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SVG Weingarten und KSV Ispringen im Wartestand

Zwei Welten auf der Matte: Bundesliga startet mit Corona-Sorgen, Ringerliga pausiert

Während die Ringerliga mit den Teams aus Weingarten und Ispringen auf Eis liegt, wagt die Bundesliga am Samstag den Neustart. Der wird allerdings von einem Corona-Fall überschattet.

Sehnsucht nach dem Rampenlicht: Kämpfe in der Deutschen Ringerliga, wie hier im September 2019 zwischen dem SV Germania Weingarten und dem VfK Schifferstadt, gibt es in diesem Jahr nicht. Die Bundesliga startet dagegen. Foto: Markus Gilliar/GES

Dass die Ansichten von Vertretern des Deutschen Ringer-Bundes (DRB) und denen der Deutschen Ringerliga (DRL) auseinandergehen, ist nichts Neues. Das Ringerlager hierzulande ist seit einigen Jahren zweigeteilt, sogar Gerichte müssen sich immer wieder mit dem Streit neben der Matte befassen.

Da verwundert es kaum, dass die beiden Parteien auch im Umgang mit der Corona-Pandemie unterschiedliche Wege beschreiten. Während die DRB-Bundesliga am Samstag den Saisonstart wagt, hat die DRL bereits im Frühjahr eine Neuauflage 2020 ausgeschlossen. Damit fehlt in diesem Jahr dem amtierenden Meister SV Germania Weingarten, dem KSV Ispringen und den vier übrigen DRL-Clubs die große Bühne. „Das ist schon schade. Das ist eine schöne Ringer-Welt gewesen“, sagt Ringerliga-Präsident Werner Koch ein wenig melancholisch.

Koch hält allerdings eine Saison in Corona-Zeiten auch aufgrund des hohen Ausländeranteils in der DRL für unverantwortlich. Weingartens Trainer Frank Heinzelbecker sieht das ähnlich. „Als Kontaktsportart sollten wir uns in der Schlange hinten anstellen“, sagt er.

Corona-Fall beim KSV Witten überschattet Bundesliga-Start

Und dass auch der Bundesliga-Neustart, den 17 der ursprünglich 23 Teams in Angriff nehmen, auf wackeligen Beinen steht, zeigt sich bereits vor den ersten Kämpfen. Am Freitag gab der KSV Witten bekannt, dass ein Athlet positiv auf Corona getestet wurde. Der Club will deshalb die ersten beiden Kämpfe verlegen und schreibt dazu auf Facebook: „Sollte hier keine Einigung erzielt werden können, so droht uns in diesem Fall ein komplettes Saison-Aus, noch bevor die Runde überhaupt angefangen hat.“ K

eine guten Nachrichten für den Verband, der mithilfe eines umfangreichen Hygienekonzepts auf eine Matten-Rückkehr ohne Komplikationen gehofft hatte. Das übergeordnete Ziel formuliert der für die Bundesliga verantwortliche DRB-Vizepräsident Florian Geiger wie folgt: „Ringen soll nicht von der Bildfläche verschwinden.“

Beim Konkurrenten Ringerliga hofft man ebenfalls auf ein baldiges Comeback, wenngleich die DRL nach einer teils chaotischen Vorsaison gezwungen ist, sich neu aufzustellen. Wann es wieder Kämpfe geben wird, weiß im Moment noch keiner. „Wir versuchen zu planen, können das aber gerade nicht“, klagt Koch.

Immerhin kann mittlerweile sowohl bei den Germanen als auch in Ispringen wieder trainiert werden – mit festen Partnern und unter strengen Hygiene-Auflagen. Das Training sei bestens besucht, berichtet Heinzelbecker: „Allerdings fehlt gerade das Ziel.“

Die DRL liegt zwar im Moment auf Eis, das heißt aber nicht, dass sie gestorben ist.
Werner Koch, Präsident der Deutschen Ringerliga

Der eine oder andere Athlet hat sich wohl auch deshalb für einen Wechsel von der DRL in die Bundesliga entschieden. Den früheren Ispringer Etienne Wyrich und Magomed Kadimagomedov zog es von Weingarten zum nun Corona-gebeutelten KSV Witten, Ibrahim Fallacara und Bogdan Eismont von Ispringen zum SC Kleinostheim beziehungsweise zum AV Markneukirchen.

Der große Ausverkauf der DRL-Vereine ist allerdings ausgeblieben. Für Heinzelbecker ist dies keine Überraschung: „Dafür haben wir zu gut gearbeitet.“ Der Germanen-Coach geht genau wie Koch, der dem KSV Ispringen vorsteht, davon aus, dass die gewechselten Athleten wieder zurückkommen, sobald die DRL-Pause endet.

Wann dies sein wird? Koch wagt keine Prognose, betont aber: „Die DRL liegt zwar im Moment auf Eis, das heißt aber nicht, dass sie gestorben ist.“ Koch hofft, dass im Frühjahr zumindest wieder ein Freundschaftskampf zwischen Ispringen und Weingarten möglich ist. Und 2021 scheint auch eine Annäherung mit dem Verband nicht ausgeschlossen. In gut einem Jahr stehen beim DRB schließlich Neuwahlen an.

Der amtierende Präsident Manfred Werner, der mit den DRL-Clubs auf Kriegsfuß steht, tritt dann nicht mehr an. Bisher haben zwei Kandidaten ihren Hut in den Ring geworfen: der aus dem Saarland stammende Sportmediziner Klaus Johann und Jens Nettekoven, Landtagsabgeordneter in Nordrhein-Westfalen und Präsident des Ringerverbandes in NRW. Vielleicht gelingt es ja Werners Nachfolger den Gordischen Knoten im Ringer-Streit zu lösen.

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