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Wenig los in der Fußgängerzone

Die Maske bestenfalls unter der Nase: Pforzheims Fußgängerzone im Teil-Lockdown

Pforzheims Einzelhandel macht unterschiedliche Erfahrungen am ersten Samstag mit Teil-Lockdown. Es sind insgesamt zwar weniger Menschen unterwegs als sonst, zielgerichtete Einkäufe sichern oft aber dennoch den Umsatz.

Kein Gedränge: Pforzheims Fußgängerzone ist am Samstag deutlich weniger besucht als sonst üblich. Foto: Edith Kopf

„Wie kann das ein normaler Samstag sein?“: Die Frage des Passanten erschlägt alles, was es an Positivem zum ersten Wochenend-Shopping in Pforzheims Fußgängerzone zu sagen gäbe. „Ohne Gastronomie ist alles tot“, ergänzt der Mann, während seine Begleiterin dafür sorgt, dass die Müssle-Premiere im Industriehaus gut läuft. Dort gibt es nämlich zum ersten Mal an einem Samstag „Kaffee to go“ und Pasta zum Mitnehmen. Corona macht‘s möglich.

Kinnverdoppler und Nasenbären laufen derweil eher ohne Interesse an dem kleinen kulinarischen Angebot im Teil-Lockdown vorbei. Gleichgültig begegnen viele davon auch Nachfragen zur Maske, die bestenfalls unter der Nase hängt, zumeist aber unterm Kinn oder ganz fehlt. Der eine „raucht gerade“, die andere „hat gegessen“ und vier Frauen brauchen endlich Luft nach einem ausgiebigen Besuch in einem Ladengeschäft. „Wir dachten, wir sind jetzt draußen, da geht das“, sagt eine davon. „Und da ist die Maske überflüssig“, ergänzt eine andere. Es wird aber auch deutlich, dass die Vier zielstrebig unterwegs sind, weil sie etwas brauchen. „Sonst wären wir nicht in der Stadt, wegen Corona.“

Pforzheims freundliche Verkäuferinnen

Die Antwort spiegelt wider, was die meisten Geschäftsleute wahrnehmen. Die Westliche wirkt leer. Leute wie Steffi Reinisch und ihre Tochter aus Vaihingen-Enz sind kaum zu finden unter den Einkäufern. Aber auch ihr Einkaufsbummel durch halb Pforzheim mit Döner auf einer der Sitzbänke ist „wegen Corona eher eine Ausnahme“. Stuttgart sei dafür keine Alternative gewesen, machen sie deutlich: Pforzheim habe freundliche und aufgeschlossenen Verkäuferinnen und außerdem sei hier alles schön kompakt.

Zurückhaltung also auch hier. Für Klaus Dettinger, der in seinem Geschäft Schuhmoden am Leo ein zweistelliges Minus verbucht, ist das möglicherweise ein Stadtproblem. Er glaubt, dass viele Leute aktuell Menschenansammlungen aus dem Weg gehen und deshalb „eher auf dem Land einkaufen“. Dies zeige sich in seinem Geschäft in Schömberg, wo durch einen Lebensmittel- und einen Drogeriemarkt gegenüber allerdings auch die Frequenz stimmt.

Dass die Besucherzahl in der Fußgängerzone nicht zwingend ausschlaggebend ist dafür, was umgesetzt wird, macht Lorenz Stieß deutlich. Er erlebt eher einen „stabilen Samstag“ in seinem Haushaltwarengeschäft. Ebenfalls zufrieden mit dem Umsatz zeigt sich Karsten Jung. „Die Stammkundschaft ist da.“ Auch insgesamt sei der Umsatz für einen Novembersamstag gut. „Wenn aber die Gastronomie wieder aufmachen könnte, wäre allen geholfen“, schiebt er nach.

Schubweise richtig was los

„Ganz gut“, urteilt auch Hannah Storck vom Kinderglück. Für sie brachte nach einer vergleichsweise schwächeren Woche schon der Freitagnachmittag überraschend viel Nachfrage. Außerdem erlebt sie etwas, was sie sich seit Jahren wünscht: „Viele überlegen sich, was sie jetzt schon besorgen können für Weihnachten.“ Das nehme den Druck raus.

„Es gibt schon Kunden, die jetzt stapelweise Bücher kaufen“, beobachtet Viktor Bothmer bei Thalia. Gleichzeitig gebe es einen Besucherrückgang von „gefühlt zwischen 20 und 30 Prozent“. Den Samstag selbst erleben seine Mitarbeiter als „durchwachsen“. Schubweise sei aber richtig was los.

Dennoch, Wartende sind nicht zu sehen vor Geschäften, die wegen ihrer Größe nur wenige Kunden auf einmal reinlassen können. Das gilt auch für die Schlössle-Galerie, die scheinbar passend zum Lockdown mit einem Gutscheinheft auf sich aufmerksam macht.

„Katastrophale Woche“ im Goldstadtcafé

Die „geschickte Aktion“, die der Direktor von Wirtschaft und Stadtmarketing, Oliver Reitz wahrnimmt, ist keine Antwort auf die Pandemie. „Das Couponheft kommt vom Zeitpunkt her gut, erforderte aber fast acht Wochen Vorbereitung“, erläutert Center-Leiter Thomas Sänger. Angesichts einer unter normalen Umständen fast doppelt so hohen Besucherfrequenz wünscht er sich, „dass den Mietern reicht, was jetzt los ist“.

Sänger winkt ab bei der Idee, seinen 42 Einzelhändlern zum Beispiel durch einen gemeinsamen Lieferservice zu helfen. „Wenn das so einfach wäre, gäbe es das schon.“ Allein der fehlende Zugang zu den Warenwirtschaftssystemen der Anbieter in der Schlössle-Galerie setze dem Grenzen. Das gelte auch für Versuche, Pforzheims Einzelhandel über einen gemeinsamen Bestelldienst zu stärken, macht Reitz deutlich.

Leuten wie Sven Müller, der auf „eine katastrophale Woche“ im Goldstadtcafé zurückblickt, brächte das ohnehin nichts. Die paar Passanten, die ihren Samstagseinkauf mit einem Kaffee auf die Straße verbinden, bringen weniger als 50 Prozent des üblichen Umsatzes. Und die Kaffeemischung für Zuhause locke dieser Tage auch nur noch rund die Hälfte der Kunden in die Innenstadt.

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