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Letzte Geschenke eingekauft

Shoppen in der Corona-Hotspot-Stadt Pforzheim: Stimmung in den Einkaufsstraßen ist gedrückt

Die Unsicherheit im Corona-Hotspot Pforzheim ist groß. Wir haben uns bei Kunden und Einzelhändlern in der Innenstadt umgehört, wie so kurz vor dem Weihnachtsfest die Stimmung ist.

Weniger Besucher als sonst: In der Schlössle Galerie war am Adventssamstag trotz festlicher Atmosphäre weniger los, als in den Tagen zuvor. Foto: Heike Schaub

Wo sonst Weihnachtlieder wie „Stille Nacht“ oder „Jingle Bells“ in Endlosschleife vom Band dudeln, ist es in diesem Jahr beim Shopping am dritten Adventssamstag in der Pforzheimer Innenstadt vergleichsweise ruhig, für viele Einzelhändler eher deprimierend: „Gibt es Sie am Montag noch?“ – diese Frage hat Nora Hahn vom Spielzeugladen „Kinderglück“ ganz oft am Samstagvormittag von Kunden gehört, die sich noch schnell mit Weihnachtsgeschenken eingedeckt haben. Die Befürchtung ist am Sonntag Realität geworden. Ab 16. Dezember gilt ein harter Lockdown.

Die Unsicherheit im Corona-Hotspot Pforzheim ist groß. Am dritten Adventssamstag, der traditionell für den Einzelhandel so kurz vor Weihnachten zu den umsatzstärksten gehört, sind weniger Besucher als sonst in der Innenstadt. Vormittags ist mehr los, nachmittags sorgt Nieselregen auch nicht gerade für ausgelassene Shoppingstimmung.

Wer weiß, ob die Geschäfte nächste Jahr noch aufhaben.
Dalal und Samira Blasiny aus Pforzheim

„Wir sind extra in die Stadt gefahren“, erzählen die beiden Cousinen Dalal und Samira Blasiny, um ein Geschenk zu kaufen. Mit einer großen Tüte von H&M verlassen sie die Schlössle Galerie: „Wer weiß, ob die nächste Woche noch aufhaben“.

In dem Shopping Center sind viele Leute unterwegs, Tüten mit Geschenken sieht man eher wenig. „Die Leute sind ein bisschen zurückhaltend“, zieht Center Manager Thomas Sänger abends eine ernüchternde Bilanz. Weniger Leute als noch in den Tagen zuvor seien unterwegs.

„Der Regen treibt die Leute ins Haus“ vermutet Markus Mück, der als Weihnachtsmann verkleidet in dieser Saison Gummibärchen und Lebkuchen an die Besucher verteilt oder für ein Selfie mit den Kunden in die Kamera blickt. „Wenigstens haben mittlerweile alle eine Maske auf“, so sein Eindruck. Angesichts der steigenden Infektionszahlen habe das nun auch der Letzte verstanden.

Demonstranten ohne Masken und Abstände

Offensichtlich nicht ganz: Auf dem Marktplatz wird nachmittags eine Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen nach einer Stunde beendet. Der Aufforderungen von der Polizei, Abstände einzuhalten und Masken zu tragen, seien einige der 90 Teilnehmer aus dem „bürgerlichen Spektrum“ nicht nachgekommen, so Polizeisprecher Jürgen Fabian.

Ansonsten wird konsequent die Maske getragen, auch in den sehr ruhigen Seitenstraßen. Mit Lautsprecher-Durchsagen macht die Feuerwehr Pforzheim auf ihren Touren durch die Einkaufsstraßen darauf aufmerksam, dass das Abnehmen der Maske auch beim Essen, Trinken oder Rauchen nicht erlaubt ist.

Weniger los in den Geschäften

Die Verkäufer in den Geschäften schützen sich neben den Masken zusätzlich mit Plexiglasscheiben: „Ja, es ist weniger los“, heißt es im Modegeschäft von Michaela Lenk in der Lammstraße. Die Kundin, die gerade noch etwas Festliches gekauft hat, findet zwar, „dann kann man besser einkaufen“. Aber sie räumt auch ein, dass ein kompletter Lockdown für den Einzelhandel eine Katastrophe sei.

Die meisten Leute kaufen schnell ein, und gehen dann wieder nach Hause.
Philipp Maier

Sie wünscht schöne Weihnachten, denn vorher sehe man sich bestimmt nicht mehr. Von einer „absoluten Katastrophe“ spricht auch Alexander Schreiber, der auf der Rossbrücke den nun Anti-Alkoholischen Glühweinstand betreibt. Gedrückt sei die Stimmung bei seinen Kunden. Er geht davon aus, dass er ab Mittwoch mit einer Verschärfung der Maßnahmen den Stand abbaut. Er sollte Recht behalten.

Händler setzen wieder auf Lieferservice

Susanne Meisenbacher, die in der Dillsteiner Straße einen Feinkostladen betreibt, hofft darauf, dass sie bei einem zweiten Lockdown wieder als systemrelevant eingestuft wird. „Die ganze Ware würde verderben“, sagt sie mit Blick auf die volle Käse-Theke.

Vormittags seien noch zahlreiche Kunden dagewesen und hätten sich für das Fest mit Präsenten eingedeckt. „Jetzt tröpfelt es nur noch“, so Meisenbacher. Sie findet zwar gut, dass die Leute sich an die Beschränkungen zur Eindämmung des Virus’ halten. Normalerweise würden viele ihrer Kunden sich aber kurz vor den Feiertagen noch mit Lebensmitteln eindecken. Beim Lockdown müsse sie wieder auf den Lieferservice umsteigen. Das sei besser, als komplett zu zu machen.

Shoppen bei Nieselwetter: Der verregnete Samstagnachmittag sorgte neben den Corona-Beschränkungen zusätzlich dafür, dass weniger Besucher als sonst in der Fußgängerzone unterwegs waren. Foto: Heike Schaub

„Die meisten Leute kaufen schnell ein, und gehen dann wieder nach Hause“, hat Philipp Maier festgestellt. Zusammen mit einem Kollegen bietet er in einem Holzhäuschen vor den Schmuckwelten einen Verpackungsservice an, eine Aktion des Stadtmarketings Pforzheim.

Während sie in den zurückliegenden Tagen viele Geschenke einpacken mussten, gibt es am Samstag kaum Warteschlangen vor dem Holzhäuschen. Auf der Wilferdinger Höhe war dagegen laut Polizei „die Hölle los“ . „Intensiv-Shopping“ bei Saturn oder im Poco Einrichtungsmarkt, so Polizeisprecher Fabian.

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