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Interview mit Martin Schwalb

Rhein-Neckar Löwen-Trainer: „Jetzt lass‘ uns einfach ein bisschen Handball spielen“

Trainer Martin Schwalb will mit dem Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen in der neuen Saison besser abschneiden als Platz fünf. Er sieht seine Mannschaft auf gutem Weg.

Meinungsstark: Trainer Martin Schwalb von den Rhein-Neckar Löwen sieht seine Mannschaft auf den Saisonstart der Handball-Bundesliga gut vorbereitet. Foto: AS Sportfoto/ Binder AS Sportfoto/ Binder

Eigentlich sollten die Rhein-Neckar Löwen seit Donnerstag wissen, mit welchen Gegnern sie es in der Gruppenphase der European League zu tun bekommen. Wegen eines Corona-Verdachtfalls unter dem Personal, das die Auslosung abwickelt, hat der europäische Verband EHF die Zeremonie auf diesen Freitag (11 Uhr) verschoben.

Während Martin Schwalb also noch gespannt auf die internationalen Gegner wartet, weiß der Löwen-Trainer, was ihn in der Bundesliga erwartet. Vor dem ersten Punktspiel der Löwen am Sonntag in der leeren SAP-Arena gegen den TVB Stuttgart unterhielt sich BNN-Redakteur Reinhard Sogl mit Schwalb über eine Saison, die von Corona beeinflusst sein wird.

Die Gruppenphasen-Auslosung wurde wegen eines Corona-Verdachtfalls vertagt. Ist das schon ein Vorgeschmack dessen, was in dieser Saison noch kommen kann?
Martin Schwalb

Es ist wirklich eine ganz schwierige Situation. Es ist unsere Aufgabe, uns fit zu halten trotz der sehr vielen Unwägbarkeiten. Du musst immer fokussiert bleiben. Auch wenn du in die Halle kommst und da ist kein einziger Zuschauer, musst du dich auf das versteifen, was du zu tun hast. So ist jetzt auch mit der Verlegung der Auslosung. Es muss uns egal sein: Dann wissen wir halt erst am Freitag, auf wen wir treffen.

Welchen Stellenwert hat die European League für die Löwen?
Martin Schwalb

Es ist eine Möglichkeit, einen Titel zu gewinnen. Wir freuen uns deshalb, dass wir uns qualifiziert haben. Um es klar zu sagen: Wir wollen in allen Wettbewerben so weit kommen wie möglich. Es ist natürlich ein langer Weg, aber am Ende steht ein Final 4 und ein solches Turnier ist immer spektakulär und macht Spaß. Das ist immer etwas Besonderes. So ein Turnier setzt noch einmal Extra-Adrenalin frei. Deshalb wollen wir da schon gerne dabei sein.

Die Löwen haben sich trotz einer Niederlage im Qualifikations-Rückspiel qualifiziert. Die Generalprobe vor dem Bundesliga-Auftakt war nicht so berauschend.
Martin Schwalb

Wir haben uns schwergetan, aber Holstebro war auch keine schlechte Truppe. Uns sind ein paar leichte Fehler unterlaufen, damit haben wir den Gegner immer stärker gemacht. Wir müssen lernen, dass wir sofort unsere Leistung auf die Platte bringen. Der Punkt war: Wir wollten weiterkommen, das ist uns gelungen. Aber jetzt konzentrieren wir uns auf die Bundesliga.

Wie gegen Holstebro wird auch das Spiel gegen den TVB Stuttgart ein Geisterspiel sein. Auch danach wird es auf absehbare Zeit keine vollen Hallen geben. Wird es im Handball ähnlich sein wie im Fußball, dass ohne Zuschauer die Gastmannschaften mehr punkten?
Martin Schwalb

Ich schätze, das wird ebenso sein. Mit deinem Publikum im Rücken kriegst du ein paar Extra-Adrenalinschübe. Du kannst mehr Druck machen und die Fans erwarten auch von dir, dass du Vollgas gibst. Ohne Zuschauer geht diese Heimstärke ein Stück weit verloren. Wir reden ja immer von Hölle Süd, Hölle Nord, Hölle links, Hölle rechts. Das hat schon alles seinen Grund. Deswegen wollen wir auch gerne wieder vor Fans spielen, weil das deutlich mehr Spaß macht, übrigens auch auswärts. Egal ob die Fans für oder gegen dich sind, sie gehören einfach dazu und machen auch den Charme aus.

Wird Corona, in welcher Form auch immer, einen Einfluss auf die Meisterschaft haben?
Martin Schwalb

Nein. Wir stehen ja alle vor den gleichen Herausforderungen. Von der sportlichen Seite aus wollen wir uns mit diesen Fragen auch nicht beschäftigen. Wenn wir jetzt anfangen und sagen: Die haben 300 Zuschauer mehr als wir - das ist im Moment nicht das Thema. Das Gebot der Stunde ist, solidarisch zu sein und uns über jeden Zuschauer, egal in welcher Halle, zu freuen. Ehrlich gesagt, sind wir dieser Diskussion jetzt auch müde. Wir machen unseren Job. Wenn etwas passiert, dann werden wir darauf wieder reagieren, und wenn nichts kommt, dann auch. Jetzt lass‘ uns einfach ein bisschen Handball spielen.

Lässt sich denn vor dem Hintergrund der existenziellen Krise unbeschwert Handball spielen?
Martin Schwalb

Wir wollen einfach spielen und uns über alles andere möglichst keine zu großen Gedanken machen. Wir können ja nur das tun, weswegen wir zusammen sind. Alles andere wird sich entwickeln. Aber natürlich sind wir auch alle gestandene Menschen, haben Familie und stehen im Leben. Es ist also nicht so, dass wir das alles ausblenden könnten. Wir kriegen schon mit, was in der Welt passiert und sind auch echt Betroffene. Von daher ist Corona schon sehr häufig Thema, klar. Wir müssen uns ja auch an das Hygienekonzept halten.

Sie haben als Saisonziel formuliert, besser als letzte Saison mit Platz fünf abschneiden zu wollen. Geht es auch konkreter?
Martin Schwalb

Wir müssen realistisch bleiben. Wir können doch nicht sagen, dass die Mannschaften, die vor uns waren, alle blöd geworden sind. Sie waren besser und sie haben auch alle weitergearbeitet. So ist der Stand. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir uns verbessern. Das wird man nicht durch Worte oder durch Ankündigungen, sondern nur, indem man erfolgreicheren Handball spielt. Und diesen Beweis müssen wir erst mal antreten.

Was stimmt Sie vor dem Saisonstart optimistisch?
Martin Schwalb

Unsere Gemeinschaft. Und die gemeinsame Philosophie, wie wir Handball spielen. Wie wir sind. Wir werden in dieser Saison einfach alles geben, das ist für mich immer das Wichtigste. Wir werden nicht immer die Sterne vom Himmel holen, weil die anderen Mannschaften auch nicht schlafen. Gerade auch die Stuttgarter haben sich über die Jahre super entwickelt. Das ist eine gefährliche Mannschaft, gegen die wir nicht mit einem Fingerschnippen gewinnen werden. Man muss sich davon verabschieden, dass man leichte Gegner hat. Die HBL hat in der Breite deutlich besser geworden ist. Das ist schön zu sehen.

Wo stehen die Löwen leistungsmäßig?
Martin Schwalb

Unseren Leistungsstand in Prozentpunkten einzuschätzen, würde ich mich jetzt schwertun. Es gibt noch Luft nach oben. Aber das ist auch Entwicklungssache. Wir haben uns ein paar Sachen erarbeitet. Was noch nicht sitzt, sind die Alternativen, die Varianten zu den Sachen. Also den Spielzug nicht nach Schema F zu machen, sondern ihn auch mal abzubrechen, die Situation zu erkennen, die Richtung zu ändern. Da tun wir uns noch ein bisschen schwer. Aber man darf nicht vergessen, dass wir ja auch einige Spieler dazu bekommen haben. Die müssen erst mal zusammenfinden.

Was hat Ihnen in den bislang sechs Spielen gefallen?
Martin Schwalb

Ich finde die Entwicklung in der Abwehr gut. Und auch, dass die Jungs sich Gedanken machen, wie wir uns verbessern können. Dass sie immer bemüht sind, bei sich selber anzufangen. Das ist eine hohe Qualität, die eine gute Mannschaft haben muss, dass sie darüber nachdenkt, an was wir noch arbeiten können. Wir haben uns in allen Spielen weiterentwickelt, auch im Verlauf eines einzelnen Spiels.

Warum wird Kiel wieder Meister?
Martin Schwalb

Ich weiß nicht, ob sie Meister werden. Aber sie haben einen Kader, der sicherlich über ganz viel individuelle Qualität verfügt. Wenn sie dann alles zusammenfügen, sind sie schon eine Truppe, die schwer zu schlagen ist. Sie sind Deutscher Meister und haben deshalb das Recht, als Topfavorit genannt zu werden. Aber ich bin weit davon entfernt, auf die Knie zu sinken und zu sagen: Kiel holt wieder den Titel. Das entspricht nicht meiner Mentalität.

Bundesliga-Vorrundentermine Rhein-Neckar Löwen

4.10.2020 (16.00 Uhr): Rhein-Neckar Löwen - TVB Stuttgart

6.10.2020 (19.00): Die Eulen Ludwigshafen - Rhein-Neckar Löwen

11.10.2020 (16.00 Uhr): Rhein-Neckar Löwen - TuSEM Essen

5.10.2020 (19.00 Uhr): Rhein-Neckar Löwen - SC DHfK Leipzig

25.10.2020 (16.00 Uhr): HC Erlangen - Rhein-Neckar Löwen

1.11.2020 (13.30 Uhr): Rhein-Neckar Löwen - HBW Balingen-Weilstetten

11.11.2020 (19.00 Uhr): SC Magdeburg\u0009- Rhein-Neckar Löwen

14.11.2020 (20.30 Uhr): Rhein-Neckar Löwen - TBV Lemgo Lippe

19.-22.11.2020 (noch offen): GWD Minden - Rhein-Neckar Löwen

26.-29.11.2020 (noch offen): Rhein-Neckar Löwen - HSG Wetzlar

3.-6.12.2020 (noch offen): HSG Nordhorn-Lingen - Rhein-Neckar Löwen

10.-13.12.2020 (noch offen): Rhein-Neckar Löwen - SG Flensburg-Handewitt

15.-16.12.2020 (noch offen): TSV Hannover-Burgdorf - Rhein-Neckar Löwen

17.-20.12.2020 (noch offen): Rhein-Neckar Löwen - Bergischer HC

22.-23.12.2020 (noch offen): THW Kiel - Rhein-Neckar Löwen

26.-27.12.2020 (noch offen): Rhein-Neckar Löwen - HSC Coburg

Februar 2020: MT Melsungen – Rhein-Neckar Löwen

Februar 2020: Frisch Auf Göppingen – Rhein-Neckar Löwen

Februar 2020: Füchse Berlin – Rhein-Neckar Löwen

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