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Ahnenforschung mit DNA-Tests

Archäo-Genetiker: „Genome kennen nun mal keine Ländergrenzen“

Cosimo Posth erforscht als Archäo-Genetiker das Genmaterial von Menschen, die vor vielen tausend Jahren da lebten, wo wir heute leben.

Interessiert sich für die Herkunft der Menschen: Cosimo Posth ist Junior-Professor im Fach Paläo- und Archäo-Genetik an der Uni Tübingen. Foto: Privat

Humbug - sagen die einen. Spielerei - meinen die anderen. Aber Cosimo Posth, der als Paläo- und Archäo-Genetiker an der Universität Tübingen die DNA unserer Urahnen wissenschaftlich untersucht, findet die Herkunftstest für zu Hause gar nicht mal so unsinnig. Im Interview erklärt er unserem Redaktionsmitglied Sibylle Kranich, warum.

Fangen wir ganz einfach an. Wie funktioniert so ein Test?
Posth:

Je nachdem, schickt man ein wenig Blut oder Speichel ein. Die DNA wird dann im Labor extrahiert und analysiert. Diese Tests für zu Hause untersuchen aber nicht das gesamte Genom. Das wäre viel zu teuer und auch viel zu umfangreich. Zur Untersuchung der Herkunft reicht es, wenn man kleinere Stücke herausnimmt, die aus etwa einer Million Basen bestehen.

Was passiert dann?
Posth:

Dann wird mit anderen DNA-Abschnitten verglichen, die man kennt. Also zum Beispiel mit der DNA von Italienern oder Indern. So kann man Affinitäten erkennen. Man bekommt dann, in Prozent ausgedrückt, mit wem man die meiste Ähnlichkeit hat.

Sie selbst haben auch mal so einen Test gemacht?
Posth

Ja. Ich habe drei italienische Großeltern und einen deutschen Großvater. Es hat mich interessiert, was im Test herauskommt.

Entsprach das Ergebnis Ihren Erwartungen?
Posth

In Prozenten ausgedrückt schon. Da kam heraus, dass ich zu 70 bis 75 Prozent Südeuropäer beziehungsweise Italiener bin und zu 25 Prozent aus Nordeuropa komme.

Das hat sie aber nicht überrascht. Gab es andere Erkenntnisse?
Posth

Eigentlich nicht. Nur wenn man sich die Darstellung meiner Herkunft auf einer genetischen Karte anschaut, dann werde ich in Österreich verortet.

Wie kommt das?
Posth

Genome kennen nun mal keine Ländergrenzen. Alles vermischt sich und man kann Gebiete nicht mehr scharf abgrenzen. In meinem Fall ist es so, dass Österreich genau in der Mitte zwischen Deutschland und Italien liegt. Also gibt es dort ganz viele Menschen, die DNA-Abschnitte haben, die meinen ganz ähnlich sind.

Halten Sie solche Tests dann überhaupt für aussagekräftig?
Posth

Ich finde sie eigentlich ganz interessant. Aber man muss sich eben immer klar vor Augen halten, dass die Menschen wandern und sich vermischen. Außerdem gehen diese Tests in der Analyse nicht sehr weit zurück. Sie vergleichen DNA von modernen Menschen mit DNA von anderen modernen Menschen. Um mehr über die Herkunft von Völkern zu erfahren und um präzisere Angaben machen zu können, müsste man viel viel weiter zurück gehen.

Würde man dann nicht einfach nur herausfinden, dass wir alle aus Afrika kommen?
Posth

So viel wissen wir, ja. Aber das war vor 60.000 Jahren. In der Zwischenzeit ist viel passiert.

Woher kommen denn die Europäer von heute?
Posth

Es gab im Wesentlichen drei große Einwanderungswellen. Wir wissen nicht, woher die ersten Jäger und Sammler aus der Eiszeit stammen, in der Jungsteinzeit kamen dann Ackerbauern, aber aus dem Nahen Osten und die dritte große Welle brachte in der Bronzezeit Menschen aus der osteuropäischen Steppe ins Gebiet des heutigen Europas. Alle heutigen Europäer sind eine Mischung aus diesen drei Wellen.

Und der Baden-Württemberger?
Posth

Der natürlich auch. Aber wir arbeiten daran, ein besseres Bild davon zu bekommen, was zwischen der Bronzezeit und heute passiert ist. Das untersuchen wir an meinem Institut. Anhand der Analyse von Genmaterial aus unterschiedlich alten Knochen versuchen wir uns ein Bild zu machen, woher die Menschen zu uns kamen.

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