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„Kunstgebilde“ vom 1. September 1971

Vor 50 Jahren wurde aus fünf selbstständigen Orten die Gemeinde Karlsbad

Vor 50 Jahren entstand aus fünf Gemeinden das „Kunstgebilde“ Karlsbad. Die Jubiläumsfeier wird wegen Corona verschoben. Wir werfen dennoch bereits einen Blick in die Vergangenheit auf die Fusion am 1. September 1971.

Langensteinbach ist heute der größte der insgesamt fünf Ortsteile von Karlsbad. Im dortigen alten Rathaus sind auch Teile der Gemeindeverwaltung um Bürgermeister Jens Timm untergebracht. Foto: Werner Bentz

Keine Feier, aber Erinnerung an ein Datum, das gleichbedeutend mit der Geburtsstunde der Gemeinde Karlsbad ist: der 1. September 1971. Damals wurde aus fünf selbstständigen Orten das „Kunstgebilde“ Karlsbad. Gefeiert wird das im kommenden Jahr, denn Corona lässt nichts anderes zu.

Vor 25 Jahren war das anders. Da wurde die Silberhochzeit der Gemeinde noch mit 600 Gästen in der Schelmenbuschhalle Langensteinbach begangen. Damals sagte der ursprüngliche Verfasser des Karlsbader Fusionsvertrages und Präsident der Gemeindeprüfungsanstalt, Peter Schöpke: „Die erfolgreiche Integration der fünf Ortsteile zur Großgemeinde Karlsbad im Jahre 1971 ist genauso wichtig wie der sichtbare materielle Erfolg.“

Eine Aussage, die ein Vierteljahrhundert später für den amtierenden Bürgermeister Jens Timm (Freie Wähler) nach wie vor ihre Gültigkeit hat.

Zwei Themen sorgten beim Zusammenschluss in Karlsbad für Diskussionsstoff

Karlsbad war 1971 eines der ersten Reformprojekte im Raum Karlsruhe. Schneller dran war in der Nachbarschaft nur Marxzell. Die Gemeinde entstand durch den Zusammenschluss von Schielberg, Pfaffenrot und Burbach bereits am 1. Juli 1971. Das Land Baden-Württemberg ebnete mit dem Gesetz zur Stärkung der Verwaltungskraft von 1968 den Weg für eine umfassende Reform auf kommunaler Ebene. Diese kam allerdings erst mit der 1973 gesetzlich verordneten Kreisreform so richtig in Gang.

Unterzeichnung der vertraglichen Vereinbarung zur Gründung von Karlsbad: (von links) Willi Konstandin (Mutschelbach), Franz Würl (Ittersbach), Regierungspräsident Werner Munzinger, Karl Ried (Langensteinbach), Werner Steger (Spielberg), Erich Fehringer (Auerbach), dahinter Günter Höger für das Protokoll. Foto: Gemeinde Karlsbad

Als Verhandlungsführer des Karlsbader Zusammenschlusses sprach Peter Schöpke beim 25-jährigen Bestehen von zwei Themen, die damals zunächst für Diskussionsstoff sorgten. Das war die Zuordnung zu einem Landkreis und der neue Gemeindename. Die ersten Impulse für die Großgemeinde seien vom damaligen Langensteinbacher Schultes Karl Ried gekommen.

Überraschend schnell habe Bürgermeister Franz Würl aus Ittersbach, obwohl damals dem Landkreis Pforzheim angehörend, ebenfalls Interesse bekundet. Im Vorfeld war plötzlich aufgetaucht, dass das neue Karlsbad womöglich dem Landkreis Rastatt zugeordnet werden soll, was schnell vom Tisch war.

Dem neuen Karlsbad stand nichts mehr im Weg

Eine Bürgeranhörung im Mai 1971 brachte schließlich in Langensteinbach, Spielberg, Mutschelbach und Auerbach ein klares Votum für die neue Großgemeinde, anders in Ittersbach, wo man sich gegen das neue Gebilde in einem neuen Landkreis aussprach. Die Blicke richteten sich damals eher in Richtung Straubenhardt. Ungeachtet dessen votierte der Ittersbacher Gemeinderat ebenfalls für Karlsbad und die Gemeinde wurde per Gesetz dem Landkreis Karlsruhe zugeordnet.

Dem neuen Karlsbad stand nichts mehr im Wege. Der Namensvorschlag kam von Erich Fehringer, Auerbach, dem damals mit 27 Jahren jüngsten Bürgermeister. Heute zeigt das Gemeindewappen in der Mitte eine Trinkschale, die an das ehemalige Fürstenbad in Langensteinbach als Namensgeber erinnern soll. Im Jahre der Fusion zählten die fünf Ortsteile rund 11.300 Einwohner.

Karlsbad heute: Anbindung, Freizeitangebote, Schulen

Eingebettet in Waldgebiete zählt die Gemeinde auf dem Alb-Pfinz-Plateau, als Unterzentrum an der Nahtstelle des südlichen Landkreises Karlsruhe zum westlichen Enzkreis, heute rund 16.000 Einwohner. „Wohnen-Arbeiten-Erholen“ – so die Attribute in der Öffentlichkeitsarbeit. Jungen Familien bietet man in allen Ortsteilen gut ausgestattete Kitas und Grundschulen und in Langensteinbach im regionalen Schulzentrum mit Gymnasium, Realschule und Gemeinschaftsschule nahe Bildungsmöglichkeiten für ihre Kinder.

Die Ortsteile Langensteinbach, Ittersbach und Spielberg sind an die S-Bahn-Linie der AVG angeschlossen. Das Gewerbegebiet „Stöckmädle“ in Ittersbach gilt mit über 5.500 Arbeitsplätzen, zusammen mit dem SRH-Klinikum mit über 1 000 Beschäftigten als wichtiger Arbeitsplatzfaktor. Dabei sorgt der beispielhafte Branchenmix im „Stöckmädle“, bisher auch in der Corona-Phase, für stabile Gewerbesteuereinnahmen.

Von Finanznot war in der 50-jährigen Geschichte bisher wenig zu spüren. Derzeit wird als aufwendigstes Bauprojekt in der Geschichte Karlsbads das Schulzentrum für rund 23 Millionen Euro grundlegend saniert.

Mit Freibad, sechs großflächigen Sport- und Mehrzweckhallen, der Gemeindebibliothek, zwei gut frequentierten Kleinkunstbühnen und nicht zuletzt einem breitgefächerten Vereinsangebot bieten sich vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung für Jung und Alt. Partnergemeinden sind Hüttau im Salzburger Land und Heldrungen in Thüringen.

Die Bürgermeister von Karlsbad

Am 28. November 1971 wurde Erich Hoffmann (CDU) zum Bürgermeister der neuen Großgemeinde gewählt. Ihm folgte nach einer Amtsperiode 1979 Alfred Seeger (parteilos), der 1999 altersbedingt ausschied. Von 1999 bis 2015 lenkte Rudi Knodel (Freie Wähler) bis zu seiner Pensionierung die Geschicke der Gemeinde. Seit Mai 2015 ist Jens Timm Ortsoberhaupt.

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