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Klimaproteste in Pforzheim

50 Demonstranten in Pforzheim: Fridays for Future ist für eine Minute lang „tot“

Nach fast einem Jahr ohne öffentliche Aktionen drängt die Klima-Bewegung nun wieder auf die Straße. In Pforzheim wurden die Erwartungen der Organisatoren übertroffen.

Die Schilder herausgeholt: Das haben Bernhard und Ruth Fehling von Greenpeace beim Streik von Fridays for Future am Freitag in der Fußgängerzone.Foto: Foto: Harry Rubner

Es sind dann doch mehr gekommen als befürchtet. 50 Menschen etwa hatten sich bei der ersten Fridays-for-Future-Demo seit einem knappen Jahr in der Fußgängerzone in der Westlichen versammelt, um gemeinsam eine engagiertere Umweltpolitik zu fordern.

„Das ist wirklich ein guter Start“, bilanzierte dann auch der Pressebeauftragte von Fridays for Future in Pforzheim, Robin Schaletzki. „Wir konnten viel Aufmerksamkeit auf uns ziehen. Dafür, dass es relativ spontan angekündigt war, sind wirklich viele Leute gekommen.“

Natürlich wurde nicht nur in Pforzheim gestreikt, sondern weltweit. In Karlsruhe etwa hatten die Organisatoren eine große Menschenkette gebildet. Dorthin hatte eigentlich auch Ruth Fehling von Greenpeace in Pforzheim gehen wollen, sich dann aber spontan umentschieden.

„Wir haben das letzte Mal vor fast einem Jahr demonstriert – aber unsere Sprüche sind noch immer aktuell.“ Aus der Corona-Krise hat sie vor allem eine Erkenntnis gewonnen: „Dass wir verzichten können, wenn wir verzichten müssen.“ Und da sei ja noch so vieles zu machen. Städte wie Pforzheim stünden in Sachen Verkehrskonzept und E-Bikes ja noch am Anfang, auch beim öffentlichen Personennahverkehr sei noch viel Luft nach oben. Dirk Ouennas, ebenfalls von Greenpeace, ergänzt: „Der Ausbau der Fahrradwege ist essenziell.“

Demonstranten werden „ohnmächtig“

Höhepunkt der als Sitzstreik geplanten Aktion war dann eine einminütige Ohnmacht. 60 Sekunden lang stellten sich die Teilnehmer der Demo auf dem Boden liegend tot – die mit Mundschutz und Sicherheitsabstand gleich doppelt vorsichtig in Sachen Corona-Maßnahmen waren. So blieben dann zahlreiche Passanten stehen, fragten irritiert, was das denn für eine Aktion sei. „Schon wieder eine Demo. Immer wenn ich in Pforzheim bin, ist hier eine Demo“, sagte etwa eine Passantin. Ein anderer fragte, ob er hier bei einer religiösen Vereinigung sei.

Von den Pforzheimer Politikern war Stadtrat Christof Weisenbacher (Wir in Pforzheim) gekommen, der zugleich Aktivist bei Critical Mass ist. Er lobte zwar den Beschluss des Gemeinderates, als Stadt klimaneutral werden zu wollen.

Doch er kritisierte: „Vor dem Hintergrund finde ich es sehr fragwürdig, für Gewerbegebiete Wald abzuholzen.“ Das sei nicht nur auf das Prestige-Projekt von Oberbürgermeister Peter Boch (CDU) im Klapfenhardt bezogen. Auch in der Diskussion um Heizpilze für die Gastronomie sieht er ein Zeichen, dass das Bewusstsein für die Klimadebatte zurückgegangen sei. „Jetzt will man alles versuchen, um die Wirtschaft auf die Beine zu stellen“, kommentierte er – ohne dabei einen klaren Standpunkt einzunehmen.

Es ist auch dieser Mangel an Aufmerksamkeit durch die Corona-Krise, weshalb man bei den Organisatoren um Robin Schaletzki etwas defensiv geplant hatte. „Natürlich ist unser Thema untergegangen“, stellt er fest. „Die mediale Aufmerksamkeit liegt bei Corona. Wir haben so ein halbes Jahr verloren.“

Kritik an wenig Fortschritt in der Klimapolitik

Immerhin hatte man das letzte Mal am 29. November 2019 gestreikt. Auch politisch habe es zu wenig Fortschritte gegeben. Immerhin fordert die Bewegung noch immer einen Kohleausstieg bis 2030 und Klimaneutralität bis 2035. Zumal selbst die lange gescholtenen Chinesen nun erstmals mit 2060 ein Ziel für Klimaneutralität ausgegeben haben. „Auch sie fangen jetzt an, was zu machen“, kommentiert Schaletzki. Zumindest, lobt Schaletzki, konnte eine Förderung von Verbrennungsmotoren durch die Bundesregierung verhindert werden.

Die nächste Aktion von Fridays for Future ist dann am 13. November vorgesehen. „In anderen Städten wird jede Woche demonstriert. Wir haben in Pforzheim aber nicht das Potenzial wie etwa Stuttgart“, sagt Schaletzki. Außerdem dünne das Organisationsteam aus, ein Aufruf, dieses zu verstärken, sei geplant. „Jetzt wo das Schuljahr gestartet ist, wollen wir uns auch wieder besser mit den Schulen vernetzen.“

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