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Für Fünf- bis Elfjährige

120 Kinder bekommen bei einer Sonderaktion in Ettlingen ihre Corona-Impfung

Eltern aus Ettlingenweier haben das Angebot zusammen mit einer Kinderärztin aus Karlsruhe und der Stadtverwaltung Ettlingen auf die Beine gestellt. Das Interesse war groß.

Der elfjährige Tian wird am Donnerstag in der Bürgerhalle Ettlingenweier gegen Corona geimpft. Auch seine beiden Geschwister bekommen die Spritze. Foto: Julia Trauden

Es hat nur kurz weh getan: Der elfjährige Tian hat seine Corona-Impfung hinter sich und zeigt sich tapfer. Als Belohnung nach dem Piks gab es einen Traubenzucker-Lolli, jetzt heißt es noch einige Minuten warten, bis er mit seinen Geschwistern und den Eltern wieder nach Hause radeln kann. Die Ärztinnen wollen sichergehen, dass der Junge die Impfung gut vertragen hat.

Tian, seine Schwester Tilda (9) und sein Bruder Jarno (5) sind drei von 120 Kindern zwischen fünf und elf Jahren, denen an diesem Donnerstag in der Bürgerhalle Ettlingenweier der Biontech-Impfstoff injiziert wird.

Eigentlich werden hier, am zentralen Impfstützpunkt des südlichen Landkreises Karlsruhe, nur Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene geimpft – die Initiative von Eltern aus Ettlingenweier und einer Kinderärztin machte es jedoch möglich, dass bei einer Sonderaktion auch Jüngere an die Reihe kommen.

Viele Eltern wünschen sich ein Impfangebot für Kinder

Simon Fuß und seine Frau Eva, die als Zahnärztin arbeitet, haben drei Kinder. Aus Erfahrung wüssten sie, dass einige Kinderärzte bei der Corona-Impfung noch zögerlich sind, zahlreiche Eltern sich aber ein solches Angebot wünschten, erzählt Simon Fuß.

Die Karlsruher Kinderärztin Ulrike Philippin-Noll, die auch die älteste Tochter des Paars geimpft hat, erklärte sich bereit, bei einer Impfaktion für Kinder mitzumachen. Augenärztin Vera Schmit-Eilenberger meldete sich ebenfalls, um mitzuhelfen. Sie zieht in der Bürgerhalle die Spritzen auf.

Ursprünglich war angedacht, die Aktion in der Erich-Kästner-Grundschule in Ettlingenweier zu veranstalten, dort eigneten sich aber die Räume nicht.

120 Termine waren innerhalb kürzester Zeit vergeben

Eva Fuß wandte sich an die Stadtverwaltung Ettlingen und bekam das Angebot, die Bürgerhalle Ettlingenweier zu nutzen. In der Weihnachtswoche wurde die Online-Buchung freigeschaltet, „innerhalb von zwei Stunden waren alle 120 Termine weg“, berichtet Fuß.

Frank Kreiselmeier und seine Partnerin haben hin und her überlegt, ob sie Tian, Jarno und Tilda impfen lassen wollen. „Das ist keine leichte Entscheidung“, sagt der Familienvater. Das Paar hat sich die Meinung mehrerer Kinderärzte eingeholt, Podcasts angehört, viel zum Thema gelesen – und sich „nach Abwägung aller Für und Wider dafür entschieden“, sagt Kreiselmeier.

Wunsch nach klarer Aussage der Stiko zur Corona-Impfung für Kinder

Er hätte sich eine klarere Aussage der Ständigen Impfkommission (Stiko) gewünscht. Diese empfiehlt die Corona-Impfung explizit nur für Fünf- bis Elfjährige mit Vorerkrankungen, rät aber auch nicht davon ab, Kinder ohne Vorerkrankungen zu impfen.

Gerade beim Jüngsten ist Kreiselmeier sich unsicher, ob die Impfung sinnvoll ist. Nach einem Beratungsgespräch mit Kinderärztin Philippin-Noll entscheiden die Eltern und er sich aber dafür.

Warum? „Die Gefahr besteht halt doch, dass die Kinder sich infizieren, vor allem mit Omikron“, erklärt Kreiselmeier. Davor wolle er sie schützen. Und die Kinder selbst? „Impfen finde ich gut“, bekundet Tian. Er hoffe, dass man dadurch besser durch die Corona-Pandemie komme.

Ganz so furchtlos wie der Elfjährige sind nicht alle Kinder an diesem Donnerstag in der Bürgerhalle. Gerade den Jüngeren ist die Unsicherheit anzusehen, einige haben zum Trost ihre Kuscheltiere mitgebracht. Ferry Speer hält im Wartebereich die Hand seines sechsjährigen Sohns Ivo, „er ist ein bisschen nervös“. Angesichts der raschen Ausbreitung der Omikron-Variante hält Speer es für sinnvoll, auch den Kleinen zu impfen.

Die Einschläge kommen doch immer näher.
Ferry Speer, Vater aus Ettlingen

„Die Einschläge kommen doch immer näher“, sagt er. Obwohl „wir sehr vorsichtig waren“, habe sich die älteste Tochter in der Schule mit Corona infiziert. Der Krankheitsverlauf war mild, trotzdem hat das Speer verunsichert. Durch die Impfung der Kinder seien auch die Großeltern besser geschützt.

Max will weniger Corona-Einschränkungen in der Schule

Der elfjährige Maximilian aus Karlsruhe hofft, dass er sich in der Schule nicht mehr so oft testen lassen und keine Maske mehr tragen muss, wenn er geimpft ist. „Er will sich unbedingt impfen lassen“, sagt seine Mutter Stephanie Haag und lacht. Das Impfangebot in Ettlingen, von dem sie durch ihre Schwägerin erfahren hat, sei „gerade rechtzeitig“ gekommen.

Ob es eine solche Aktion nochmal geben wird, steht in den Sternen. Zeitlich sei das schwer zu bewältigen, sagt Zahnärztin Eva Fuß, „wir haben ja auch noch unseren normalen Praxisbetrieb“.

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