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Wildpark 74 e.V

Das war der wohl erste KSC-Fanclub

Der Karlsruher Horst Hoffmann ist Gründungsmitglied von „Wildpark 74 e.V.“ und erinnert sich an die Anfänge des Fanclubs und Begegnungen mit früheren Spielern sowie Trainern.

Horst Hoffmann, Gründungsmitglied von „Wildpark 74 e.V.“, mit seinen Trikots und Schals. Foto: Rake Hora/BNN

Heute sind Fußball-Fanclubs etwas ganz Alltägliches und Verbreitetes. In den 1970er Jahren sah das noch anders aus. Horst Hoffmann ist Gründungsmitglied von Wildpark 74 e.V., dem laut seinen Angaben ersten Fanclub des Karlsruher Sportclubs.

„1974 haben wir den Fanclub gegründet“, so der 63-jährige Fan, der in Karlsruhe-Neureut wohnt und zu der Zeit mit 18 Jahren der Jüngste war. „Wir waren sogar ein eingetragener Verein.“

Hoffmann und seine Freunde waren ohnehin immer bei Auswärtsspielen und im Wildpark, standen im Block 5 auf der Gegentribüne und hatten bei jedem Spiel ihre Fahnen dabei. Auch Trainingseinheiten ihres Vereins besuchten sie regelmäßig. Da lag es nahe, einen Fanclub ins Leben zu rufen. Diese kamen allerdings erst nach und nach in Deutschland in Mode.

„Moltke-Stube“ als Fanclub-Treff

Nach dem Spiel trafen sich die Fans in der Gaststätte Moltke-Stube in der Moltkestraße. Immer mehr Fans kamen zu „Wildpark 74 e.V.“ hinzu – aus den Karlsruher Stadtteilen Beiertheim, der Oststadt, der Südstadt, aber auch aus Mannheim oder Neulußheim.

„Das ging ein Jahr gut. Dann waren die Interessen zu unterschiedlich und ein paar gründeten den Fanclub Blau-Weiß 75“, so der Fan, der über 30 Jahre als Gruppenleiter bei Bosch gearbeitet hatte und heute in Altersteilzeit ist. Schnell folgten weitere Fanclubs. Den Fanclub „Phoenix 78“ gibt es beispielsweise noch heute.

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Gerne erinnert er sich an die Zeit damals. Die Fans hatten oft Fußballturniere gegen andere Fanclubs. Hoffmann war selbst ein guter und leidenschaftlicher Fußballer, spielte im rechten Mittelfeld.

„Das Turnier in Eppingen haben wir gewonnen“, erzählt er. Und zu Auswärtsspielen organisierten sie mit Pieck-Reisen auch Busse. „Das war damals auch das Busunternehmen, das den KSC gefahren hat. Die Mannschaft hatte damals noch keinen eigenen Bus“, sagt der Karlsruher.

Wimpel des KSC-Fanclubs „Wildpark 74 e.V.“. Foto: Horst Hoffmann

Das war eine wunderschöne Zeit, die ich nie aus meinem Leben streichen möchte.
Horst Hoffmann, KSC-Fan

„Das war eine wunderschöne Zeit, die ich nie aus meinem Leben streichen möchte und an die ich mich immer wieder gerne erinnere“, schwärmt der treue Fußballfan. „Es war immer lustig und schön – voller Lebensfreude.“ Pyrotechnik habe es noch nicht gegeben, alles sei viel friedlicher und ohne Randale gewesen.

Im Wildparkstadion, das damals noch kein Dach hatte, waren rund 500 Fahnen zu sehen. „Das sah so toll aus der Ferne“, schwärmt der langjährige Fußballfan.

Das waren noch Zeiten: Horst Hofmann ist schon lange KSC-Fan (links). Foto: Horst Hoffmann

Statt mit Pisa oder Berlin pflegten die Fußballanhänger Freundschaften zu Fans aus Bielefeld, Offenbach und Nürnberg. Besonders zu den Nürnbergern gab es einen engen Kontakt. Dort oder auch in Hamburg verbrachten die Fans häufig ein ganzes Wochenende.

Als es das Stammlokal nicht mehr gab, gingen die Fans nach dem Spiel immer ins KSC-Clubhaus. Dort erhielten sie nach den Spielen zwei bis drei Kisten Bier von den Spielern.

„Der Kontakt war viel enger als heute. Die Spieler kamen immer nach dem Spiel noch bei uns vorbei. Da haben sich auch Freundschaften gebildet zu Jürgen Radau, Horst Wild oder Rudi Wimmer“, sagt der 63-Jährige. „Das gibt es in dem Rahmen heute nicht mehr.“

Horst Hoffmann hält einen Schal mit seinem Vornamen in Händen. Foto: Rake Hora/BNN

Einer der Mitglieder hatte schon damals „Karlsruher SC“ auf seinem Arm tätowiert. Mit vielen hält Hoffmann via Facebook Kontakt. Er ist von den Jungs der Einzige, der noch in Karlsruhe wohnt.

„Viele sind schon gestorben, ein Fan wohnt in Thailand, ein anderer in Brasilien“, sagt der Fan, der nächstes Jahr 40 Jahre Mitglied beim Karlsruher SC ist. Auch Fan Peter Wrzesinski, für den die Fans und Spieler vor Weihnachten erfolgreich Geld sammelten, war Mitglied des Fanclubs.

Lieblingstrainer Max Merkel

Max Merkel war Hoffmanns liebster Trainer. Ihn traf er auch mal im „Spundefresser“ in Karlsruhe-Neureut, wo die KSC-Spieler früher gerne hingingen. „Da setzte ich mich einfach dazu, das war eine tolle Runde“, erinnert er sich. „Merkel war überhaupt ein toller Typ. Er wohnte damals im Karlsruher Schlosshotel und unterhielt dort alle Leute an der Bar.“

Ein KSC-Trikot mit allen Spielerunterschriften. Foto: Rake Hora/BNN

In den UEFA-Cup-Zeiten reiste er zu allen Auswärtsspielen bis nach Salzburg. An dem Termin gab ihm sein damaliger Chef nicht frei, weil er ein Führungskräfteseminar besuchen sollte.

Heute ist es für ihn nicht mehr so einfach ins Stadion zu gehen – unabhängig von Corona. Momentan verfolgt er die Spiele bei Sky. Kürzlich wurde ihm das linke Bein abgenommen. Mit einer Prothese kommt er allerdings klar und kann auch Auto fahren. Sobald es wieder möglich ist, ins Stadion zu gehen, möchte Hoffmann das machen.

KSC-Fan Horst Hoffmann mit Krücken vor dem Mannschaftsbus. Foto: Horst Hoffmann

Mit seinem 8-jährigen Enkel besuchte er beispielsweise immer den KSC-Familientag. „Allerdings ist er inzwischen Dortmund-Fan. Da konnte ich nichts machen“, sagt Hoffmann.

Bei der aktuellen Mannschaft verwundert ihn etwas, dass sie mal drei Spiele gewinnt und dann wieder verliert. „Das war früher nicht so. Wir waren entweder gut oder schlecht“, sagt der Fan.

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