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Nicht alle Anbieter profitieren in der Corona-Krise

Reinigungsfirmen in Karlsruhe: Mehr desinfizieren - weniger putzen

Hygiene und Sauberkeit spielen in der Corona-Krise eine zentrale Rolle. Zu den Profiteuren gehören also Reinigungsunternehmen - könnte man meinen. Das trifft aber längst nicht auf alle zu.

Samuele Dinara war in den vergangenen Wochen mit seinem Thermalnebelgerät für Desinfektionen fast im Dauereinsatz. Foto: Jörg Donecker

Auf der verzweifelten Suche nach Reinigungs- und Desinfektionsmitteln hat so mancher Karlsruher in den vergangenen Wochen eine unfreiwillige Stadtrundfahrt gemacht. Die Corona-Pandemie hat schlagartig die Rolle von Sauberkeit und Hygiene im Alltag verändert. Doch Putzmittel-Herstellern und Reinigungsunternehmen profitieren unterschiedlich. Manche mussten sogar Kurzarbeit anmelden. Anderen wird tatsächlich die Tür eingerannt.

Viele Desinfektionen nach positiven Corona-Tests

Bei Samuele Dinara steht das Telefon seit Februar kaum noch still. Der Inhaber von R&S Cleaning ist staatlich geprüfter Desinfektor und mit seinem Fachwissen gefragt wie noch nie. In den vergangenen Wochen hat die Firma fünf neue Reinigungskräfte eingestellt. Trotzdem schieben viele Sonder- und Nachtschichten. „Man kann schon sagen, dass wir Gewinner der Krise sind”, sagt Dinara. „Wir haben locker doppelt soviel Arbeit wie davor.”

Ein Teil der zusätzlichen Aufträge hängt direkt mit dem Corona-Virus zusammen. Immer wieder rückt Dinara mit seinem Team aus, wenn ein Mitarbeiter eines Unternehmens positiv getestet wurde. Meist muss es schnell gehen. „Wir waren auch schon mit vier bis fünf Mann am Wochenende die ganze Nacht beschäftigt”, sagt der Desinfektor.

Bei diesen Großeinsätzen schwingen die Reinigungsexperten die ganz große Keule. Sie haben optisch „etwas von Ghost Busters”, scherzt Dinara. Um jeden Winkel zu erreichen, dichten die Experten die Räume ab und versprühen eine Mischung aus Wasserstoffperoxid und einer Nebellösung. Vom 35 Quadratmeter großen Büro bis zu 400 Quadratmetern in Produktionshallen war zuletzt alles dabei.

Wir haben einige Aufträge, bei denen zuerst eine andere Firma reinigt und wir dann nur zum Desinfizieren kommen.
Samuele Dinara, Inhaber von R&S Cleaning

Die Zusatzqualifikation als Desinfektor kommt Samuele Dinara in Corona-Zeiten extrem zu Gute. „Wir haben einige Aufträge, bei denen zuerst eine andere Firma reinigt und wir dann nur zum Desinfizieren kommen”, berichtet er. Viele Stammkunden haben außerdem aufgestockt. Wer bisher nur die Toiletten putzen ließ, ergänzt nun um Türen, Tische und andere Kontaktflächen.

Gebäudereiniger beklagt Auftragsrückgang

Mit deutlich mehr Sorgenfalten blickt Jürgen Gödecker auf die vergangenen Monate. Desinfizieren ist nicht das Kerngeschäft seiner Gebäudereinigung. Die bietet es zwar an, wirbt aber nicht offensiv damit. Von zusätzlicher Arbeit kann er derzeit nur träumen, neue Anfragen gibt es kaum. Viele Kunden haben sogar Aufträge reduziert oder ganz gestrichen. Einige Mitarbeiter sind bis heute in Kurzarbeit.

Die Auftragsdürre hat viele Gründe, glaubt Gödecker: Die Schwerpunkte der eigenen Arbeit, Sparvorgaben von Kunden, Homeoffice und Zugangsbeschränkungen aufgrund der Corona-Krise. „Einer unserer großen Kunden hat die jährliche Reinigung der Glasfassade gestrichen, ein anderer lässt noch immer keine Fremdfirmen ins Haus”, erzählt er. „Viele machen sich Sorgen, auch wegen der finanziellen Entwicklung.” Hoffnung auf eine schnelle Erholung hat Jürgen Gödecker nicht. Man wolle in den nächsten Wochen verstärkt Privatkunden überzeugen, so die Strategie.

Weniger zu tun während des Lockdowns

Von einem Auftragseinbruch zu Beginn der Corona-Krise berichtet auch Umut Yalcin, Geschäftsführer der Reinigungsfirma „Richtig Sauber”. Seit Juni erhole sich das Geschäft aber - der Juli könnte arbeitsreicher werden als gewohnt. „Wir haben viele Kunden im Bereich Fitness und Gastronomie”, sagt Yalcin. „Die waren alle dicht, das haben wir gespürt.”

Während des Lockdowns habe sich aber auch vieles gestaut, beispielsweise wurden Grundreinigungen verschoben. Dazu kommt, dass es nach dem Neustart nicht einfach weiter geht wie zuvor. So werden Kontaktflächen wie Lichtschalter oder Türgriffe mittlerweile mit Desinfektions- statt mit einfachen Alkoholreinigern behandelt.

Wertschätzung für den Job steigt

„Wir sehen trotzdem, dass Kunden versuchen zu sparen - uns vielleicht nur noch drei- statt fünfmal die Woche anfordern”, berichtet der Geschäftsführer von „Richtig Sauber”. Auf der anderen Seite wachse der Bereich der einmaligen Aufträge aktuell enorm, so Yalcin. So würden Baustellen oft noch gründlicher gereinigt als vorher. „Das Bewusstsein für das Thema Reinigung hat sich verändert. Die Menschen nehmen unsere Arbeit wichtiger und wertiger wahr”, sagt er.

Die Reinigungskräfte im Städtischen Klinikum hatten durch die Corona-Krise in den vergangenen Wochen deutlich mehr Arbeit. Foto: M. Kümmerle

Von einer deutlichen Aufwertung der Arbeit der Reinigungskräfte in der öffentlichen Wahrnehmung berichtet auch Birga Pagel, die Geschäftsführerin der Karlsruher Versorgungsdienste im Sozial- und Gesundheitswesen (KVB). Die Gesellschaft ist eine Tochter des Städtischen Klinikums und übernimmt dort rund 90 Prozent aller Reinigungsarbeiten. Um Aufträge braucht man sich also keine Gedanken zu machen - mehr als genug Arbeit gab es vor allem zu Zeiten hoher Infektionszahlen.

Bewusstsein für Sauberkeit und Hygiene ist gestiegen

„Wir mussten gut doppelt so viel desinfizieren wie zu normalen Zeiten”, sagt Pagel. „Eigentlich sind bei uns zwei ausgebildete Desinfektoren im Einsatz. Das Team haben wir aufgestockt.” Geändert haben sich vor allem die Rahmenbedingungen - die Desinfektionsmittel sind weiterhin die gleichen. „Der Mehraufwand entsteht beispielsweise durch das An- und Ausziehen von Schutzkleidung oder zusätzliche Pausen, die beim Tragen von FFP2- oder FFP3-Masken vorgeschrieben sind”, erklärt die KVB-Geschäftsführerin.

Wir mussten ständig die Desinfektionsmittelspender neu befüllen.
Birga Pagel über die Reinigungsarbeiten am Städtischen Klinikum

Das gestiegene Bewusstsein der Menschen für Sauberkeit und Hygiene bekam die Putztruppe des Klinikums allerdings an anderer Stelle zu spüren. „Wir mussten ständig die Desinfektionsmittelspender neu befüllen”, sagt Pagel.

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