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Ein Standort mehr

Polizeipräsidium darf zweimal bauen in Pforzheim

Pforzheims Polizeipräsidium wächst - und das gleich im Doppelpack. Die Ministerien in Stuttgart setzen nämlich auf gleich zwei Neubauten.

Die Tage der Wiese sind gezählt: Nach derzeitiger Planung soll das Polizeipräsidium in der Forststraße von Pforzheim ein Verwaltungsgebäude bekommen. Foto: Edith Kopf

Es gibt eine zweite Außenstelle fürs Polizeipräsidium Pforzheim. Neben dem ohnehin geplanten Neubau im Innenhof für ein Führungs- und Lagezentrum kommt ein zweiter Neubau in die Forststraße von Pforzheim.

Dies ist das Ergebnis eines langen ministeriellen Abwägungsprozesses, wie der neue Leiter der Landesbauverwaltung Vermögen und Bau in Pforzheim, Christian Lindinger, bestätigt.

So Coronaviren nicht alle Pläne vom Tisch wirbeln, kann die Polizei ganz im Zeitplan des Innenministeriums etwa 2027 mit den Neubauten rechnen. Die zweite Außenstelle für die Kriminalpolizei in Calw wird bereits früher fertig.

Polizei wird immer „zerstreuter”

Grünes Licht für die Baupläne gab es in Stuttgart bereits Ende Juni. Sie bedeuten für die Polizei, dass das angestrebte Prinzip, möglichst alles an einem Ort zu vereinen, erneut aufgeweicht wurde.

Lagen der Entscheidung im Falle der Außenstelle Calw eher politische Gründe zugrunde, regiert jetzt die Kraft des Faktischen. „Der Innenhof der Polizei ist schlicht zu klein”, hieß es bereits früher hinter vorgehaltener Hand. Es ist kein Geheimnis, dass das Land deshalb auch versuchte, das benachbarte Medienhaus zu kaufen.

Der Gipfel der Entwicklung inmitten eines denkmalgeschützten Ensembles war im Herbst vergangenen Jahres ein fünfgeschossiges Gebäude mit Tiefgarage. Das hätte nicht nur maßstäblich dem Charakter der früheren Post widersprochen. Der Entwurf hatte dem Vernehmen nach auch den Makel, dass er trotz dieser Größe nicht allen Erfordernissen gerecht geworden wäre. So hätte für die schon zu Zeiten der Polizeidirektion drängende Parkplatzfrage auf jeden Fall eine Fläche jenseits des Geländes gesucht werden müssen.

Architekturwettbewerbe sollen Oststadt aufwerten

Eine Art Schlusskapitel könnte es durch die nun angestrebte Lösung für die Forststraße geben. Lindinger, der mit dem Werden der Pforzheimer Polizei seit den frühen 2000er Jahren vertraut ist, als das Land die Hauptpost gekauft hat, kennt auch die vielen Ideen für die innerstädtische Freifläche, die dort schon entwickelt wurden. Sie war in jüngerer Zeit unter anderem als Tauschgelände für ein städtisches Grundstück beim Seehaus, als neue Adresse fürs Nachlassgericht oder auch für Wohnungsbau im Gespräch.

Dass es nun anders kommt, muss kein Schaden für Pforzheim sein. So wie ab Herbst in Calw wird es auch für die Forststraße und für den Innenhof der Polizei Architekturwettbewerbe geben, kündigt Lindinger an. Das dürfte dem städtischen Ziel einer Aufwertung der Oststadt auf jeden Fall entgegen kommen. Ansatzweise soll es in der Forststraße um 1.800 Quadratmeter Nutzfläche, in der Bahnhofstraße 13 um 600 Quadratmeter gehen.

Polizeipräsidium Pforzheim: Wo jetzt Autos parken, plant das Land einen Neubau für ein neues Einsatz- und Lagezentrum. Es wird allerdings mit Rücksicht auf Denkmalschutz und maßstäbliche Vorgaben bedeutend kleiner als Ende 2019 in einer Studie skizziert. Foto: Jürgen Müller

So Corona will, sollen die zwei neuen Polizei-Immobilien im Haushalt 2023/24 verankert werden. Etwa zeitgleich könnten auch Bautrupps anrücken. Staatsminister Wilfried Klenk vom Innenministerium hatte das Ende der Interimslösung fürs Polizeipräsidium Nordschwarzwald vor knapp einem Jahr auf die Jahreswende 2026/27 gelegt. Eine zeitliche Grenze dafür setzt auch der Mietvertrag für die provisorische Außenstelle in einem der Thales-Gebäude. Inklusive einer Verlängerungsoption müsste die Polizei dort nach etwa zehn Jahren wieder ausziehen.

Zumindest in Sachen Polizeipräsidium außen vor ist nach derzeitigen Plänen die Bahnhofsstraße 22. Die denkmalgeschützte, aber auch aus statischen Gründen komplizierte Immobilie bleibe aber im Fokus. Lindinger will hier auch die Polizei nicht ausschließen, nachdem sich in der Bahnhofstraße neben dem Präsidium ein Revier und das Haus des Jugendrechts befinden.

Noch gar nichts gesagt werden kann laut Lindinger zur finanziellen Dimension des neuen Baukonzepts. Das hängt nicht zuletzt auch damit zusammen, dass bei Architekturwettbewerben manche Lösung auf den Tisch kommen kann, die bis dato niemand gesehen hatte. Das Innenministerium hatte im Herbst die Kosten der Um-, Neu- und Ersatzbauten für die Reform der Polizeireform auf rund 120 Millionen Euro geschätzt. Damaligen Angaben zufolge waren 84,5 Millionen Euro für das neue Polizeipräsidium Pforzheim reserviert.

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