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Videos aus 45 Jahren

Narren in Ersingen verlegen die Feier ins Internet

Keine Prunksitzung, kein neues Prinzenpaar und kein Umzug: Die Kampagne fällt bei den allermeisten Faschingsvereinen dieses Mal ins Wasser. Viele basteln aber an Ideen, um ihre närrischen Fans doch noch zu erreichen.

Das Beste aus vergangenen Kampagnen: 45 Videos hat die Ersinger Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“ für ihre digitale Prunksitzung zusammengeschnitten. Das sechsstündige Material kann auf der Internetseite des Vereins angesehen werden. Foto: Torsten Ochs

„Die Kampagne ganz ausfallen lassen – das ging einfach nicht“, sagt Raphael Reich, Vizepräsident der Ersinger Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“. Schon zum digitalen „Elften im Elften“ hat der Verein seine Mitglieder mit einigen Videos in den sozialen Medien unterhalten.

Seitdem trifft sich eine Gruppe von zehn Vereinsmitgliedern, die ein Programm für die Faschingszeit auf die Beine gestellt haben. „Das war zeitlich aufwändiger als die übliche Kampagne“, sagt Reich.

Am 15. Januar war der Auftakt mit einer Prunksitzung. 45 Videos, ein Best-of aus den vergangenen Jahren, wurden zusammengeschnitten – das sechsstündige Material kann frei zugänglich im Netz abgerufen werden.

„Es hat sich gelohnt, wir sind mehr als zufrieden. Unser Ziel war, einen Lichtblick zu bieten“, sagt Vizepräsident Raphael Reich. Denn in den Stunden nach dem digitalen Auftakt kamen viel Zuspruch und positive Rückmeldungen bis hin zu Lobeshymnen per E-Mail und in den sozialen Medien.

„Oberaffengeil. So cool, die alten Knaller-Vorträge nochmal zu sehen“, schreibt etwa Claudia Vögele auf Facebook. Möglich wird die digitale Fasnet durch technisch talentierte Mitglieder. Die Fledermaus hat ein Medienteam in ihrer Verwaltung, das auch die sozialen Medien bedienen kann. Über die Kampagne soll aber auch ganz analog im Gemeindeblatt berichtet werden.

Auch „Kakadu“ stellt Videos ins Netz

Etwas auf die Beine stellen wollen auch andere Faschingsvereine im Enzkreis. „Es steht noch in den Sternen“, dämpft Michael Fritz, Vizepräsident beim Bilfinger Narrenbund Kakadu, allerdings zu große Erwartungen.

„Wir haben Ideen, was wir machen würden, wenn wir könnten. Es ist noch in der Schwebe und hängt davon ab, wie sich die Corona-Situation entwickelt.“ Zwar habe der Verein auch Videos ins Netz gestellt, Fritz geht aber davon aus, dass es darüber hinaus nichts geben wird.

Ähnlich sieht es bei den Tiefenbronner „Schmellenhopfern“ aus: Veranstaltungen sind keine geplant, eventuell stellt der Verein Videos früherer Spektakel ins Netz. Letzteres macht auch die Carnevalsgesellschaft Spaßvögel Singen.

Traurig sind auch die „Schellau“-Mitglieder, dass ihre Kampagne ausfällt. Am 9. Januar hätte eigentlich der große Nachtumzug des Narrenbunds in Schellbronn stattfinden sollen, der jedes Jahr Tausende Besucher anlockt. In Gedenken an das Spektakel ist Präsident Jens Machirus im Narrenhäs durch die Wohnung gezogen und hat genau wie andere Mitglieder des Schellbronner Faschingsvereins auf dem Balkon mit Glühwein angestoßen.

Eine Online-Prunksitzung bekomme der Verein nicht hin, weil die Schwarzwaldhalle gesperrt ist – und ein langes Video zusammenzuschneiden, scheitere am zeitlichen und personellen Aufwand. „Aber wir holen alles nach“, verspricht Machirus: und zwar bei einem Sommergrillfest als Dankeschön fürs Durchhalten und einem Sommerfest für die Schellbronner. Darüber hinaus blickt der Verein auf die nächste Kampagne. „Die muss stattfinden. Aber wir sind frohes Mutes, dass sich bis dahin alles normalisiert.“

Schneemannverbrennung in Dillweißenstein soll stattfinden

Den Umzug in Dillweißenstein wird es zwar in diesem Jahr nicht geben, die Belrem-Gilde sucht dennoch nach einer Möglichkeit, am 16. Februar zumindest den Schneemann zu verbrennen – was traditionell immer am Schluss des Umzugs stattfindet. „Es gibt Überlegungen, sie sind aber nicht spruchreif“, sagt Jörg Müller, Chef des Faschingsumzugs. Die Entscheidung will der Gilderat in Abstimmung mit dem Ordnungsamt und der Feuerwehr treffen. Müller gibt sich optimistisch: „Wir haben bisher für alles eine Lösung gefunden. Wir gucken, was wir hinkriegen.“

Unser Ziel war einen Lichtblick zu bieten.
Raphael Reich, Vizepräsident der Ersinger Karnevalsgesellschaft „Fledermaus“

Auch der Neuhausener Hau-Hu gibt die Kampagne noch nicht ganz verloren: „Wir haben Ideen im Hinterkopf. Wenn was geht, dann machen wir das kurzfristig“, sagt Präsident Heiko Stoll. Ein digitales Programm habe der Verein zwar ins Auge gefasst, das hänge aber von den Kosten ab. Notfalls gebe es wie 1991 eine Nullrunde. Damals wurde die Kampagne wegen des Golfkriegs abgesagt. Denkbar sei ein Sommerfest, eine Hau-Hu-Hocketse mit befreundeten Hexen, so Stoll.

Hau-Hu blickt auf närrisches Jubiläum 2023

Der Hau-Hu blickt schon auf 2023 - dann feiert der Verein sein närrisches 55-jähriges Jubiläum. Bis dahin fasst er auch den Bau einer Halle auf dem Gewerbegebiet West ins Auge.

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