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Projekt auf dem Marktplatz

Spiegel gegen Corona-Angst: Pforzheimer Künstler will Image des Nahverkehrs aufbessern

Das Projekt des Pforzheimers Andreas Sarow soll zeigen, wie wichtig der Öffentlichen Nahverkehr ist. Der Künstler setzt bei seiner Arbeit auf dem Marktplatz auf Spiegel.

Aktion gegen die Angst: Andreas Sarow und Selma Cantürk wollen mit einem Kunstprojekt auf dem Marktplatz Werbung für den Öffentlichen Personennahverkehr machen. Foto: Stefan Friedrich

Mit einem neuen Projekt will der Pforzheimer Künstler Andreas Sarow auf die Bedeutung des Öffentlichen Personennahverkehrs aufmerksam machen und Hemmschwellen in Corona-Zeiten abbauen. Ein Bus der Firma Binder dient ihm dazu, den er mithilfe von Spiegelflächen zu einem Symbol für das Innere und Äußere machen will, das Fahrgäste und Verkehrsmittel zu einer Einheit macht.

Es ist Kunst für und in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis, die Sarow aktuell auf dem Marktplatz in Pforzheim anbietet. Kunst, die ein Zeichen gegen die coronabedingt zurückgegangenen Fahrtgastzahlen im ÖPNV setzen will. Besagte Hemmschwellen abzubauen, das sei aber nur die eine Seite der Medaille, betont Sarow. Die zweite ist die Maskenpflicht: Für manche Menschen ist diese auch weiterhin eine Hemmschwelle, die dazu führt, dass sie die Busse und Bahnen derzeit lieber nicht nutzen wollen, obwohl sie dem Schutz der Fahrgäste dient, weiß Sarow.

Verkehrsverbund verweist auf Hygiene-Standards in Bussen

Und auch mit Maske schrecken viele vor dem ÖPNV zurück, wenn die Verkehrsmittel etwa in den Stoßzeiten gut gefüllt und Mindestabstände nicht mehr so einfach einzuhalten sind. „Viele wollen dann nicht zu dicht auf anderen Leuten sein“, hat Sarow dafür zwar Verständnis, gibt aber zu bedenken: Der Luftaustausch innerhalb der Verkehrsmittel erfolgt innerhalb weniger Minuten. Die Ansteckungsgefahr ist deshalb gering.

Eine Einschätzung, die Selma Cantürk vom Verkehrsverbund Pforzheim-Enzkreis (VPE) bestätigen kann. Zudem würden Busse und Bahnen verstärkt gereinigt, sagt sie. „Uns war es deshalb wichtig, noch einmal auf einer anderen Ebene auf das Thema ÖPNV aufmerksam zu machen.“ Sarow hatte sich sofort bereit erklärt, sich mit seiner Kunst daran zu beteiligen. Deshalb will er mit diesem Projekt auch darstellen, dass Öffentlicher Personennahverkehr einerseits und Menschen, die ihn nutzen, andererseits, letztlich zusammengehören.

So wie die zahlreichen quadratischen Spiegelflächen, die am Mittwoch, zur Fertigstellung des Projekts, den gesamten Bus bedecken sollen. Im Einzelnen sind sie unspektakulär, quasi wie ein einzelner potenzieller Fahrgast für sich alleine betrachtet, aber im Ganzen macht es dann eben doch „diese Einheit aus, die es braucht, damit der VPE funktioniert.“

Weil das Innen und das Außen auch optisch verschmelzen und daran erinnern, dass ein Verkehrsverbund letztlich mehr ist, als nur eine grundsätzliche Serviceleistung; weil jeder einzelne wichtig ist, dass sich das Ganze auch tragen kann, so Sarow. Wenn viele nicht mehr mitmachen, dann breche das System früher oder später zusammen – mit der Konsequenz, dass irgendwann die Taktung geändert und vielleicht nur noch einmal pro Stunde ein Bus fahren wird. „Da hängt ja viel dran und auch darum geht es bei diesem Projekt.“

Der Bus selbst steht die ganze Woche auf dem Marktplatz. Erst am Sonntag ist die Aktion beendet. Bereits am Mittwoch ist die Präsentation, morgens um 10 Uhr. Bis dahin muss Sarow mit seiner kreativen Arbeit auf jeden Fall fertig sein. „Es kann also sein, dass ich da auch noch eine Nachtschicht einschieben muss.“ Wichtig ist ihm dabei aber nicht alleine die Kunst an sich, er lässt die Pforzheimer bewusst auch am Werdegang, an der Schöpfung dieses Projekts teilhaben: Menschen können dabei jederzeit mit ihm in Gespräch kommen, betont Sarow, und viele haben diese Möglichkeit am Montag auch schon genutzt.

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