Skip to main content

Budenzauber findet statt

Goldener Weihnachtsmarkt in Pforzheim wird „To Go“-Event

Bald wird es wieder nach gebrannten Mandeln und Grillwurst duften. Glühwein soll es ebenfalls geben auf dem 49. Goldenen Weihnachtsmarkt, dessen Flair diesmal von Corona-Regeln beeinträchtigt wird.

Glänzende Ansichten. Optisch dürfte der Weihnachtsmarkt in diesem Jahr ähnlich attraktiv ausfallen wie 2019. Ob im Corona-Jahr das entsprechenden Flair aufkommt, bleibt abzuwarten. Foto: Daniel Streib

Es gibt Glühwein, aber keine Dambedeis. Das Votum im Gemeinderat für den Goldenen Weihnachtsmarkt in einer Corona-Ausgabe fiel einstimmig aus. Nach jetzigem Stand wird sich vom 19. November bis 22. Dezember Budenzauber über Marktplatz und Fußgängerzone legen, trotz steigender Infektionszahlen. Die offizielle Eröffnung fällt flach, und es werden keine kostenlosen Dambedeis verteilt.

„Mini-Mess“ als Stimmungsbarometer

„Die Leute waren von der Mini-Mess begeistert“, sagt Artur Dingeldein. Der Vorsitzende des Pforzheimer Schaustellerverbands glaubt, die Akzeptanz für die kürzlich zu Ende gegangene Veranstaltung „Herbst in der City“ als Stimmungsbarometer für einen Weihnachtsmarkt unter besonderen Regeln nehmen zu können: Ein Event in der frischen Luft kann funktionieren, wenn Besucher sich an Abstands- und Hygienevorgaben halten, hat Dingeldein festgestellt.

In gut drei Wochen wird aufgebaut

Ein Sicherheitskonzept zu erstellen, einen Aufbauplan zu fertigen und die Händler anzuschreiben, das sind Aufgaben, die Marktmeister Marc Pfrommer in diesen Tagen oben auf seiner Liste stehen hat. Christbäume müssen bestellt werden. Ein Weihnachtsbaum soll mitten auf dem Marktplatz stehen. „In gut drei Wochen wollen wir aufbauen lassen“, sagt Pfrommer. Aktuell liegen ihm 45 Anmeldungen vor. Mit 51 Buden und Ständen waren es im vorigen Jahr nur wenige mehr.

Wie schon bei der „Mini Mess“ wird es keine Stehtische geben. Wurst und Pommes bekommen Besucher abgepackt zum Mitnehmen. Die gute Nachricht für viele Weihnachtsmarktbesucher: Glühwein wird ausgeschenkt – in einem eigens ausgewiesenen „Glühweingarten“ beim Alten Rathaus.

Auf dem Marktplatz dürfen nur 500 Besucher gleichzeitig sein

Eine entzerrte Version eines Weihnachtsmarkts ist auch deshalb möglich, weil City on Ice in diesem Jahr nicht stattfindet und Gastwirt Frank Daudert den an die Eisfläche angrenzenden „Goldis Stadel“ nicht aufbauen wird. Damit steht neben der Fußgängerzone der gesamte Marktplatz zur Verfügung für eine Pforzheimer Weihnachtsstadt in Pandemiezeiten. Der Marktplatz wird eingezäunt. Maximal 500 Besucher dürfen sich dort gleichzeitig aufhalten.

Ich kann nur an die Vernunft der Leute appellieren.
Eddy Arnoux, Betreiber der Glühweinpyramide

Eddy Arnoux ist gleichermaßen überrascht wie erfreut vom Gemeinderatsbeschluss, der es ihm ermöglicht, zum zehnten Mal seine Glühweinpyramide aufzubauen. Wie viele Menschen hat er jedoch Angst vor steigenden Corona-Zahlen und deren Auswirkungen, so dass Weihnachtsmärkte womöglich kurzfristig doch abgesagt werden müssen. „Ich kann nur an die Vernunft der Menschen appellieren, sich an die Regeln zu halten“, sagt er. Arnoux wird sich mit „Almwirt“ Sascha Barth einen Glühweingarten teilen, der abgetrennt ist vom sonstigen Weihnachtsmarktgeschehen. Nur dort können Besucher Glühwein trinken.

Der Corona-Weihnachtsmarkt zwingt ihn zu Investitionen. Neben Tischen muss Arnoux auf die Schnelle Material für Absperrungen kaufen. Unterm Schnitt überwiegen positive Gefühle: „Ich bin guter Dinge“, sagt er. „Ich freue mich, Glühwein nach Pforzheim zu bringen und alte bekannte Gesichter wiederzusehen.“

Zwei begehbare Stände werden diesmal pausieren

Zwei begehbare Stände bleiben Pforzheim diesmal fern: Berner Gourmet und die Ahlener Bude mit Weihnachtsdeko sehen sich zum Pausieren gezwungen, weil sie nicht mit genügend Umsatz rechnen, wenn nur zwei oder drei Kunden gleichzeitig im Geschäft sein dürfen, lässt Pfrommer durchblicken.

Mit einem kleineren und zeitlich verkürzten Mittelaltermarkt will der organisierende Verein Lebendiges Mittelalter Weihnachtsstimmung von 10. bis 27. Dezember in den Blumenhof bringen. Vorsitzender Krischan Moll rechnet mit rund 20 Ständen und hofft, dass es dabei bleibt. Einige Händler seien abgesprungen.

Die Befürchtung, dass Corona den Weihnachtsmarkt kippen könnte, sorge für Verunsicherung. Weil aber in Esslingen der traditionelle Mittelalter Weihnachtsmarkt coronabedingt ausfällt, kämen mehrere Handwerker von dort, um ihre Kunst in Pforzheim vorzuführen.

Krischan Moll rechnet mit 80 Prozent Einbußen

Auch wenn die Palette mit Zinngießer, Lederer, Steinmetz, Schmied, Kupferschmied, Brandmaler und Perlenweberin bunt sein wird, rechnet Moll mit 80 Prozent weniger Einnahmen. Besonders schmerzlich wirken sich das Fehlen von Badehaus, historischer Bühne und Taverne aus. Einen Bewerber für Alkohol-Ausschank beim Drei-Flüsse-Brunnen gebe es, berichtet Moll, der aktuell noch auf eine Zusage für den Markt vom Ordnungs- und Gesundheitsamt wartet.

Die Öffnungszeiten für beide Märkte sind täglich von 12 bis 20 Uhr. Ein privater Sicherheitsdienst soll darauf achten, dass Glühweinseligkeit nicht zu leichtfertigem Verhalten wie größeren Menschenansammlungen führt. Die Feinjustierung stehe noch an, sagt Pfrommer.

nach oben Zurück zum Seitenanfang