenarbeit begründete die erfolgreiche Ära zwischen 1992 und 1998.

Jäger und Lieferant des FC Bayern

Mit Rühl und Schäfer schaffte es der KSC in den Europapokal. Er schwang sich zum Jäger des FC Bayern und zeitgleich zu deren Talente-Lieferant auf. Oliver Kreuzer, Michael Sternkopf, Mehmet Scholl, Oliver Kahn, Michael Tarnat – es sind die Namen dazu. Mit dem Erfolg wuchs Schäfers Machtbewusstsein. Rühl hatte 1994, Monate nach dem epochalen Ereignis des 7:0 gegen den FC Valencia, das Gefühl, bei Schmider nicht mehr ausreichend Rückhalt zu erfahren. Er ging. Der KSC holte Klaus Fuchs als Nachfolger. Die Dinge gerieten später aus den Fugen. „Wir haben uns 1999 bei einem Treffen ausgesöhnt. Unser Verhältnis war danach wieder sehr gut“, berichtet Schmider.

Schäfer betroffen

Schäfer übermittelte am Montagabend aus Abu Dhabi seine Betroffenheit. „Meine Familie und ich, wir sind alle sehr traurig. Er war mein Mentor. Er war der, der den Höhenflug des KSC eingeleitet hat. Ich hatte sogar noch gegen ihn gespielt, als er beim 1. FC Köln war“, schrieb Schäfer unserer Redaktion.

1973 als Trainer beim KSC angeheuert

Die Anekdote, wie es im Sommer 1973 zum Erstkontakt zwischen dem KSC und Rühl gekommen war, hatte Schmider kürzlich erzählt: Als der Verein einen Nachfolger für den Trainer Heinz Baas suchte, hatte der Präsident Gerd Hesse den Kandidaten Rühl an der Strippe. Hesse war sich mit dem Ex-Profi, der unter anderem für den MSV Duisburg, den 1. FC Köln und Hertha BSC gespielt und 204 Bundesligaspiele (65 Tore) bestritten hatte, so gut wie einig.

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Schmider organisierte damals einen Abholdienst für Rühl

So war es für den angehenden Trainer des KSC vor allem um Praktisches gegangen, konkret: wie er nach seiner Ankunft am Hauptbahnhof zum Stadion gelange. „Am besten fahren Sie mit der Straßenbahn zum Durlacher Tor und laufen dann von dort zu Fuß weiter zum Wildparkstadion“, riet Hesse dem Weisweiler-Schüler. Schmider, damals Vize, habe sich eingemischt und Rühl dann einen Abholdienst versprochen.

Rühl stand in jüngerer Zeit der Sinn nach alten Schmonzetten nicht mehr. Er hatte schon einen langen, kräftezehrenden Weg hinter sich. Und er hatte tapfer gekämpft. Bis zuletzt. René Dankert