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Vor der langen Ruhephase

Weihnachtseinkäufe im Corona-Jahr: Der letzte Ansturm in Karlsruhe

Weil am Mittwoch die meisten Läden zumachen müssen, herrschte am Dienstag in Karlsruhe noch einmal Hochbetrieb. Zahlreiche Leute nutzten die Stunden vor dem Lockdown für die letzten Weihnachtseinkäufe.. Chaotisch ging es dabei aber nicht zu.

Accessoire Einkaufstüte: Am letzten Tag vor dem dreieinhalbwöchigen Ladenschluss waren in der Karlsruher Innenstadt viele Menschen auf der Suche nach Geschenken unterwegs. Foto: Jörg Donecker

Eigentlich wollte Ruxandra van der Plas-Voda ihre Weihnachtsgeschenke in diesem Jahr stressfrei einkaufen. Doch nun steht die Souffleuse des Badischen Staatstheaters während einer Probenpause in der Waldstraße und macht sich eine mentale Einkaufsliste. „Eigentlich brauche ich gar nicht so viel. Drei größere Geschenke für meine beiden erwachsenen Kinder und meinen Mann“, sagt van der Plas-Voda. „Und noch ein paar nette Kleinigkeiten für die Kollegen.“

Dass die Läden ab Mittwoch geschlossen bleiben müssen, habe ihr zwar einen gehörigen Strich durch die Pläne für die kommenden Tage gemacht, sagt die ehemalige Sopranistin. „Aber unter Druck arbeiten sind wir Theaterleute ja gewohnt.“

Schlange stehen blieb van der Plas-Voda am Dienstagnachmittag zumindest erspart. Rund fünf Stunden vor dem dreieinhalbwöchigen Ladenschluss platzte die Innenstadt noch lange nicht aus allen Nähten. Weder auf den Straßen noch in den Läden herrschte größeres Gedränge und auch sonst war von einer Torschluss-Stimmung nur wenig zu spüren. „Am Montag war deutlich mehr los“, sagt Thorsten Brombas.

Beinahe suchend steht der Geschäftsführer der Spielepyramide an der Eingangstür seines Spielwarenladens. Während er auf Kundschaft wartet, schaut Brombas regelmäßig auf sein Smartphone und studiert die aktualisierten Corona-Verordnungen der Landesregierung. Dass kein Abholservice für den Einzelhandel erlaubt ist, bezeichnet Brombas als „nächsten Schlag ins Gesicht“. Wie er seine Stammkunden in den kommenden Tagen mit Weihnachtsgeschenken versorgen werde, müsse er sich noch überlegen. Seine Ansage: „Ab Mittwoch sind wir wieder kreativ.“

„Gutes zum Essen geht immer“

Kreative Ideen hatte Betty Hoyer für die diesjährigen Weihnachtsgeschenke eigentlich auch. Doch nun steht sie unter Zeitdruck und begutachtet die verschiedenen Sorten selbstgemachter Marmelade in einem Außenregal am Ludwigsplatz. „Etwas Gutes zu Essen geht immer. Das wird wenigstens verbraucht“, sagt Hoyer.

Nur wenige Meter von ihr entfernt steht eine junge Frau mit einer prall gefüllten Einkaufstasche vor einem Einrichtungsladen. „Ich habe noch einen Kerzenhalter für meinen Onkel und ein paar nette Accessoires für Bekannte gekauft“, sagt die Erzieherin. Überrascht habe sie der Lockdown eigentlich nicht. Weil sie in einer Kita arbeite, wo es bereits mehrere positive Corona-Fälle gab, habe sie den Ernst der Lage schon längst erkannt.

Nicht nur Einkaufsläden sind am Dienstag ein beliebtes Ziel. In den Baumärkten, die ab Mittwoch nur noch Tierfutter und Weihnachtsbäume verkaufen dürfen, herrscht ebenfalls ein munteres Kommen und Gehen. Bei Bauhaus in der Südstadt sind die Berater im Dauereinsatz. Doch Warteschlangen vor der Eingangstüre gibt es im kleinsten und ältesten Bauhaus-Markt in der Region so gut wie keine.

Keine chaotischen Zustände

Selbst wenn mehr Menschen unterwegs sind als an einem normalen Dezemberdienstag, kommt es auch vor viel frequentierten Geschäften wie dem Einkaufszentrum Ettlinger Tor zu keinen chaotischen Zuständen. Rund um die Shopping-Mall stehen am frühen Abend die Autos in der Lammstraße durch das Zusammenfallen von Berufs- und Einkaufsverkehr aber Stoßstange an Stoßstange.

Und auch entlang der Ettlinger Straße bilden sich gegen 17.30 Uhr stadteinwärts die ersten Staus. „Das ist schon ein bisschen kontraproduktiv. Eigentlich sollen Menschenansammlungen vermieden werden und nun drängt alles auf einmal in die Stadt“, sagt Sören Weber, der zwei Stunden vor Ladenschluss die letzten Weihnachtsgeschenke für seine Eltern gekauft hat. „Und bei der Gelegenheit habe ich auch noch was für mich besorgt“, sagt Weber. „Denn nun komme ich ja vier Wochen nicht dazu.“

Während Weber und seine Begleiterin noch überlegen, ob sie noch weiter einkaufen oder nach Hause gehen sollen, werden sie von zahlreichen Frauen und Männern mit Einkaufstüten überholt. Manche Leute können dem Lockdown Mitte Dezember sogar etwas Positives abgewinnen. „So früh wie in diesem Jahr habe ich das Weihnachtsgeschenk für meinen Vater noch nie besorgt“, sagt ein junger Mann, der mit einem Geschenkkarton Wein über den Friedrichsplatz schlendert. „Normalerweise erledige ich die Weihnachtseinkäufe nämlich erst am Heiligen Morgen.“

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