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Schulstart in Karlsruhe

So laufen die letzten Vorbereitungen vor dem Neustart an Karlsruher Schulen

Ab Montag dürfen zum ersten Mal seit März wieder alle Schüler gleichzeitig in die Karlsruher Schulen kommen. Die sehen sich gut vorbereitet, rechnen aber an der ein oder anderen Stelle mit Problemen. Das beginnt schon mit der verpflichtenden Gesundheitserklärung.

Nicht zu übersehen: Mit zahlreichen Hinweisen an den Türen und auf dem Boden erinnert die Gutenberg-Schule an die Hygiene- und Abstandsregeln. Foto: Peter Sandbiller

In der Gutenberg-Schule geht es kurz vor dem Ferienende bunt zu. Rote Pfeile weisen in Treppenhäusern und Gängen die Laufrichtung. Auf dem Boden kleben überall pinke, weiße oder schwarz-gelbe Linien. „Jeweils 1,80 Meter voneinander entfernt“, erklärt Rektor Gunter Vogel. Das ließ sich durch die Breite der Fliesen leichter abschätzen.

Die neue Farbenlehre in dem mehr als 100 Jahre alten Bau ist Teil des Corona-Konzepts. Für den Neubeginn unter Volllast am Montag sieht Vogel die Schule gut gerüstet. Mit Problemen rechnet er an der einen oder anderen Stelle trotzdem. Von einer Mischung aus Vorfreude und einem unguten Bauchgefühl spricht auch der Schulleiter des Max-Planck-Gymnasiums, Uwe Müller.

Erklärung zur Gesundheit muss eigentlich am ersten Tag vorliegen

„Das fängt schon mit der verpflichtenden Erklärung zur Gesundheit an“, glaubt Gunter Vogel. Den Vordruck des Kultusministeriums hat er per Mail verschickt. „Trotzdem werden das viele nicht dabei haben“, ist sich Vogel sicher. Davon geht auch Müller aus. Für die Verantwortlichen beginnt schon hier ein schwieriger Spagat. „Einen Sechstklässler deswegen heimzuschicken, wäre nicht verhältnismäßig“, sagt er. Aber natürlich bleibe ein Restrisiko.

In der Gutenberg-Schule in der Weststadt will man die im Haus befindliche Grundschule so gut es geht von der Werkrealschule abschirmen. Die Klassen eins bis vier haben ihre Zimmer im Erdgeschoss und im ersten Stock, die älteren Schüler werden in den beiden oberen Stockwerken unterrichtet. Rein und raus geht es durch verschiedene Treppenhäuser.

Dazu beginnt der Unterricht zeitversetzt, um Begegnungen in den Pausen oder zu Schulbeginn zu minimieren. „Wir haben natürlich Glück, dass unser Gebäude das hergibt. Das ist sicher nicht in jeder Schule so möglich“, sagt Rektor Vogel.

Gutenberg-Schule schließt Schüler nach mehreren Verstößen vom Präsenzunterricht aus

Das Rüppurrer Max-Planck-Gymnasium besuchen ab Montag wieder rund 900 Schüler, dazu kommen etwa 100 Lehrer. Damit sich die unterschiedlichen Gruppen nicht zu häufig begegnen, gibt es weniger Pausen. Auf dem Schulhof bekommen alle Klassenstufen eigene Bereiche zugeteilt.

Die Möglichkeiten der strikten Trennung sind sehr begrenzt.
Uwe Müller, Schulleiter Max-Planck-Gymnasium

Acht bis zehn Lehrer überwachen die Einhaltung der Regeln. Normal übernehmen nur zwei bis drei die Pausenaufsicht. Man sei bemüht, die Kontaktmöglichkeiten oder -notwendigkeiten zu reduzieren, sagt Schulleiter Müller. „Aber man muss realistisch sein: Die Möglichkeiten der strikten Trennung sind sehr begrenzt.“

Corona darf nicht über allem schweben.
Gunter Vogel, Rektor Gutenberg-Schule

Mit einer Mischung aus dem „notwendigen Ernst und der möglichen Gelassenheit“ will Gunter Vogel das Schuljahr angehen. „Corona darf nicht über allem schweben. Wir müssen lernen, damit zu leben“, sagt er. In seinem Kollegium ist die Aufregung aus dem März mittlerweile einer Vorfreude auf den halbwegs normalen Schulbetrieb gewichen. Noch vor sechs Monaten zählten sich zwölf der 60 Lehrer selbst zur Risikogruppe. Am Montag werden alle da sein.

Auch unter Eltern und Schülern ist die Unterstützung für die Rückkehr zum vollständigen Präsenzunterricht in der Gutenberg-Schule groß. Trotzdem sorgen Einzelfälle für Wirbel. Drei Schüler hatte Vogel schon vor den Ferien vom Unterricht ausgeschlossen, weil sie sich nicht an die Corona-Regeln hielten. Ein paar Eltern wollten ihre Kinder aus Angst vor einer Ansteckung nicht in die Schule lassen. „Das versuchen wir natürlich, mit Fernunterricht aufzufangen“, sagt der Rektor.

Eltern bemängeln fehlende Pläne für Fernlernen

Doch genau für diese Fernlernangebote fehlt noch immer an vielen Schulen ein schlüssiges Konzept, kritisiert Peer Giemsch, der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats der Karlsruher Schulen. „Es gibt für die meisten Eltern keine Informationen, wie ein alternativer digitaler Wochenplan aussehen könnte, sollte es doch zu coronabedingten Schließungen einzelner Klassen oder ganzer Schulen kommen“, sagt er.

„Natürlich hängt viel von den Lehrern und den Klassen ab“, gibt Uwe Müller zu. Man habe seit März Erfahrungen gesammelt, vieles laufe schon gut. Ob und wie die Schüler den Unterricht auch tatsächlich aufmerksam verfolgen, lasse sich natürlich deutlich schwieriger beurteilen. „Wir können dem digitalen Unterricht aber durchaus etwas abgewinnen. Für die Zukunft wäre aus meiner Sicht eine Mischung sehr gut“, so Müller.

Gutenberg-Rektor Vogel blickt hingegen eher mit Sorge auf mögliche Fernlern-Phasen. „Die Schule ist noch immer nicht richtig dafür ausgerüstet“, sagt er. Zwar haben Lehrer und Schüler sich in Videokonferenz-Systeme eingearbeitet, dennoch hake es an mehreren Stellen. So müssten Lehrer von zu Hause mit der eigenen Technik arbeiten. „In der Schule haben die Rechner keine Kameras, und das Wlan erreicht nicht alle Stellen.“

Eltern und Lehrer machen sich mehr Sorgen als die Kinder. Und die sind meist die diszipliniertesten.
Peer Giemisch, Vorsitzender Gesamtelternbeirat Karlsruher Schulen

Schwerwiegender als die technischen Probleme wiegt aber für Vogel der mit dem Fernlernen einhergehende Verlust der Tagesstruktur. „Insbesondere die Werkrealschüler brauchen die persönliche Unterstützung“, sagt er. Beim digitalen Unterricht liege die Fehlquote teils bei 60 bis 70 Prozent. Viel tun könne die Schule dagegen nicht. „Super Erfahrungen haben wir dafür mit den halbierten Klassengrößen gemacht. Das war wesentlich effektiver. Alle waren im Fokus, keiner konnte abtauchen.“

Am Montag geht es aber nun zum ersten Mal seit fast einem halben Jahr wieder für alle Schüler gleichzeitig in die Schule. „Ich bin sicher, dass das im Großen und Ganzen gut funktionieren wird“, sagt Elternbeirat Giemsch. „Eltern und Lehrer machen sich mehr Sorgen als die Kinder. Und die sind meist die diszipliniertesten.“

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