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Nach interner Archivrecherche

Plötzlich 125: 1. CfR Pforzheim feiert überraschenden FCP-Geburtstag

Der 1. CfR Pforzheim beziehungsweise sein Vorgängerverein 1. FC Pforzheim sind älter als gedacht. Das ergab eine interne Recherche von Vorstandsmitglied Marco Nabinger. Und er fand noch anderes Spektakuläres zu den Anfangsjahren heraus.

April, April, und nicht etwa Mai: Dieser Bericht der ersten Jahres- oder Mitgliederversammlung bestätigt die Gründung am 23. April - und nicht am 5. Mai. Foto: 1. CfR Pforzheim

Mit 125 Jahren kann man schon einmal ein paar Dinge durcheinander bringen. Zum Beispiel, wann man eigentlich Geburtstag hat. Diese Erfahrung hat nun auch der 1. CfR Pforzheim als Nachfolgeverein des 1. FC gemacht. Denn der Verein ist zwei Wochen älter, als bislang angenommen. Und feiert damit am Freitag bereits sein Jubiläum und nicht erst in zwei Wochen.

„Wir haben das als Überraschung geheim gehalten“, berichtet Öffentlichkeitsvorstand Marco Nabinger, der die jahrzehntealten Fake News vom 5. Mai entlarvt hat. Vor zwei Wochen etwa habe er ein altes Protokoll der ersten Mitgliederversammlung aus dem Jahr 1897 gefunden.

Dort wurde rückblickend von der Vereinsgründung am 23. April 1896 berichtet. „Ich wollte das erst einmal überprüfen, bevor ich das kommuniziere. Es gibt tatsächlich keinen Beleg über den 5. Mai als Gründungsdatum.“ Einzig einen Wikipedia-Eintrag.

Publik gemacht hat es Nabinger daher erst am Freitag, dem Geburtstag selbst, weiß auch, dass viele Fans und Mitglieder das noch nicht mitbekommen haben, weiter vom 5. Mai als Jubeltag ausgehen. Eine Praxis übrigens, die eine deutlich jüngere Dame als der FCP seit Jahrzehnten praktiziert: Queen Elizabeth II. Die hat am 21. April Geburtstag, also in derselben Woche wie der FCP, und feiert ihren Geburtstag offiziell im Sommer.

Falschinformation hat sich im Laufe der Jahre verselbstständigt

Wer mag schon Regen bei seiner Party? Ob so etwas auch hinter der Verlegung in den Wonnemonat beim FCP steckt, oder man sich den 5. Mai einfach besser merken konnte? „Wer weiß“, sagt Nabinger. Wann und wie diese Falschinformation auftauchte, ist nicht klar. Nur, dass es „sich im Laufe der Jahre verselbstständigt hat.“

Als Detektiv erfolgreich: Marco Nabinger hat im Zuge seiner Recherchen zum 125. Clubjubiläum das wahre Gründungsdatum des 1. FC Pforzheim herausgefunden. Foto: Harry Rubner

Um dieses Geheimnis zu lüften, hat Nabinger ein knappes Jahr lang Material aus deutschlandweiten Privatarchiven gesichtet. Der entscheidende Hinweis sei dann aus dem fränkischen Fürth gekommen. „Es gibt Leute, die sammeln alte Zeitungsberichte und Protokolle“, erklärt Nabinger. Da habe er sich angedockt für seine Recherche. Nabinger möchte eine neue Vereinschronik des FCP/CfR herausbringen.

„Die letzte hat Gernot Otto zum 100. gemacht. Es gab immer eine alle 25 Jahre.“ Also kniete sich Nabinger in die Arbeit. FCP-Archivar sei er, seit er die Nachfolge als Kassenwart der Alten Herren vom verstorbenen Erwin Wildermuth übernommen hatte – nebst dessen Archiv. Man hilft sich gegenseitig unter den Traditionsvereinen. So kommentierte Hansjürgen Jablonski unter dem Facebook-Post gleich die Geschichte, wie sein FC Normannia Gmünd von Pforzheimer Spielern 1904 gegründet wurde. „Sowas ist doch klasse“, meint Nabinger.

Zunächst blau-schwarz statt blau-weiß

Der hat auch ansonsten noch einiges Spannendes herausgefunden. So spielte der FCP anfangs nicht in blau-weiß, sondern in blau-schwarzen Trikots, also ähnlich wie zum Beispiel Erzrivale Waldhof Mannheim. Ab wann das Schwarz aus den Trikots verbannt wurde, konnte er noch nicht ermitteln. Außerdem hat Nabinger einen Stammbaum der diversen Pforzheimer Vereine erstellt, aus denen sich der Fusionsverein 1. CfR (seit 2010) zusammensetzt. Von manchen, so Nabinger, kenne er nicht einmal das Wappen. Sieben Ursprungsvereine sind es. Fünf davon (FC Phönix, Alemannia, Viktoria, Hertha Kickers und später noch FC Oststadt) wurden zum VfR, der FCP erhielt Unterstützung durch den FC Nordstern.

Sieben Stammvereine: Marco Nabinger hat sämtliche Pforzheimer Vereine zusammengetragen, die später im 1. FC Pforzheim und VfR Pforzheim aufgegangen sind, welche 2010 zum 1. CfR fusionierten. Von einigen sind nicht einmal die Wappen bekannt. Foto: Marco Nabinger/1. CfR Pforzheim

Eigentlich hätten nun die großen Feierlichkeiten stattfinden sollen. Bereits im vergangenen Jahr hatte der CfR den VfB-Leipzig-Nachfolger Lokomotive Leipzig zum Traditionskick geladen, als Neuauflage des Finals um die deutsche Meisterschaft von 1906. Anlass war die Eröffnung des Stadions im Brötzinger Tals, daraus wollte man nun wegen Corona den Jubiläumskick zum 125. machen. Auch das ging wegen der Pandemie nicht.

Keine Jubiläumsfeier möglich

„Die Leipziger stehen zu ihrem Wort, wir auch“, berichtet der Vorsitzende Markus Geiser, der Nachfolger des ersten FCP-Vorsitzenden Richard Strub. Der sei Nabinger fröhlich in die Falle gelaufen, als der nach dem Geburtstag gefragt habe. „Ich habe da natürlich 5. Mai gesagt“, berichtet Geiser, der wegen der Jubiläumsfeiern nur abwinkt. „Planen kann man da im Moment nichts. Wir haben ganz andere Probleme durch Corona.“

Mit dem heutigen Fußballzirkus jedenfalls, glaubt Geiser, habe die Welt von Richard Strub und seinen Mitstreitern 1896 wenig zu tun gehabt. „Da wurden Fußballer noch diffamiert. Das waren ganz andere Zeiten. Das letzte, was die im Sinn hatten, war die Gründung einer europäischen Superliga.“ Er selbst habe seine helle Freude gehabt, dass die Proteste letztendlich dieses Projekt verhindert haben. „Der Fußball gehört den Fans“, sagt Geiser.

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