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Déjà-vu & Kashka

Sozialkaufhäuser in Karlsruhe: Der Umweltgedanke wird wichtiger

In Sozialkaufhäusern kann man sehr günstig einkaufen. Aber die Kunden und Kundinnen in Karlsruhe schätzen nicht nur den günstigen Preis. Auch bei Studierenden sind die Sozialkaufhäuser beliebt.

Schöne Sachen für wenig Geld: Auch Marc Beck und Luise Winter gehören zu den zufriedenen Kunden ds Kashka. Neben dem Preis ist für viele auch der Umweltgedanke entscheidend. Foto: Peter Sandbiller

Eine schicke Bluse für 3,50 Euro, ein luftiges Sommerkleid für fünf Euro oder eine Jacke für die ersten kühlen Herbsttage für rund zehn Euro: In den Kaufhäusern des Diakonischen Werks Karlsruhe, im Kashka und im Déjà-vu, sind solche Schnäppchen in großen Mengen zu finden.

Aber nicht nur Kleidung gibt es, sondern auch Schuhe, Bettwäsche, Geschirr, Elektrogeräte oder Lampen. „Im Déjà-vu haben wir sogar Möbel im Angebot“, erzählt Marc Beck, der bei der Diakonie den Bereich Sozialkaufhaus leitet. Kindersachen hingegen gibt es ausschließlich im Kashka.

„Das Kashka hat ja bereits eine über 20-jährige Tradition in Karlsruhe“, sagt er und erinnert daran, dass alles mit einer Kleiderkammer für bedürftige Menschen angefangen habe. „Inzwischen stehen unsere Kaufhäuser aber allen Menschen offen.“ Ein Ansatz, der am Anfang durchaus kritisch gesehen wurde. „Wir verlangen aber bewusst keinen Nachweis der Bedürftigkeit, um unsere Kunden nicht zu stigmatisieren“, erklärt Beck.

Außerdem brauche man eine gewisse „Durchflussmenge“ an Waren, um wirtschaftlich arbeiten zu können, sagt er und fügt hinzu, dass in der Spendenannahme täglich rund 2,5 Tonnen abgegeben werden, Möbel inbegriffen. „Mit den Erlösen aus dem Secondhand-Bereich unterstützen wir auch andere Projekte des Diakonischen Werks.“

„Inzwischen gibt es nicht nur finanzielle Gründe, um Secondhand zu kaufen“, weiß Beck. Immer wichtiger werde der Umweltgedanke, ist er überzeugt. Wenn gebrauchte Sachen wieder in den Umlauf kommen, werden Rohstoffe gespart und Müllberge kleiner. Eltern kaufen gerne getragene und schon mehrfach gewaschene Kinderkleidung, um mögliche Schadstoffe auszuschließen. Das bestätigt auch Diakonie-Sprecherin Luise Winter, die ebenfalls begeisterte Kashka-Kundin ist. „Ich finde hier immer etwas für mich oder die Kinder“, sagt sie und deutet auf ihren Rock und ihre Strickjacke: „Alles hier gekauft“, sagt sie.

Dennoch gibt es auch die Menschen, die beim Einkauf aufs Geld achten müssen. Beck erzählt von Eltern, die nach Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenken für die Kinder suchen und oft hört er: „Eigentlich kann ich es mir gar nicht leisten, aber jetzt habe ich doch was Schönes gefunden.“ Beck gibt zu, dass man da schon mal gegen die Tränen ankämpfen muss.

Man mache auch immer wieder die Erfahrung, dass den Kunden der soziale Kontakt wichtig sei, so Beck. „Gerade ältere Leute, die alleine leben, schätzen es, mit anderen ins Gespräch zu kommen“, sagt er und bedauert, dass es aufgrund von Corona aktuell keine Kaffeeecke gibt.

Zu den regelmäßigen Kunden gehören auch Studierende, die sich gerne mit günstigen Möbeln und Haushaltswaren eindecken. „Wenn sie nach dem Studium Karlsruhe wieder verlassen, landen die Sachen oft erneut bei uns“, sagt Beck und erzählt, dass so manches besondere Einrichtungsstück im Laufe der Jahre mehrmals über die Ladentheke bei Kashka oder Déjà-vu gegangen sei.

Die Sozialkaufhäuser erfüllen aber auch noch eine andere Funktion: Unter den Mitarbeitern gibt es auch einige Langzeitarbeitslose, die auf diese Weise wieder in die Arbeitswelt integriert werden. „Durch die stundenweise Beschäftigung bekommen sie nicht nur eine Tagesstruktur, sondern erfahren auch, wie bereichernd es ist, Mitglied in einem Team zu sein“, sagt Beck.

Eine besondere Verantwortung kommt dabei jenen Mitarbeitern zu, die in der Spendenannahme und der Warensortierung arbeiten. „Alles wird genau geprüft, denn es darf nur einwandfreie Ware in den Verkauf“, so Beck. Wenn ein Teil kleinere Macken hat, wird es nicht weggeworfen, sondern an Kooperationspartner, wie etwa die Bahnhofsmission oder den Tagestreff TÜR weitergegeben. „Dort kann es dann Bedürftigen kostenlos zur Verfügung gestellt werden“, sagt Beck.

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