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Corona-Lage

Karlsruher Kliniken fordern Lockdown für alle

Die Kliniken im Stadt- und Landkreis Karlsruhe zeichnen ein dramatisches Bild der aktuellen Corona-Situation. Sie fordern eine sofortige Notbremse, inklusive Kontaktbeschränkungen für Geimpfte wie Ungeimpfte und einen Lockdown für verschiedene Lebensbereiche.

Dramatische Lage: Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe sind am 26. November nur noch vier Intensivbetten frei. Foto: Fabian Strauch/dpa

In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben sich die vier großen Kliniken aus dem Stadt- und Landkreis Karlsruhe für weitreichende Kontaktbeschränkungen ausgesprochen. Man brauche dringend Maßnahmen, die kurzfristig auf das Infektionsgeschehen wirkten. Auch die Schließung von Weihnachtsmärkten, Diskotheken, Restaurants oder dem Einzelhandel dürfe kein Tabu mehr sein.

Gleichzeitig wiederholten die Klinikvertreter die Aufforderung an alle Ungeimpften, sich zeitnah immunisieren zu lassen. Aus dieser Gruppe stammten weiterhin über 80 Prozent der Intensivpatienten.

„Wenn die Impfquote nicht steigt, werden wir einen furchtbaren Winter erleben“, prognostiziert Michael Geißler, Medizinischer Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe. Den Höhepunkt der aktuellen Welle sieht er längst nicht erreicht. Im Januar werde es wohl soweit sein, so die Erwartungshaltung.

Nur 4 von 90 Betten sind frei

Um zu verdeutlichen, wie nah die Kliniken im Stadt- und Landkreis schon jetzt an ihren Leistungsgrenzen sind, bemüht Geißler bei einer Pressekonferenz am Freitag aktuelle Zahlen und eine düstere Prognose: Derzeit seien vier von insgesamt 90 Intensivbetten frei, 35 seien durch Corona-Patienten belegt, berichtet der Medizinische Geschäftsführer des Städtischen Klinikums Karlsruhe.

Neben ihm sitzen Vertreter der Karlsruher ViDia Kliniken, der RKH Kliniken, des SRH Klinikums Langensteinbach sowie die Karlsruher Bürgermeisterin Bettina Lisbach (Grüne).

RKH Kliniken fordern Mitarbeiter zum freiwilligen Lockdown auf

Landesweit gebe es noch 82 freie Betten für Intensivpatienten. Gleichzeitig rechne man damit, dass die Anzahl der Corona-Patienten auf Intensivstationen in Baden-Württemberg in den nächsten 14 Tagen von knapp 550 auf 800 steigt. „Die Schlussfolgerung ist klar, und damit sind wir nicht allein: Wir brauchen sofort bundeseinheitliche Kontaktbeschränkungen“, so Geißler. „Wir erwarten einen gesamtgesellschaftlichen Schulterschluss. Im Moment sind nur wir die Leidtragenden.“

Keiner in den Krankenhäusern könne nachvollziehen, dass „draußen weiterhin alles stattfindet, als wäre nichts“, ergänzt Susanne Stadtler, Regionaldirektorin der RKH Kliniken. Sie hat ihre Mitarbeiter bereits dazu aufgefordert, freiwillig in einen privaten Lockdown zu gehen. Es gehe für alle darum, Kontakte erneut auf ein Minimum zu reduzieren, so Lisbach. Dass das im Widerspruch zu offenen Weihnachtsmärkten, Veranstaltungen und Läden steht, sieht sie allerdings auch.

Erneuter Appell zum Impfen

Deshalb wird Geißler auf Nachfrage konkreter: „Nur Ungeimpfte zu isolieren, bringt uns nicht weiter.“ Das Problem sei, dass Geimpfte zwar meist nicht schwer erkrankten, aber das Virus durchaus weitergäben. Dazu komme, dass Deutschland mit den Booster-Impfungen bisher nicht richtig vorangekommen sei und bei vielen die Wirkung nachlasse. Daher müsse die Politik nun die Notbremse ziehen und das Leben herunterfahren. Den Betrieb in Schulen und Kindergärten stellt Geißler hingegen nicht in Frage. Die seien „die letzte Bastion, die fallen darf“.

Mittelfristig helfe nur „Impfen, Impfen, Impfen“, lautet wieder einmal der gemeinsame Appell der Klinikvertreter. Geißler schloss sich den lauter werdenden Rufen nach einer generellen Impfpflicht an. „Ganz klar ist: Wir sind nur wegen der geringen Impfquote in dieser Lage.“ Nun brauche die Politik den Mut, diesen Schritt auch zu gehen.

Kliniken klagen über Finanzierungslücken

Ebenfalls an die Politik gerichtet ist die Forderung nach einer besseren Finanzierung der Kliniken. „Es ist unangenehm, dass wir uns in dieser Situation überhaupt darum kümmern müssen“, sagt der Vorstand der Karlsruher ViDia-Kliniken, Richard Wentges.

Alle Kliniken berichten von tiefroten Zahlen durch zusätzliche Belastungen und gleichzeitig ausbleibende Einnahmen. Wentges fordert vom Land die Neuauflage des Krankenhausrettungsschirms sowie klare Finanzierungszusagen nicht nur für 2020, sondern auch für 2021 und 2022.

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