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Jugendtreff feiert Abschluss des bezuschussten Programms

Pforzheimer haben im Kupferdächle mit Open-Air-Flair dem Coronavirus getrotzt

Donnernde Gitarrenriffs, aber auch Poetisches erklang am Samstag vom Balkon des Jugendtreffs Kupferdächle. Viele junge Talente gaben in der online gestarteten Reihe „Kupferdächle - Zuhause Zuhören“ live ihr Abschlusskonzert.

Energiegeladen: Der Parkplatz des Kupferdächles füllte sich je später es wurde. Just in Case machten Laune mit viel Energie und legten die Latte hoch für die anderen Bands. Foto: Irmeli Thienes

Viele „possierliche Exemplare“ verwandelten am Samstag den Parkplatz zwischen Kallhardtstraße und Stadtgarten in ein Festivalgelände und schafften es dabei, Abstand zu halten. Mit den „possierlichen Exemplaren“ nahm der Kulturmanager des Kupferdächle, Rolf Watzal, Bezug auf die pandemiebedingt vom Aussterben bedrohte Rasse der Musiker, denn mit diesen Worten hatte er stets eine Online-Konzertreihe junger Künstler aus der ganzen Region liebevoll eröffnet. Drei Monate lang war jeden Freitag eine Band auf YouTube zu hören unter „Kupferdächle - Zuhause zuhören“.

„Schön, Euch hier zu sehen, so live und in Farbe und nicht in eine Kamera sehen zu müssen.“ Was die Musiker Just In Case riefen, zeigte sich deutlich an der Spielfreude auch der anderen sieben Bands. Zum Abschlusskonzert kamen vom Nachmittag bis zum Abend rund 200 Zuschauer. Und eben 200 hätten maximal auf einmal freien Eintritt zum Platz gehabt. Doch das Publikum kam in immer neuer Zusammensetzung. Gingen die einen, kamen die anderen: Die Bands hatten ihre eigenen Fangemeinden und Familien eingeladen.

Vielfältiger Sound nebst Poesie und Kraft

Sie feierten mit poppigen bis rockigen Tönen, mal rotzigen Riffs und jugendlicher Kraft oder auch mal Poesie und Larmoyanz gegen Corona an. Vor der Bühne tanzten zu Just In Case viele mit. Die „Mitmachband“ – ein Duo – machte beste Laune und Lust auf mehr.

Auf der Plakatwand unterhalb der Bühne stand der Kopf der Wildsau symbolisch – wie schon online – für alle „wilden Musiker“, die darüber den Balkon des Kupferdächle nutzten. Von dort oben - mit Sicherheitsraum wegen weit fliegender Sänger-Aerosole – hatte „Misery Pile“ einen würdigen, viel beklatschten Start hingelegt.

Den jungen Frauen folgten ausschließlich junge Männer. Watzal erklärte auf Frage, online seien mehr Musikerinnen dabei gewesen, aber nur Misery Pile habe sich - urlaubsbedingt - für den Live-Auftritt angemeldet. So zeigte Marcel Galos tolle Bühnenpräsenz und der bekennende „Nicht-Rapper“ Gondhi ein rasantes Mundwerk und Texte mit Pfiff. Oft stoppten am anderen Nagoldufer Mütter die Kinderwagen und Hundebesitzer ihre Vierbeiner, um ein paar Takte zu lauschen.

Gutes Gefühl: Mit Abstand zwischen Bühne und Publikum sowie zwischen den Zuschauern feierte der Jugendtreff Kupferdächle den Abschluss seiner Reihe „Zuhause Zuhören“. Alle freuten sich über den Live-Gig. The Sciences ließen es am Ende richtig krachen. Foto: Irmeli Thienes

Die jungen Talente gaben alles – vielleicht mit beflügelt von der „richtigen Gage“, die Rolf Watzal zu gerne ankündigte. Zwar wäre die Arbeit des Kupferdächle ohne die Manfred-Bader-Stiftung nicht machbar, so Watzal. Doch dass das Kultusministerium dieses Event-Programm unter 150 Bewerbern ausgesucht hatte, erfülle alle mit Freude, rief er vom Balkon.

Philipp Könne, Pädagogischer Leiter, verriet, die definitive Zusage sei erst zwei Wochen zuvor ins Haus geflattert. Die Vorbereitungen liefen da schon seit Wochen. Auch ohne die vielen Ehrenamtlichen, lobten Könne und Watzal, wäre all das nicht möglich gewesen. Das richtete sich an FSJ-ler, die ihrem Jugendtreff treu blieben und an Helfer der Vereine „Black Forest Wave“ und Enzgarten.

Gute Partystimmung trotz Corona-konformer Bestuhlung

Nicht leicht hatten es die Jungs von „Von Nebenan“ nach der Vorlage von Just In Case. Doch mit punkigeren Klängen rissen sie ebenso mit, wie „The Facts“. Deren Publikum klatschte für ihren leidenschaftlichen Akkustik-Pop - keineswegs nur „Geschredder“, wie sie selbst bei der Bitte um Applaus für die Technik flapsig formulierten.

„Gute Nacht um 6“ hätten schon schlafen müssen als sie um 18.45 Uhr die Bühne erklommen. Doch sie überzeugten im Gegenteil mit Drive und neben Oma und Opa, nicht nur in der erste Reihe, hatten auch viele Eltern sichtlich Spaß bei diesem Event für die ganze Familie.

Der Abschluss mit „The Sciences“ geriet schließlich zur Fete. Nach kollegialem Lob für ihre Vorgänger ließen sie es krachen. Die Zuhörer gingen mit und so kam Stimmung auf trotz nötiger Bestuhlung im Corona-Abstand. Der Dank Watzals für ein tolles Konzert bereits zur Konzertmitte, war auch am Ende noch vielen wie aus den Herzen gesprochen.

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