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Dunkelbrillen lösen Aha-Effekt aus

Bessere Inklusion von Menschen mit Handicap: Bad-Herrenalber Vereine spielen Blindenfußball

Bei jungen Fußballern im oberen Albtal warben Vertreter des Badischen Behindertensportverbands für eine bessere Inklusion von Menschen mit Handicap in Sportvereinen. Dabei spielte ein Inklusions-Starterpaket eine wichtige Rolle.

Wie Menschen mit Handicap beim Sport unterwegs: Fußballer der JSG Oberes Albgau beim Training Foto: Sebastian Weiß

Die Inklusionsoffensive in den Sportvereinen des Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands (BBS) hat ganz klar mehr Teilhabe am Sport zum Ziel. Menschen mit einem Handicap sollen Sport treiben können, unterstreicht Laura Wienk-Borgert, Projektreferentin beim BBS, den Anspruch - und zwar in möglichst vielen Vereinen.

Es gehe bei der Inklusionsoffensive aber auch um die aktiven Sportler ohne Handicap. Darum, dass sie ihren eigenen Horizont erweitern, Hemmschwellen und Vorbehalte abbauen und einen einfühlsameren Umgang mit Menschen mit Behinderung lernen.

Jüngst vereinbarten der BBS mit den Vereinen SV Bad Herrenalb, SC Schielberg, Sportfreunde Dobel und SG Neusatz/Rotensol ein Demonstrationsprojekt. Partner für die Akteure des BBS war die gemeinsame B-Juniorenmannschaft der „JSG Oberes Albtal“. Zur Demonstration kam vom BSB neben Wienk-Borgert auch die sehbehinderte Leonie Walter, Nachwuchshoffnung im Nordic Paraski Team Deutschland im Langlauf und Biathlon.

Sportler schlüpfen in die Rolle eines Menschen mit Handicap

Auf dem Programm stand „Blindenfußball”. Jeder der jungen Fußballer erhielt eine Augenmaske. Ziel war ein Perspektivwechsel: Die Sportler schlüpften in die Rolle eines Menschen mit Handicap. Bei der ersten Übung mit den Dunkelbrillen stellten sich die Spieler im Kreis auf und sollten anschließend im Uhrzeigersinn im Kreis laufen.

Als die Übung nach einer Minute beendet wurde und die Spieler ihre Brillen abnahmen, war vom ursprünglichen Kreis nur noch wenig zu sehen. Dies sorgte für den ersten Aha-Effekt. Im Anschluss kamen Rassel-Bälle zum Einsatz. Sie waren mit Kugeln gefüllt, damit die Fußballer mit ihrer „Sehbehinderung” sie nach Gehör lokalisieren konnten. Die Erfolgsquote der Pässe war gering, so der Bericht von SG-Jugendleiter Sebastian Weiß.

Zu den Übungen gab es von Spielern und Trainern eine durchweg positive Rückmeldung. Die Trainer der anderen Altersklassen, welche das Training als interessierte Zuschauer verfolgt hatten, werden in ihren eigenen Übungsstunden in den kommenden Wochen das BBS-Starterpaket einsetzen. Das Inklusions-Starterpaket mit den Simulations- und Dunkelbrillen sowie den verschiedenen Klingelbällen zum Thema Blinden- und Sehbehindertensport bleibt vier Wochen im Verein und kann beliebig oft im Training eingesetzt werden.

Laura Wienk-Borgert hofft, dass in den kommenden Monaten weitere Sportvereine in Baden, aber auch speziell der hiesigen Region, Interesse an der Aktion des Badischen Behinderten- und Rehabilitationssportverbands haben. Sie verhehlt dabei nicht, dass es in den meist „nur” mit Ehrenamtlichen arbeitenden Vereinen nicht leicht sei, Menschen zu finden, die solchen Projekten positiv gegenüberstehen.

Corona hat die Inklusionsoffensive in Sportvereinen ausgebremst

Corona habe auch manches bei der Inklusionsoffensive in den Sportverein ausgebremst. Sie wirbt dafür, in den unterschiedlichsten Sportarten vom Fußball über Basketball bis zum Schwimmen Angebote zu entwickeln, um Menschen mit Handicap Chancen zur aktiven Teilnahme zu eröffnen. Das sei im übrigen keine Einbahnstraße: Viele Behindertensportler brächten sich auch in Dienste aller Art oder als Helfer bei Vereinsfesten ein.

Bei der SSV Ettlingen, dem mitgliederstärksten Verein im Albtal, kann man sich gut vorstellen, in den kommenden Jahren dem Thema „Inklusion” einen größeren Stellenwert beizumessen. „Bislang haben wir keine Inklusionsgruppen. Aber in der Vergangenheit gab es einige Kooperationen mit nicht an den Verein gebundenen Behindertengruppen, beispielsweise in der Sportart Fußball”, sagt Lucian Henkelmann.

Der neue SSV-Geschäftsführer will sich aber, sobald die neue Kinderbewegungsschule gut aufgestellt ist, auch dieses Themas annehmen. Er spricht dabei von einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren.

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