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Bangen um die Hallen

Corona-Chaos auch im Sport – Pforzheimer geben sich kämpferisch

In den Hallen soll erst einmal alles so bleiben, wie es ist. Oder doch nicht? Verantwortliche hadern mit unklaren Formulierungen und nun beschäftigen auch noch der FC Nöttingen und sein Hauptsponsor die Gesundheitsämter.

Schlimme Erinnerungen: Leere Sporthallen wie die Tennis-Halle der PSG Pforzheim gab es im Frühjahr zu Hauf. Dieses Mal sind die Vereine optimistisch, dies abwenden zu können. Foto: Roland Wacker

Dieses Bild hat sich nicht nur in das Gedächtnis von Dieter Theurer gebrannt: Zettel an den Sporthallen kündigten das Unheil an, auch an seiner Tennishalle der PSG Pforzheim. Darauf stand sinngemäß „auf unbestimmte Zeit wegen der Corona-Pandemie geschlossen“. Nahezu das komplette Frühjahr musste der Hallensport in Deutschland und somit auch in Pforzheim aussetzen.

Nachdem Handballer, Basketballer und Co. schon im Sommer wieder zurückkehrten, sind seit Oktober auch Outdoorsportler wie Tennisspieler und Leichtathleten für ihre Trainings wieder unter einem Dach. Doch wird dieser Spaß von Dauer sein? Und wenn ja, für wen?

Es sind viele offene Fragen, die sich derzeit für den Amateursport stellen. Denn neben dem Damoklesschwert eines möglichen Lockdowns besteht Unklarheit darüber, welche Auswirkungen die neue Corona-Verordnung vom Montag genau hat. Von der generellen Frage, was am Freitag die Stadt- und Landkreisoberen bekanntgeben, nachdem Pforzheim und Enzkreis am Mittwoch den Corona-Grenzwert von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche überschritten haben, ganz zu schweigen. Die Nachrichtenlage ändert sich derzeit nicht täglich, sondern stündlich.

Das musste auch PSG-Vorstand Theurer erleben. Am Dienstag noch gab er sich kämpferisch, wie andere Vertreter der größeren Vereine in der Region, die für ein Stimmungsbild angefragt wurden. Er habe ein schlüssiges Hygiene-Konzept in seiner Tennishalle. Die ist mit einem elektronischen Türschloss gesichert, es herrscht Maskenpflicht außerhalb der Plätze. In die Umkleide dürfen nur vier Personen gleichzeitig, nur eine Person darf jeweils duschen. Und über allem schwebt natürlich die Abstandsregel von 1,50 Meter, und, und, und. Mehr, so ist sich Theurer sicher, könne man nicht machen.

Schon am Mittwoch kam eine Kehrtwende. Denn der 1.700 Mitglieder starke Verein, der um den Titel „größter Mehrspartenverein Pforzheims“ konkurriert, musste die für Samstag geplante Mitgliederversammlung in der Jahnhalle streichen. „Ich kann das einfach nicht verantworten, wenn sich da jemand infiziert“, sagte Theurer – noch bevor das Gesundheitsamt am Mittwochabend dann die Ampel an der Enz auf Rot stellte. Außerdem könne man bei einem so großen Verein nicht ausschließen, das laut Corona-Verordnung erlaubte Maximum von 100 Teilnehmern zu überschreiten.

Viele Mitgliederversammlungen verschieben sich

Das ist nicht nur für die PSG ein Problem. „Viele Vereine haben ihre Mitgliederversammlungen beim Lockdown in den Herbst verlegt, weil sie hofften, dass da die Lage besser sei“, berichtet Florian Dürr, stellvertretender Geschäftsführer des Badischen Sportbundes. „Das ist keine schöne Situation für die Ehrenamtlichen.“ Denn viele hätten längst aus ihren Ämtern scheiden wollen, müssen nun ihre Amtszeit überziehen, ohne das unbedingt zu wollen.

Große Unklarheit herrscht auch bei der Frage, wie groß denn nun die Trainingsgruppen sein oder welche Sportveranstaltungen noch wie durchgeführt werden dürfen. „Das brennt uns schon unter den Nägeln“, sagt Dürr vom BSB. Man habe bereits am Dienstag eine klare Ansage aus Stuttgart erwartet. Die lässt noch immer auf sich warten. „In Gesprächen wurde uns gesagt, es ändert sich nichts“, sagt Dürr. Sprich: Maximal 20 Personen dürfen gleichzeitig trainieren.

„Nur bezieht sich die Corona-Sportverordnung auf die allgemeine Corona-Verordnung.“ Und da steht nun die Zahl zehn bei Versammlungen. Was nun gilt? Man wisse es einfach nicht. Nur, dass es für Sportarten wie Fußball mit seinen 22 Spielern Ausnahmen gebe, weil das für die Durchführung des Sports immanent sei.

Außer natürlich, man ist selbst von der Quarantäne betroffen, wie die Spieler der Oberliga-Mannschaft des FC Nöttingen. Durch die Infektion von Tolga Ulusoy, der am Donnerstag vor einer Woche noch beim Training weilte, muss nun das Gros der Mannschaft in Quarantäne. Das bestätigte Vereins-Vorsitzender Dirk Steidl. Die Partie gegen den Freiburger FC am Wochenende wurde abgesetzt.

Auch bei Ulusoys Arbeitgeber und FCN-Hauptsponsor Kleiner herrscht nun Corona-Alarm, wie man dort bestätigt. Es seien, wie auch bei Nöttingen, einige Mitarbeiter in Quarantäne geschickt worden. Wie viele und wie viele positive Test es gibt, das wollte man seitens der Firma noch nicht sagen, da einige Testergebnisse noch ausstünden.

Also ein Argument für einen nahenden Sport-Lockdown? Peter Hess, Leichtathletik-Trainer des SV Büchenbronn, hofft auf die „Vernunft der Politik“, nun nicht zu rigorosen Maßnahmen zu greifen. Doch auch er schaut mit Sorge auf die Entwicklung, etwa auf den Lockdown in Berchtesgaden. „Wenn keiner mehr raus darf, kann auch keiner mehr in die Halle.“ Und bei aller grundsätzlichen Überzeugung könne man ja doch nicht sicher sein, was die Verantwortlichen bei weiter steigenden Zahlen entscheiden.

Wirtschaftlich treffe es zumindest die Trainer im Sportkreis Pforzheim/Enzkreis geringer als in anderen Regionen, sollte es doch zu geschlossenen Hallen kommen. „Wir sind noch sehr stark vom Ehrenamt getragen“, sagt Sportkreis-Geschäftsführerin Katharina Rabmow. SVB-Trainer Hess etwa betont: „Ich bin nicht abhängig vom Geld.“ Es sei vielmehr eine mentale Delle, die der vergangene Sport-Lockdown ausgelöst habe. „Die Sportler sind süchtig nach Training“, meint er.

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