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Von 1955 bis 1970 verbot der DFB seinen Vereinen den Frauenfußball

Die Geschichte des Frauenfußballs zwischen Verbot und Emanzipation

Immer wieder versuchten fußballspielende Frauen, die Anerkennung der männlichen Funktionäre zu gewinnen. Meist vergeblich. Erst 1970 wurde das Verbot des Frauenfußballs vom DFB aufgehoben - und ein Siegeszug begann.

Antreten zum Wohltätigkeitsspiel: Berühmte Urahninnen sind die Dick Kerr’s Ladies aus Preston in England. Die Mannschaft gründete sich 1917 aus Arbeiterinnen der Munitionsfabrik Dick, Kerr & Co . Während ihre Männer im Ersten Weltkrieg kämpften, gingen die Frauen an die sportliche Öffentlichkeit. Foto: Archiv Liebscher

Das Fußballspiel ist wesentlich eine Demonstration der Männlichkeit. Diese These untermauerte der holländische Psychologie Frederik Buytendik 1953 mit Argumenten wie, „das Treten ist wohl spezifisch männlich, ob das Getretenwerden weiblich ist, lasse ich dahingestellt. Jedenfalls ist das Nichttreten weiblich.“

Premiere: Antreten zum ersten offiziellen deutschen Länderspiel. Das gab’s 1982 in Koblenz gegen die Schweiz. Mit zwei Mal 35 Minuten Spielzeit. Beim 5:1 gab’s aber auch Ärger in der Kabine. Assistentin Anne Traband, eine Pionierin des Vereineinsfußballs, muckte gegen Bundestrainer Gero Bisanz auf. Sieben Jahre später stürmten die deutschen Frauen erstmals Europas Thron, vor 22 000 Zuschauern in Osnabrück. Erstmals wurde solche Länderspiele im TV gezeigt. Foto: dpa Archiv

Solche Sätze kamen dem DFB gerade recht, als er 1955 seinen Vereinen den Frauenfußball verbot. „Aus grundsätzlichen und ästhetischen Gründen.“ Bundestrainer Seppl Herberger lehnte kickende Frauen ebenfalls ab. Weil Fußball ja ein „Kampfspiel“ sei. Die Funktionäre wollten Damen zudem vor kommerziellen Schaukämpfen schützen. Die gab es dann weiterhin, etwa als Europameisterschaft 1957 mit vier Teams in Berlin. Es siegten die Engländerinnen. Auf der Insel gründete sich die erste Frauenmannschaft 1894. Als Urahninnen gelten außerdem die Dick Kerr’s Ladies aus Preston. Die Mannschaft entstand 1917 aus Arbeiterinnen der Munitionsfabrik Dick, Kerr & Co . Doch der Verband sagte 1921 „No“ zu den Ladies.

Kaffeeservice als Titelprämie: Als die deutschen Fußballerinnen 1989 zum ersten Mal den EM-Titel gewinnen, ist Geld tabu. Sind ja Amateure. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) schenkt ihnen stattdessen ein Kaffeeservice mit blauen, gelben und roten Blümchen drauf, 41 Teile insgesamt, die Produktlinie „Mariposa“ von Villeroy & Boch. Foto: Boris Roessler picture alliance / dpa

Die deutschen Frauen kickten nach dem Vereinsverbot 1955 trotzdem inoffiziell weiter. Bis zu 60.000 Spielerinnen gab es. Um 1965 wollten sich die großen Vereine nicht länger dem DFB-Diktat beugen. Auf die vorläufige Genehmigung der Spiele 1969 folgte am 30. Oktober 1970 die generöse Freigabe. Noch mit leichterem Ball, kürzerer Spielzeit und ohne Stollen. Zur ersten deutschen Meisterschaft kam es 1974, das erste Länderspiel gab es 1982. Sieben Jahre später stürmten die deutschen Frauen-Nationalmannschaft erstmals Europas Thron, vor 22.000 Zuschauern in Osnabrück. Und einer Premiere im Fernsehen.

Erfolgsgeschichte komplett: Nach drei Mal Bronze bei Olympiaturnieren seit 2000 gab es 2016 Gold für die deutschen Frauen. Im Maracana von Rio de Janeiro. Dzsenifer Marozsan war eine der Matchwinnerinnen gegen Schweden. Maroszan spielte schon damals in Frankreich bei Olympique Lyon. Auch andere deutsche Stars zieht es in Nachbarligen, die lukrativer sind als die Bundesliga. Dennoch mischt der VfL Wolfsburg in der Champions League kräftig mit. Und der Frauenfußball ist international weiter auf dem Vormarsch. Auch wenn bei einem WM-Turnier nicht alle 24 oder 32 Mannschaften attraktiv spielen - aber bei den Männern ist das ja nicht anders. Foto: Soeren Stache picture alliance / dpa

Als 2001 wieder einer der bislang acht Europa-Titel eingeheimst wurde, kassierten die Spielerinnen 9.000 Mark. Und für den nicht erreichten Heimsieg bei der WM 2011 wären 60.000 Euro überwiesen worden.

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