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Lob für das Marktamt

Händler auf dem Kunsthandwerkermarkt Karlsruhe ziehen trotz Corona positive Bilanz

Nach dem Aus für den Karlsruher Weihnachtsmarkt blieben die Buden mit Kunsthandwerk auf dem Marktplatz geöffnet. Die Händler loben die Entscheidung und die Kommunikation mit dem Marktamt. Doch einige haben auch bereits aufgegeben.

Letzte Gelegenheit: Am Donnerstag können Kurzentschlossene auf dem Kunsthandwerkermarkt noch nach potenziellen Geschenken stöbern, wie hier bei Glaskunst Wulff. Ab dem 24. Dezember schließen die Hütten. Foto: Jörg Donecker

Sehr übersichtlich ist die Szenerie auf dem Kunsthandwerkermarkt auf dem Marktplatz am Mittwoch: Nur tröpfchenweise passieren die Menschen die Security-Schleuse auf das Buden-Areal.

Dennoch, Imker-Meister Peter Reithmeier verbreitet durchweg Optimismus. Seine Bilanz ist trotz der wenigen Passanten überraschend positiv. „Es ist insgesamt gut gelaufen. Ich bin froh, dass ich überhaupt hier stehen darf. Ich möchte mich mal für das Engagement des Marktamtes und OB Frank Mentrup bedanken, die sich für den Erhalt des Kunsthandwerkermarkts starkgemacht haben“, sagt der 53-Jährige aus Rheinstetten.

Währenddessen gehen Bienenwachs-Kerzen, heimischer Honig oder Wachs-Weihnachtsfiguren über die Ladentheke. Denn diejenigen, die den Markt aufsuchen, seien durchaus kaufwillig. Seine Kassenschlager sind Daxlander Hardtwald-Honig oder Weißtanne aus Völkersbach.

Wechselnde Corona-Regeln sorgten auf dem Karlsruher Markt für Verwirrung

Seit dem 22. November sind die Marktbeschicker aktiv, am Donnerstag ist der letzte Verkaufstag rund um die Pyramide. Zunächst galt die 3G-Regel, dann 2G plus, derzeit wieder 2G, auch eine Umzäunung kam zu Beginn hinzu. „Das ist für die Leute natürlich verwirrend. Der Zuspruch ist insgesamt verhalten. Aber ich bin nicht unzufrieden“, betont Anton Bamberger aus Ulm. Seine Frau Kathrin kreiert Kopfbedeckungen aller Art, vornehmlich aus Wolle, etliche im art-déco-Stil der 20er Jahre.

Hier hat man sich wirklich sehr bemüht.
Anton Bamberger, Händler

Auf dem Christkindlesmarkt am Ulmer Münster hat das Paar seine Ware auch schon verkauft, aber dieser schloss diesen Advent wie viele im Land vorzeitig. Umso glücklicher ist man, dass im Badischen Flagge zeigen durfte. „Hier hat man sich wirklich sehr bemüht. Man stand ständig im Dialog mit dem Marktamt. Das erlebt man auch nicht alle Tage“, stößt der Schwabe ins gleiche Horn wie Reithmeier.

Während andernorts gleich der komplette Weihnachtsmarkt mit Essen- und Handwerkerständen dicht machte, habe man hier zumindest den Kreativen ein Forum bieten können. „Natürlich fehlt der Glühweinstand direkt nebenan. Die Leute trinken was und dann kaufen sie noch was bei uns. Aber so, wie es ist, passt das“, sagt er während er sich bei kühlen Temperaturen auf seinem Heizhocker wärmt.

Einige Händler haben ihre Buden bereits abgebaut

Nicht jeder teilt den Optimismus der beiden Händler. Manche winken ab, wollen lieber nicht befragt werden. Andere kann man gar nicht mehr nach ihrer Bilanz befragen, sie sind schlicht nicht mehr da. Einige Buden sind zugesperrt, ein Teeladen zum Beispiel direkt neben dem Hutmacher-Stand. „Für die hat es sich wohl nicht mehr gelohnt. Wobei Tee auf Weihnachstmärkten normal super läuft“, meint Bamberger schulterzuckend. „Etwas trostlos sieht es schon aus. Die Händler tun mir leid“, sagt Dieter Groß aus Pfinztal, der auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken durch den Markt flaniert.

Eine, die nur zu gut weiß, wie stark der Christkindlesmarkt in früheren Zeiten frequentiert wurde, ist Heide Malischewsky, besser bekannt als Badefee. Die Karlsruherin veräußert allerlei Seifen, Raumdüfte und Badezusätze – und das seit gut 35 Jahren. Größer könnte aktuell der Kontrast zum Geschehen auf dem Marktplatz vor einigen Jahren, ehe es bekanntlich zum Friedrichsplatz ging, kaum sein. Wo sich damals noch Menschenmassen drängten, ist die Schar sehr überschaubar.

Wir erfahren hier Wertschätzung, das ist durch nichts zu ersetzen.
Heide Malischewsky alias Badefee, Händlerin

Dennoch, auch Malischewsky hält den Kopf oben. „Es ist kein Vergleich, wir haben einen Umsatzverlust von rund 75 Prozent. Aber ich bin trotzdem sehr froh, dass ich hier sein darf. Ein Lob an das Marktamt und das gesamte Team.“ Denn für sie zählt nicht nur das Monetäre, sondern auch der menschliche Kontakt. „Wir erfahren hier Wertschätzung, das ist durch nichts zu ersetzen. Ich habe noch nie so viel Trinkgeld bekommen wie derzeit. Wir haben viele Stammkunden, die uns gezielt aufsuchen“, meint die sympathische Badefee, die ihre Essenzen in Südfrankreich von Parfümeuren kreieren lässt.

Service

Am Donnerstag, 23. Dezember, hat der Kunsthandwerkermarkt auf dem Marktplatz letztmalig von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Es gilt die 2G-Regel und Maskenpflicht.

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