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Häuser in der Eifel eingestürzt

Vier Tote nach Unwetter in Rheinland-Pfalz – Zahl der Vermissten steigt auf 70

Mehrere Menschen sind nach heftigen Unwettern im Westen Deutschlands gestorben. In einem kleinen Ort in der Eifel stürzen in der Nacht sechs Häuser ein. Zahlreiche Menschen werden vermisst. Auch andernorts bleibt die Lage angespannt.

Die mit einer Drohne gefertigte Aufnahme zeigt die Verwüstungen die das Hochwasser der Ahr in dem Eifel-Ort angerichtet hat. Foto: Christoph Reichwein/TNN/dpa

Nach starken Regenfällen und Überschwemmungen herrscht vielerorts in Rheinland-Pfalz Land unter. Die Kreisverwaltung in Daun rief den Katastrophenfall aus. Unter anderem bleiben die Schulen im Landkreis Vulkaneifel an diesem Donnerstag geschlossen. Unterdessen steigt das Hochwasser an Rhein, Ahr und Mosel.

Land unter in der Eifel

Den kleinen Ort Schuld in Rheinland-Pfalz hat es besonders schwer getroffen. Das Dorf mit etwa 700 Einwohnern - nahe der Landesgrenze zu Nordrhein-Westfalen - liegt in einer Schleife an der Ahr, die normalerweise ein kleiner Fluss ist. Nun hat sich die Ahr in ein reißendes Gewässer verwandelt.

In der Nacht zum Donnerstag sind wegen Überflutungen und Dauerregens sechs Häuser eingestürzt. Laut Polizei sind vier Menschen ums Leben gekommen. Nach Angaben eines Sprechers der Polizei in Koblenz wurden sie an verschiedenen Orten im Landkreis gefunden. Die weiteren Umstände seien noch unklar.

Die Kyll ist in Erdorf über die Ufer getreten und hat Teile des Dorfes geflutet. Foto: Harald Tittel/dpa

Eine Vielzahl an Häusern sei instabil, es bestehe Einsturzgefahr. Die Lage in Schuld sei unübersichtlich, so der Sprecher. Derzeit würden knapp 70 Menschen vermisst. Der Katastrophenfall sei ausgerufen worden.

Der gesamte Landkreis Ahrweiler sei von der Unwetterlage betroffen, sagte der Sprecher. Mehrere Orte wurden demnach wegen des Hochwassers von der Außenwelt abgeschnitten. Ungefähr 50 Menschen befänden sich dort auf Hausdächern und müssten gerettet werden.

Sondersitzung der Landesregierung

Die rheinland-pfälzische Landesregierung hat wegen der Unwetter in der Eifel eine Sondersitzung angesetzt. „Es ist eine Katastrophe“, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) am Donnerstagmorgen in Mainz. „Es gibt Tote, Vermisste und viele, die noch immer in Gefahr sind.“

Die Straßen von Esch (Kreis Ahrweiler) haben sich in reißende Ströme verwandelt. Andauernde Regenfälle haben in Rheinland-Pfalz zahlreiche Ortschaften und Keller geflutet. Foto: Thomas Frey/dpa

Alle Kräfte seien rund um die Uhr im Einsatz und riskierten dabei ihr eigenes Leben. Ihr Mitgefühl gelte den Opfern der Hochwasserkatastrophe, sagte Dreyer. „Ich bange mit den Menschen vor Ort.“

Auch die Vulkaneifel ist betroffen. „Die Lage ist sehr ernst, wir haben viele überschwemmte Straßen und Ortschaften, die nicht mehr erreichbar sind“, sagte die Landrätin des Kreises Vulkaneifel, Julia Gieseking (SPD), am Mittwochabend. „Ich appelliere an die Bevölkerung, dass alle zuhause bleiben und sich schützen vor den Wassermassen.“

Bundeswehr ist im Einsatz

Der Katastrophenfall ermöglicht die Unterstützung der Bundeswehr. Nach Angaben der Landrätin werden auch Fahrzeuge benötigt, um nicht mehr befahrbare Straßen zu passieren.

Die Feuerwehr versucht, die Wassermassen mit Sandsäcke zu stoppen. Foto: David Young/dpa

Der Schwerpunkt der Einsätze liege in der Rettung von Menschen. Die Einsatzkräfte könnten sich zunächst kaum um überschwemmte Keller kümmern. „Es gibt so viele Einsatzorte, dass wir Prioritäten setzen müssen.“ Auch der Präsident der Aufsichts- und Dienstleistungsbehörde (ADD), Thomas Linnertz, eilte in die Vulkaneifel, um sich einen Überblick zu verschaffen.

Aus dem benachbarten Eifelkreis Bitburg-Prüm berichtete ein Fotograf der Deutschen Presse-Agentur von zahlreichen gesperrten Straßen. In Prüm war die Feuerwehr seit dem Vormittag im Dauereinsatz, wie ein Gemeindesprecher sagte. Die Pegelstände der Bäche seien stark angestiegen, zahlreiche Keller voll gelaufen. Die Feuerwehr verteilte an die 5000 Sandsäcke in der Verbandsgemeinde. Im Kreis Bernkastel-Wittlich wurde vor „langanhaltenden und kreisweiten Stromausfällen“ gewarnt.

Weiterhin mit Starkregen zu rechnen

Ein Feuerwehrauto fährt bei Gelsdorf (Kreis Ahrweiler) über eine überflutete Landstrasse. Tief Bernd bringt Regen über Eifel und Hunsrück, die Hochwassergefahr steigt. Foto: Thomas Frey/dpa

Weiter westlich rief der Kreis Trier-Saarburg am Mittwochabend die zweithöchste Alarmstufe aus. In dieser vierten von fünf Alarmstufen übernimmt die Kreisverwaltung die Koordination der Einsätze in den sieben Verbandsgemeinden. Von Überschwemmungen waren vor allem die Verbandsgemeinden Trier-Land, Schweich und Konz betroffen. „Das Wetter kommt runter von der Eifel in Richtung Trier“, sagte eine Sprecherin der Kreisverwaltung.

Laut Wetterdienst sei weiterhin mit starken Regenfällen zu rechnen, teilte die Kreisverwaltung in Trier mit. Die Pegelstände von Gewässern seien schnell stark steigend. Hausbesitzer wurden zu Sicherheitsmaßnahmen an ihren Gebäuden aufgerufen, etwa zur Abschaltung von Elektrogeräten in Gebieten, die von Überschwemmungen bedroht sind.

„Extremen Starkregen“ meldeten auch die Behörden im Landkreis Ahrweiler. Dort half die Feuerwehr Koblenz zusammen mit dem Technischen Hilfswerk Lahnstein und der Feuerwehr Mainz aus, um 800 Sandsäcke pro Stunde zu füllen. Diese wurden mit sechs Lkw in den Landkreis Ahrweiler gebracht.

Im Kreis Ahrweiler müssen Camper gerettet werden

„Aktuell ist die Hochwassergefahr an der Ahr sowie ihren kleineren und mittleren Zuflüssen sehr groß“, teilte die Kreisverwaltung mit. Es sei mit Sturzfluten und Überflutungen zu rechnen. Auf dem Campingplatz „Stahlhütte“ in Dorsel (Kreis Ahrweiler) und weiteren Anlagen entlang der Ahr mussten Personen von den Dächern ihrer Campingwagen gerettet werden.

Der Hochwassermeldedienst teilte mit, dass der Wasserstand der Mosel am Pegel Trier weiter stark steigen werde. Am Donnerstag sei ein Anstieg bis in den Bereich von neun Metern nicht ausgeschlossen.

Feuerwehrleute errichten im Ahrtal bei Mayschoss eine Sperrwand aus Holz. Sie soll verhindern, dass das Hochwasser der Ahr in den Ort läuft. Foto: Thomas Frey/dpa

Am Mittwochabend wurde zunächst der Pegel von sechs Metern überschritten. Am Rhein wurde in Speyer der Wasserstand von sieben Metern überschritten, in Mainz von fünf Metern. Für den gesamten Ober- und Mittelrhein wurden weiter steigende Wasserstände erwartet.

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