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Geschäfte arbeiten an Konzepten

Viele Pforzheimer Einzelhändler öffnen ihre Läden ab Montag zur Abholung

Wenn ab Montag Abholangebote im Einzelhandel möglich sind, wollen auch Händler in Pforzheim die leichte Lockerung nutzen. In manchen Läden soll es eine Abholstation geben.

Übergabe an der Ladentür: Ab Montag bietet auch das Haushaltswarengeschäft Stieß (rechts: Lorenz Stieß) am Waisenhausplatz einen Abholservice an. Foto: Torsten Ochs

„Wir sind in den Startlöchern“, sagt Michaela Lenk. Die Geschäftsführerin des Modefachgeschäfts in der Lammstraße begrüßt den Abholservice, der ab Montag möglich ist: „Natürlich sehe ich es positiv, dass wir wieder etwas mehr machen dürfen.“

Das Geschäft nimmt mit den Kundinnen per E-Mail oder Telefon Kontakt auf, verschickt Fotos von Kleidern, die die Kundin dann vor der Ladentür abholen und anschließend per Überweisung bezahlen kann. Für den harten Lockdown in den vergangenen Wochen hat Lenk Verständnis. Um die hohen Corona-Zahlen zu senken, brauche es strikte Regeln.

Von 10 bis 16 Uhr richtet Thalia ab Montag eine Abholstation ein. Der Eingangsbereich solle frei gehalten werden, damit Kunden bis zur ersten Kasse in die Filiale kommen können, um ihre Bücher oder Ware abzuholen, erklärt der stellvertretende Filialleiter Viktor Bothmer, der die Lockerung begrüßt: „Natürlich freuen wir uns darauf.“

Wie viele Kunden gleichzeitig in den Laden dürfen – das müsse derzeit noch ausgemessen werden und hänge von den Quadratmetern ab. „Das Konzept ist derzeit noch in Arbeit“, sagt Bothmer. Darüber, dass Thalia eine Abholstation einrichtet, informiert seit Donnerstag ein Zettel am Eingang.

Abholen vor Ort: Die Thalia-Filiale in der Pforzheimer Fußgängerzone wird ab Montag zur Abholstation, wo Kunden vorbestellte Bücher abholen können. Foto: Torsten Ochs

Lieferservice wird trotzdem noch angeboten

„Es ist ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber wir nehmen mit, was geht“, sagt Katalin Stieß, die gemeinsam mit ihrem Bruder Lorenz das Haushaltswarengeschäft am Waisenhausplatz leitet. Die Kunden können anrufen und sich am Telefon beraten lassen.

Das tut einem im Herzen gut. Es ist schlimm mit den Laden-Schließungen, aber wir halten durch.
Katalin Stieß, Ladenbetreiberin

Ab Montag dürfen sie die Ware dann auch vor Ort abholen. Das Geschäft biete aber auch einen Lieferservice in Pforzheim und Umgebung an.

Der laufe in Lockdown-Zeiten aber eher schwach, so Katalin Stieß, die sich über das Verhalten ihrer treuen Kunden freut, die nicht im Internet bestellen, sondern warten, bis sie wieder bei Stieß einkaufen können: „Das tut einem im Herzen gut. Es ist schlimm mit den Laden-Schließungen, aber wir halten durch.“

Auch Schlössle-Galerie arbeitet an Abhol-Konzept

Auch die Geschäfte in der Schlössle-Galerie arbeiten an einem Konzept für den Abholservice. „Es braucht aber noch Zeit. Die Geschäfte arbeiten dran und ein Bestellkonzept muss erst noch auf die Beine gestellt werden“, sagt Centermanager Thomas Sänger.

Der größte Laden in der Galerie, der Drogerie Müller, habe offen. Er könne sich vorstellen, dass der Abholservice bei Geschäften wie Intersport Elsässer ebenfalls gut funktioniere.

Bei kleineren Läden könnte es dagegen schwierig werden, das Konzept umzusetzen. Generell begrüßt Sänger die Abholmöglichkeiten: „Wir unterstützen das und werden den Service über unsere Kanäle vermitteln.“

Beratung und Auslieferung auch während des Lockdowns

Über mangelnde Arbeit kann Bernhard Tronser, Inhaber des Fachgeschäfts für Elektrohausgeräte, nicht klagen: „Wir haben keine Kurzarbeit mehr und arbeiten voll.“

Auch während des Lockdowns hat das Fachgeschäft Kunden am Telefon beraten und die Geräte ausgeliefert. Aber darauf sei das Geschäft ohnehin ausgerichtet. Dass die Ware nun von den Kunden ab Montag wieder abgeholt oder zur Reparatur vorbeigebracht werden könne, „hilft uns weiter“, sagt Tronser.

Auch Erik Schweickert, einzelhandelspolitischer Sprecher der FDP/DVP-Fraktion im Landtag von Baden-Württemberg, lobt die Lockerung für den Einzelhandel. „Endlich greift die Landesregierung unsere Forderung nach der Zulassung von Click&Collect-Angeboten auf.“

Diese Regelung ist lange überfällig.
Erik Schweickert, einzelhandelspolitischer Sprecher der FDP/DVP-Fraktion

Damit dürften die Einzelhändler zumindest eingeschränkt ihren Geschäftsbetrieb wieder aufnehmen und die „eklatanten Wettbewerbsverzerrungen zum Online-Handel und zu anderen Bundesländern werden zumindest etwas abgebaut“.

Gleichzeitig könnten die Menschenströme entzerrt werden, so Schweickert. „Nun muss niemand mehr beim Discounter Bücher, Blumen und Textilien erwerben, sondern kann diese auch beim Fachhändler bestellen und abholen. Diese Regelung ist lange überfällig.“

Auch CDU-Landtagskandidat Philippe A. Singer freut sich für die Einzelhändler in der Region, dass im Staatsministerium „Vernunft eingekehrt ist“.

Es sei nicht nachvollziehbar, dass Gastronomiebetrieben die Abholung der Waren durch den Kunden gestattet ist, Einzelhändlern aber nicht. Nicht jeder Einzelhändler könne seinen Kunden einen Lieferservice anbieten. „Unsere Einzelhändler sind aber sehr wohl in der Lage, ihre Waren unter Einhaltung der Hygienevorschriften den Kunden zur Abholung bereitzustellen“, so Singer.

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