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„Ein Gefängnis falscher Alternativen“

Neue Corona-Teststrategie für Ettlinger Schulen und Kitas: Die Vision des Oberbürgermeisters

In Ettlingen und Rheinstetten soll eine breit angelegte Strategie von Corona-Schnelltests in Schulen und Kitas starten. Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold erklärt die Gründe und positioniert sich klar.

Johannes Arnold, Oberbürgermeister von Ettlingen Foto: Archiv Fabry

Ab sofort setzen die Städte Ettlingen und Rheinstetten auf eine neue Corona-Teststrategie für Schulen und Kindertageseinrichtungen. Unser Redaktionsmitglied Johannes-Christoph Weis sprach mit Ettlingens Oberbürgermeister Johannes Arnold (Freie Wähler) über die Gründe.

Der Oberbürgermeister von Ettlingen blickt dabei nicht nur auf Schulen und Kitas, sondern denkt auch an den Handel, Freizeiteinrichtungen und die Gastronomie. Die neue Corona-Teststrategie könnte seiner Meinung nach auch Grundlage für weitere Konzepte in diesen Bereichen sein.

Sind so viele Corona-Schnelltests aber nicht viel zu teuer? Auch hinsichtlich der Kosten der neuen Strategie in Ettlingen hat Johannes Arnold eine deutliche Meinung.

Was hat Sie veranlasst, auf die Corona-Tests in Schulen und Kitas zu setzen?
Arnold

Schulen schließen, Schulen öffnen, früher öffnen, länger schließen. Testen, nicht testen, Schnelltests in Apotheken und bei Ärzten oder durch die Kommunen? Die Diskussionen mit ihren Stop-and-Go-Positionen drehen sich seit Wochen im Kreis, nein, sie fahren in der Sackgasse nur vor und zurück.

Für das Ja oder Nein von Präsenzunterricht wird die Corona-Statistik herangezogen ...
Arnold

Der Streit um Präsenzunterricht an Schulen geht von der falschen Voraussetzung aus: Man könne entweder die Pandemie bekämpfen oder die Schulen offen lassen. Diese Polarität ist verkehrt – ein Gefängnis falscher Alternativen. Wer so denkt, kann ja nicht anders als nur auf Inzidenzzahlen starren.

Was kann jetzt in der Stadt Ettlingen getan werden?
Arnold

Wir machen die Schule zu einem Ort, der zugleich die Schulbildung sichert und die Pandemie bekämpft – sogar über die Schule hinaus. Dazu ist der Vorschlag des Landes (Eisenmann, CDU, und Lucha, Grüne) zur breiten Testung der am Schulleben Beteiligten genau so richtig wie die Spahnsche Initiative, ab März allen Schnelltests anzubieten. Über solche Masseninitiativen kommen wir aus der Sackgasse der Inzidenz und des Lockdowns schrittweise heraus.

Was ist mittelfristig das Ziel der neuen Ettlinger Teststrategie?
Arnold

Die Schulen sind dafür der Anfang, Ergebnisse und Erkenntnisse daraus können gewonnen werden für die weiteren Öffnungsschritte in Handel, Gastronomie, Kinos, Kulturveranstaltungen, Vereinsleben und so weiter. Städte, die hier voraus gehen, werden diejenigen sein, die brauchbare Grundlagen und Konzepte für die Öffnung der arg gebeutelten Betriebe in den Innenstädten schaffen.

Haben Sie nicht etwas Sorge vor den Kosten der Kommunen für die Corona-Tests?
Arnold

Natürlich stellt sich die Frage, wann und ob der Aufwand und die Kosten dafür jemals gänzlich erstattet werden, wenn die Gemeinden hier aktiv werden, um eine gewisse Art von Umsetzungsversagens anderer staatlicher Stellen auszugleichen. Doch sind Eurobeträge für Tests zu einer bildungsvernachlässigten Schülergeneration wirklich ein Gegenargument? Nein. Handeln und nicht erst Fragen ist nun auch in Ettlingen eine erste Pflicht.

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