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1.000 Kilometer Reichweite

Daimler will Lkw-Transporte sauberer machen und präsentiert Konzept eines Brennstoffzellen-Lasters

Als Dreckschleuder in der Transportbranche trägt der Güterverkehr derzeit maßgeblich zum Ausstoß des klimaschädlichen C02 bei. Automobilkonzerne wie Daimler haben wesentlich sauberere Technologien auf Wasserstoff-Basis entwickelt und machen Druck auf die Politik, den Betrieb von emissionsfreien Lkw attraktiver zu machen.

Grüne Revolution im Güter-Fernverkehr: Daimler Trucks stellte in Berlin den Prototyp eines leistungsfähigen Brennstoffzellen-Lkw vor. Foto: Britta Pedersen /dpa

Die Erfüllung des Traums vom effizienten, kostengünstigen und vor allem klimaneutralen Gütertransport ist für den Autobauer Daimler einen wichtigen Schritt näher gerückt. Das Unternehmen setzt auf die wohl angesagteste Energiequelle der Gegenwart – den Wasserstoff –, um das ehrgeizige Ziel des CO2-freien Betriebs von schweren Fernverkehrs-Lastwagen noch in diesem Jahrzehnt zu erreichen.

Mit der Weltpremiere des ersten Brennstoffzellen-Lkw „GenH2 Truck“ in Berlin am Freitag läutete der Autobauer nach eigener Darstellung nicht weniger als eine „neue Ära“ der Transporte ein. Doch das Hightech-Konzept muss auf dem Weg in den Alltag noch hohe politische Hürden nehmen.

Milliarden Tonnen Güter werden auf der Straße befördert

Ohne die zahllosen Laster auf den Straßen und Autobahnen ginge vielerorts nichts. 2018 beförderten die LKW in Deutschland etwa 3,7 Milliarden Tonnen Güter – sechsmal so viel wie alle Züge und Binnenschiffe zusammen. Das hat seinen Preis, vor allem für das Klima. Denn der Betrieb der schweren Fahrzeuge erzeugte auch dreimal so viele Emissionen des Treibhaus-verstärkenden Gases Kohlendioxid wie der Fluss- und Schienenverkehr gemeinsam.

Das Klimaschutzprogramm 2030 der Bundesregierung sieht deswegen eine Förderung von alternativen, klimaschonenden Lkw-Antrieben und den Ausbau einer entsprechenden Infrastruktur vor. Das erklärte Ziel ist es, bis 2030 ein Drittel der Fahrleistung im schweren Straßengüterverkehr elektrisch oder auf strombasierte Kraftstoffe zu verlagern.

Mit einer Tankladung fast durch ganz Deutschland

Die Konzernsparte Daimler Trucks hat jetzt die Technologie vorgestellt, mit der diese Marke erreicht werden könnte. Der futuristisch aussehende „GenH2“ verfügt nach Firmenangaben über zwei Tanks für jeweils 40 Kilogramm flüssigen Wasserstoffs, der eine Brennstoffzelle antreiben kann. In Kombination mit einer effizienten Batterie soll das Fahrzeug mit einer einzigen Tankladung im Fernverkehr bis zu 1.000 Kilometer zurücklegen können – und dies angeblich komplett emissionsfrei.

Der Prototyp soll ab 2023 den Kunden für den Testbetrieb zur Verfügung stehen, der Serienstart soll in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts folgen. Für kürzere Strecken und leichtere Ladungen kündigte Daimler-Trucks-Vorstandschef Martin Daum am Mittwoch einen komplett per Batterie betriebenen Laster an, der nur die halbe Reichweite haben wird, dafür aber effizienter einsetzbar sein soll. Der eActros LongHaul soll in etwa vier Jahren auf den Markt kommen. Die komplette Neufahrzeugflotte bei Daimler Trucks soll nach Konzernvorgaben spätestens 2039 CO2-neutral sein.

Betrieb von Wasserstoff-Lastern ist bislang zu teuer

Die größten Herausforderung auf dem Weg zur grünen Transportwende sieht Daum weniger in der extrem harten globalen Konkurrenz („Wir schenken uns alle nichts“) als vielmehr bei der Kundenakzeptanz. Der große Durchbruch bei der Brennstoffzellentechnik liege schon zehn Jahre zurück, dennoch sei der Betrieb solcher Fahrzeuge bislang unwirtschaftlich gewesen, so der Daimler-Trucks-Chef. Nach seinen Vorstellungen müssten die Kosten mindestens halbiert werden.

Selbst bei „optimistischsten Annahmen“ werde Diesel für die Transportfirmen auch in Zukunft billiger sein, schätzt Daum. „Daran wird sich nichts ändern, wenn die Rahmenbedingungen gleich bleiben“. Diese Mahnung war direkt an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gerichtet, der an der Präsentation teilnahm. Daimler wünscht sich von der Politik eine CO2-basierte Maut als Klima-Anreiz und die baldige Schaffung der nötigen Infrastruktur für Ökostrom sowie für die „Erzeugung, Speicherung und den Transport von grünem, flüssigem Wasserstoff“.

Bundesregierung will „Flottenwende“ fördern

„Wir brauchen eine schnelle Flottenwende“, bestätigte Minister Scheuer. Nach seinen Worten will die Bundesregierung die Förderung von klimafreundlichen Technologien Im Verkehr noch deutlich ausweiten.

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