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Rekorde für die Ewigkeit

Die Staffel-Bestleistungen im Leichtathletikkreis Bruchsal sind seit Jahren unangetastet

1984, 1989, 2006: Aus diesen Jahren stammen die meisten Staffel-Bestleistungen von Leichtathleten aus dem Kreis Bruchsal. Dass sich aus der heutigen Generation noch ein Team findet, das einen der Rekorde angreifen kann, ist aus mehreren Gründen unwahrscheinlich.

Mit dem Staffelstab erfolgreich: In den Bestenlisten des Leichtathletikkreises Bruchsal stehen die Quartette des TSV Neudorf bei den Männern und der TSV Baden Östringen bei den Frauen ganz vorne. Foto: imago images

Es ist zwar schon mehr als 30 Jahre her, aber die genauen Zeiten kommen von Helmut Gleichauf noch immer wie aus der Pistole geschossen. 41,23 Sekunden in Hamburg über die viermal 100 Meter, 3:22,53 Minuten in Ettlingen mit der 400-Meter-Staffel.

So stehen die Zahlen, die Gleichauf aus dem Stegreif parat hat, noch heute in der Bestenliste des Leichtathletikkreises Bruchsal ganz oben – und das seit Ende der 80er-Jahre, als es die Sprinter des TSV Neudorf auf die ganz große Bühne schafften.

„Alles, was damals schnell laufen konnte, hat sich in Neudorf versammelt“, erzählt Gleichauf, der aus Forst stammt und noch heute dort lebt. Und weil das so war, konnte der Dorfverein damals Staffeln stellen, die mit der Konkurrenz aus dem ganzen Land mithielten. „Das war schon schön, die großen Mannschaften ein bisschen zu ärgern“, sagt Gleichauf.

Die Trainer spielten eine entscheidende Rolle

Die Bestzeit mit der 100-Meter-Staffel fiel am 12. August 1989 bei den deutschen Meisterschaften in Hamburg. Für den Endlauf reichte es als elftbestes Quartett zwar nicht, für ein Team aus dem Kreis Bruchsal war es wohl aber ein Rekord für die Ewigkeit.

Neben Gleichauf liefen Dirk Hartmann, Bernhard Malzacher und Rolf Kistner für den TSV Neudorf. Ein Jahr zuvor hatten die Athleten – damals mit Holger Porath statt Kistner in der Staffel – ihre schnellste Zeit über viermal 400 Meter erreicht.

Vier Sprinter: Dirk Hartmann, Helmut Gleichauf, Bernhard Malzacher und Rolf Kistner (von links) liefen für den TSV Neudorf. Foto: Klaus Heil

Was die Neudorfer bei den Männern waren, war ein paar Jahre später der TSV Baden Östringen bei den Frauen. Der Vorsprung gegenüber der Konkurrenz war hier sogar noch größer, die Bestenliste bei den Staffeln ist fast ausschließlich mit Teams aus der Kraichgaustadt besetzt.

Genau wie in Neudorf, wo Alfons Brecht als erfolgreicher Coach die größten Talente der Region zum Verein lockte, war es in Östringen Elisabeth Pässler, die ihre Schützlinge über viele Jahre zu Höchstleistungen antrieb.

Einzelne Sportler schafften es zu deutschen Top-Clubs

Den Lohn ernteten einzelne Sportlerinnen und Sportler, die es später zu den großen Vereinen schafften. Kistner lief im Nationalmannschaftstrikot und für den TV Wattenscheid. Anna Maiwald, die in Östringen ihre ersten Schritte machte, gehört noch heute zur Mehrkampf-Weltspitze und startet für Bayer Leverkusen.

Zwischen 2006 und 2010 hatte die heute 30-Jährige noch mit Sarah Schuhmann, Judith Horak, Carolin Becker, Janina Lehnkering, Christin Eschelbacher und Stefanie Groh in unterschiedlichen Konstellationen und Disziplinen ein starkes Team gebildet.

Viele Rekorde halten schon ewig, etwa die der SG Bad Schönborn im Zehnkampf, Halbmarathon und über die dreimal 1.000 und viermal 1.500 Meter aus den Jahren 1984 und 1986. Vor allem die Namen Jürgen und Klaus Weiser tauchen hier immer wieder auf.

Für neue Rekorde fehlt es in der Breite

Es gibt Disziplinen, die aus der Mode geraten sind, weshalb die Rekorde hierbei schon mangels Möglichkeiten unangreifbar sind. Doch auch über die klassischen Staffel-Strecken wie 100 oder 400 Meter scheint es ausgeschlossen, dass die Verantwortlichen im Leichtathletikkreis noch einmal eine Änderung vornehmen müssen.

„Die Spitze ist schon noch gut besetzt, auch hier im Kreis“, sagt Sprinter Gleichauf, „aber in der Breite fehlt es einfach ein wenig.“ Zum einen wechseln Talente schon früh zu leistungsorientierten Vereinen wie der LGR Karlsruhe oder der MTG Mannheim, was auch mit den dortigen Trainingsmöglichkeiten zusammenhängt. Ambitionierte Übungsleiter wie Brecht und Pässler gibt es in dieser Form eben nicht mehr.

Interesse der Jugend an Leichtathletik ist gesunken

Zum anderen wird es schon durch das insgesamt gesunkene Interesse der Jugend an der Leichtathletik schwer bis unmöglich, überhaupt vier Freunde zu finden, die gemeinsam auf höchstem Niveau auf die gleiche Distanz oder der gleichen Disziplin Top-Leistungen bringen.

Wenn ihn jemand fragt, wird Gleichauf also bis ins hohe Alter seine beiden Bestzeiten nennen können – und es wird sich ganz bestimmt noch um die Staffel-Rekorde im Leichtathletikkreis Bruchsal handeln.

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