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Sport unter Corona-Bedinungen

Golf in der Corona-Pandemie: Vereine im Kraichgau freuen sich über Zulauf

Während viele Amateursportler gerade in die Röhre schauen, genießen Golfer ihren Sport an der frischen Luft auf ihren idyllischen Anlagen. Vereine aus dem Kraichgau freuen sich momentan sogar über größeren Zulauf als üblich.

Gut in Schwung: Im Gegensatz zu vielen anderen Sportlern dürfen Golfer wie Ryan Lloyd ihrem Hobby nachgehen. Golfplätze wie der im Bruchsaler Langental zählen laut Corona-Verordnung als weitläufige Anlagen und dürfen deshalb unter Auflagen benutzt werden. Foto: Martin Heintzen

Der drahtige Mann Mitte 50 ist startklar. Acht Schläger, zehn Bälle, Handschuhe und einige Stifte, sogenannte Tees, sind unter anderem in der etwa zwölf Kilogramm schweren Tasche verstaut. Nun geht es zum Golfplatz in Bruchsal. Während andere Amateursportler unter der Zwangspause wegen der Pandemie leiden, darf auf den weitläufigen Grünanlagen weiterhin abgeschlagen werden. Und allein in Nordbaden nutzen Tausende die Möglichkeit zum Pitchen und Putten.

Clubs sind dankbar für die Privilegien

„Ja wir sind privilegiert“, sagt Carola Gantner, die Präsidentin des Bruchsaler Golf-Clubs: „Das schätzen wir auch und sind sehr dankbar dafür und glücklich darüber.“ Allerdings sind dem Treiben zwischen Abschlagplatz und Greens enge Grenzen gesetzt.

„Wir respektieren streng die Verordnungen der Landesregierung“, versichert Arif Arifi, der Clubmanager des Heitlinger Golf Resort im Östringer Stadtteil Tiefenbach. So sind neben den Clubhäusern die Kabinen und die Sanitärräume versperrt. „Wir sind in ständiger Absprache mit dem Ordnungsamt der Stadt Bruchsal“, erklärt Clubchefin Gantner.

Auch auf der 18-Loch-Anlage im Langental herrschen strikte Regeln. In Bruchsal dürfen die Golfer, nachdem sie sich zuvor angemeldet haben, nur paarweise den Platz betreten. Erst wenn acht Minuten verstrichen sind, heißt es „Bahn frei“ für das nächste Duo. In Tiefenbach geht es ein wenig lockerer zu; dort haben unter Umständen auch vier Spieler die Möglichkeit, fast zeitgleich vor einem Green zu Schlägen auszuholen – vorausgesetzt sie stammen aus einem Haushalt.

Unser Glück ist es, dass unser Sport in freier Natur ausgeübt wird.
Arif Arifi, Clubmanager des Heitlinger Golf Resort in Tiefenbach

Im Heitlinger Resort erstrecken sich die 18 Bahnen über eine Gesamtlänge von rund sechs Kilometern. Durch die begrenzte Starterlaubnis sei das Szenario auf der Anlage dann so, „als ob immer nur zwei Sportler gleichzeitig auf einem Fußballplatz stehen“, vergleicht Manager Arifi. „Unser Glück ist es, dass unser Sport in freier Natur ausgeübt wird“, sagt er und ergänzt: „Das ist ein Segen Gottes.“

Die Sportler sind offensichtlich froh über diese Fügung des Himmels. Beispielsweise registriert die Bruchsalerin Gantner, deren Club etwas mehr als 1.000 Mitglieder hat, derzeit „mehr Golfer als vor Corona“. Clubmanager Arifi vom etwas kleineren Tiefenbacher Resort hat ebenfalls keinen Rückgang bei den Starterzahlen festgestellt und sagt: „Es wird mehr gespielt, weil die Leute bei ihrer Freizeitgestaltung kaum Alternativen haben.“

Große Turniere sind zunächst nicht geplant

Beim Golf-Club in St. Leon-Rot, der über zwei 18-Loch-Anlagen, einen Kurz- sowie einen Bambiniplatz verfügt, sind von den rund 2.150 Mitglieder in diesen Tagen etwa 1.900 aktiv. „Wir haben im vergangenen Jahr gespürt, dass die Nachfrage nach Schnupper- und Platzreifekursen angezogen hat“, berichtet Steffen Liebig von der Marketingabteilung des Vereins.

Großereignisse wie internationale Turniere, die einst Spieler wie Tiger Woods oder Colin Montgomerie nach St. Leon-Rot lockten, sind derzeit allerdings nicht vorgesehen. „Wir werden im kommenden Jahr Ausrichter der Europäischen Mannschaftsmeisterschaften der Jungen für die besten 16 Teams Europas vom 5. Juli bis 9. Juli 2022 sein“, erklärt Liebig: „Ein Turnier in der Größenordnung der Deutsche Bank SAP Open ist aktuell nicht geplant.“

In der Statistik des Deutschen Golf Verbands waren 2020 rund 651.000 Personen aufgelistet. Bundesweit zählen die Verantwortlichen über 700 Anlagen mit neun, 18 beziehungsweise mehr als 18 Löchern. Auch in der Region um Bruchsal gibt es ein vergleichsweise dichtes Netz an Plätzen – neben Tiefenbach und St. Leon-Rot beispielsweise auch bei Pforzheim, in Karlsruhe und im pfälzischen Neustadt an der Weinstraße. „Wir müssen uns abheben“, betont Bruchsals Präsidentin Gantner und erklärt: „Wir sind ein familienfreundlicher Club. Unsere Anlage bietet eine Oase der Ruhe und der Natur mit Blick in die Pfalz und in den Kraichgau.“

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