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Neues aus dem Elternabend

Zettelwirtschaft in Kita und Schule: Muss das wirklich sein?

Muss ich eine Assistenz einstellen, um die Flut der Kita- und Schulbriefe meiner Kinder managen? Das fragt sich derzeit unsere Kinderkram-Autorin, der es inzwischen davor graut, den Schulranzen und die Kindergartentasche ihrer Kinder auszuräumen.

Kinderkram Foto: Dolgachov - Fotolia

Es tut mir sehr leid, ich muss mich mal beschweren. Aber es sind einfach zu viele Zettel geworden! Jeden Nachmittag, wenn wir den Schulranzen und die Kindergartentasche der Acht- und des Fünfjährigen auspacken, fallen sie uns entgegen.

Zettel über Zettel, die uns sagen, dass die erste Stunde ausfällt, dass sich die Bring-Zeiten wieder geändert haben, dass die Schach-AG stattfindet, dass die Schach-AG doch nicht stattfindet, dass die Pandemiestufe Drei ausgerufen wurde, dass wir dem Kind keine Hausschuhe mehr mitgeben sollen, dass wir die Gesundheit unseres Kindes blind bestätigen sollen, dass sich die Hol-Zeiten geändert haben, wo die Hausschuhe des Kindes bleiben und immer wieder: der Läusezettel.

„Moment, da gabs doch einen Zettel!“

Ich halte mich eigentlich für einen recht organisierten Menschen. Aber die Zettel, sie überfordern mich. Regelmäßig stehen der Kindsvater und ich da, fragen uns, ob der Musikschulunterricht im Kindergarten jetzt stattfindet oder das Schulsekretariat gerade erreichbar ist, und einer sagt: „Moment, da gabs doch einen Zettel!“ Dann suchen wir in Postmappen, auf Dokumentenablagen und in E-Mail-Posteingängen; um häufig festzustellen, dass wir wieder irgendeine Frist verpasst haben.

Und wissen Sie, was noch schlimmer ist als Zettel? Auf die Gefahr hin, leicht irre zu klingen: keine Zettel. Also, keine auf Papier. Denn zusätzlich zu den Schulranzen- und Kindergartentaschenzetteln kommen auch E-Mails, gefühlt etwa drei pro Tag. Pro Kind. Diese E-Mails können einen Dopplung zum papiernen Zettel sein, für sich alleine stehen oder einen bereits verteilten oder noch kommenden Zettel ergänzen. Mit welcher Version man es zu tun hat, muss man selbst herausfinden. Herausfinden muss man auch regelmäßig, wo man einen Anhang, den man in Papierform und unterschrieben an die Schule oder Kita zurückgeben soll, ausdrucken kann.

Die abgehetzte Mutter

Neulich kam ich schwitzend und mit noch nassen Haaren - ein eher ungünstiger Zustand in einem Pandemie-Winter - zum wiederholten Mal in jener Woche um Punkt 7.59 Uhr mit einem schimpfenden Kind an der Hand in der Kita an.

Ich hatte es im Lauftempo quer durch die Stadt gehetzt, um es an der Kitatür abzugeben, bevor diese verschlossen wird. „Entschuldigung, dass es wieder kurz vor knapp wurde!“ rief ich der Erzieherin zu, die die Tür öffnete; unter ihrer Maske einen nicht gutheißenden Gesichtsausdruck vermutend. „Aber, Frau Steinfeld, warum hetzen Sie sich so ab?“, fragte sie verwundert, „Sie haben doch noch eine halbe Stunde Zeit!“ „Wie bitte? Seit wann denn das?“ fragte ich matt. In ihren Augen stand Mitleid, als sie antwortete: „Na, seit zwei Wochen! Da stand doch auf dem Zettel.“

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