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Fastnacht in der Krise

„Jetzt geht fast nichts“: Ohnmacht statt närrischer Machtergreifung?

Die Fünfte Jahreszeit fällt aus? Nach dem offiziellen Verbot von Umzügen durch die Corona-Verordnung suchen Fastnachtsvereine nach Wegen, um nicht gänzlich unsichtbar zu sein. Der Spagat ist wichtig – wie Mitgliederschwund und Zukunftsangst begegnet wird.

Zuschauer 2020 in der Karlsruher Straße in Forchheim, als Fußgruppen und Wagen, wie der der Weierer Geißböck, durch Forchheim ziehen.
Früher war alles besser: Für alle Narrenfreunde gilt dies mit dem Blick zurück vor die Corona-Zeit. Das Bild entstand 2020 in Forchheim beim Umzug. Foto: Ulrich Krawutschke

Überraschend kommt die aktuelle Absage aller Fastnachtsumzüge zwischen Schmutzigem Donnerstag am 24. Februar und Aschermittwoch mit der neuen Corona-Verordnung des Landes nicht. Die Vereine haben vielfach längst schon reagiert und abgesagt, auch um weitere unnötige Arbeit etwa an Motivwagen zu verhindern. Aber was bleibt nun von Fastnacht 2022 noch übrig? Die BNN haben nachgefragt.

Für die Narrenvereinigung Ettlingen mit ihren zehn Mitgliedsvereinen sagt Moschdschellen-Präsident Markus Utry, die Corona-Situation verbiete Veranstaltungen und Umzüge wie den Ettlinger Kinderumzug. „Selbst wenn etwas möglich wäre, würde sich keiner trauen.“ Das sei Konsens in der Vereinigung.

Eventuell könne es im Frühjahr in kleinem Rahmen etwas geben, denn „uns geht es vor allem auch um die Jugend, die am schlimmsten betroffen ist“.

Narren bleiben oft notgedrungen unter sich

Nachtumzug, Sitzungen und Narrendorf sind erneut abgesagt, vermeldet Torsten Kiefer, Präsident der Spessarter Eber. Zwar war der Fastnachtsauftakt am 11.11. und die Ordensverleihung am 26. November noch möglich, „aber jetzt geht fast nichts“. Wie 2021 planen die Eber am 25. Februar eine Online-Sitzung für Mitglieder mit Ausschnitten etwa von früheren Umzügen und Sitzungen. Dafür gibt es ein Vesper- und Getränkepaket, „um etwas Gemeinsamkeit zu erzeugen“.

Ein närrischer Gottesdienst mit Pfarrer Siegfried Weber und Ebern im Kostüm ist am Fastnachtssonntag geplant und eventuell ein Ausklang an Aschermittwoch in der Gastronomie. In Planung ist auch ein Fest vom 13. bis 15. Mai auf dem Festplatz, „um unser ausgefallenes 33. Jubiläum als 33+2 nachzufeiern“.

Es tut weh, vor allem wegen der Kinder.
Rita Böhm, Vereinte Forchheimer Fasenacht

Auch aus dem traditionellen Forchheimer Umzug mit vielen Motivwagen, der zuletzt im Februar 2020 gelaufen ist, wird wieder nichts. Präsidentin Rita Böhm von der Vereinten Forchheimer Fasenacht: „Es tut weh, vor allem wegen der Kinder“, betont sie. Und der Präsident des Forchheimer Elferrat Clubs (FEC), Stefan Kungl, vermeldet die „notgedrungene Absage aller Veranstaltungen“. Allenfalls könne bei Lockerungen kurzfristig etwas laufen. Nicht anders sieht es beim MGV Eintracht und den Stadtmusikanten in Mörsch aus, erklären die Präsidenten Volker Rocca und Michael Pustleik. Für den Sommer habe man eventuelle Veranstaltungen im Kopf.

Für die Eintracht-Fastnachter schildert Rocca sein Problem, den am 11.11. geraubten Rathausschlüssel zurückzugeben. „Eventuell spontan im Freien.“ Ein Aktiven-Fest mit Ballett im Sommer plant der Verein, „um die Leute bei der Stange zu halten“. Das Problem hat auch Pustleik, der einen Mitgliederschwund vor allem bei der Jugend verzeichnet. Eventuell gibt es im Frühjahr/Sommer „ein internes geselliges Beisammensein, es muss ja weitergehen“. In Neuburgweier sieht man die Umzug-Absage als „moralische Entscheidung“, so Vorstand Andreas Hartmann von den Weierer Geißböck. Es gebe aber die noch unkonkrete Idee eines kleinen Narrentreffs.

„Alles ist abgesagt, vielleicht stellen wir symbolisch einen Narrenbaum“, sagt Christian Zechiel, Vorsitzender der Fasnachtsgemeinschaft Auerbach. Am Fasnachtssamstag werden die Festschriften zum 44-Jährigen verteilt. Im Mai soll es einen Jubiläumsball geben und eventuell einen Tanzabend für die Garden – „alles abhängig von der weiteren Entwicklung“. In Ittersbach ist laut Zunftmeister Manuel Ochs eine Kinderaktion mit Geschenktüten vor die Haustür geplant, eventuell ein Narrenbaumstellen.

Wir haben noch nicht aufgegeben.
Fabian Sarbacher, Zunftschreiber Schielberg

Von Umzug und Hallenfastnacht hat sich die sonst quicklebendige Schielberger Narrenzunft schon länger verabschiedet. Man halte aktuell zumindest an einem kleinen Rathaussturm fest, erzählt Zunftschreiber Fabian Sarbacher. In zwei Wochen setze man sich wieder zusammen. „Wir haben noch nicht aufgegeben.“ Der Ort werde geschmückt, erklärt er fast trotzig. Bunte Luftballons landen in Briefkästen, der Narrenbaum werde eben ohne Publikum gestellt. Man wolle zeigen, dass Fastnacht ist.

Auch in Malsch gibt es keine großen Narrensprünge, wie Vorsitzende Ramona Huck von der GroKaGe erzählt. Eventuell eine kleinere Aktion im Freien mit begrenzter Mitgliederzahl. Der Narrenbaum stehe, und am Mittwoch vorm „Schmutzigen“ werde das traditionelle Narrenblatt Pflugschar verkauft. „Alles schade, gerade für die Kinder – wir haben mit Abstand mit ihnen für Bühnenauftritte trainiert, solange es ging.“ Die Sitzungen seien ja auch Werbung, die neue Mitglieder bringen, betont Vizepräsident Markus Burgmann. „Meine Tochter ist jetzt zwei Jahre in der Jugendgarde und hatte noch keinen Auftritt.“

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