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Die Straße der Kräne

Wie geht es bei der Karlsruher Dauerbaustelle in der Kriegsstraße weiter?

Wo Kräne stehen, wird in großem Stil an der Zukunft gebaut. Die Kriegsstraße ist auch deshalb Karlsruhes Bauboulevard. Noch werden Lasten für den Beton des Autotunnels bewegt. Für welche gigantischen Projekte aber drehen sich dort bereits die nächsten Kräne?

Kranstraße: Der künftige City-Boulevard ist und bleibt auf Jahre die Karlsruher Achse, an der sich viel dreht. Große Neubauten werden dort wachsen. Foto: Jörg Donecker

Einst schrie kein Hahn danach, wo heute der Kran die Szene bestimmt. Die Kriegsstraße war zu Napoleons Zeiten die Umgehung der Residenzstadt für die feindlichen Heere. Dort sollte man einen Bogen um die bescheidene Hauptstadt Badens schlagen, damit deren Hütten und Paläste unversehrt von marodierenden Truppen blieben.

Heute ist zumindest am entstehenden City-Boulevard 2022 alles anders: Die Kriegsstraße wird auf Wunsch der Stadtpolitik per Kombilösung von der Asphaltschneise einer autogerechten Stadt zur urbanen Stadtachse umgestaltet.

Zehn Kräne bezogen phasenweise seit 2017 gleichzeitig Posten an der 1,6 Kilometer langen Baustelle für den Autotunnel, um die schweren Lasten zu tragen. Jetzt sind es nur noch zwei. Sie stehen dicht nebeneinander beim Karlstor. Am Ostende der Doppelröhre ist ihre Hubkraft noch gefragt. Nur dort sind aktuell Stahlstangenbündel und Betonschalwände zu hieven.

Nachwuchs bei den Riesen

Sonst ist die Doppelröhre vom Mendelssohnplatz im Osten bis zum Bundesgerichtshof im Westen bereits im Rohbau fertig. Schließlich will man den Autotunnel samt der neuen oberirdischen Straßenbahntrasse auf dem kommenden Doppelallee-Boulevard Kriegsstraße am 13. Dezember zusammen mit der U-Strab in Betrieb nehmen. Doch schon gibt es Nachwuchs bei den Stahlskelett-Riesen an der Kriegsstraße. Sie künden von neuen Vorhaben mit gewaltiger Dimension.

Den großen Wandel an der Südseite der neuen Kriegsstraße kündigen die Kräne an. Damit beginnt bereits vor Fertigstellung des neuen Straßenraums die von den Stadtplanern erhoffte Südentwicklung der City. Der städtebauliche Schub erreicht die Nordränder der Südweststadt und der Südstadt. Und überhaupt: Solang noch Kräne steh’n, geht die Entwicklung weiter.

Grube für Hotel mit Skybar

An der Kriegsstraße ragen jetzt zwei Kolosse aus Gittermetall gegenüber vom Nymphengarten auf. Sie stehen bei der Grube für das Motel One. Der Hotelbau mit Skybar auf dem Dach und Läden im Parterre am Boulevard kommt mit rund zwei Jahren Verzögerung. In die Baugrube haben die Kräne schon die ersten Stahlmatten für das Fundament einschweben lassen. Das Hotelgebäude wird an Stelle der abgerissenen Osthälfte des Betonkastens aus den 60er Jahren errichtet.

Die Westhälfte mit Eigentumswohnungen hinter der gekappten Betongalerie für Fußgänger bezeugt indes weiter die Ideen der Karlsruher Stadtplaner vor fast 60 Jahren. Damals bauten sie die Kriegsstraße zu einer die Viertel zerschneidenden Stadtautobahn aus.

Jetzt ist in dem Abschnitt der Kriegsstraße zwischen Ettlinger Tor und Ritterstraße die Zukunft schon fast perfekt: Das Doppelgleis für die Straßenbahn liegt in der Straßenmitte. Noch wächst zwar nicht das Gras im Grüngleis, auch die Winterlinden fehlen. Aber am Montag pflanzten dort die Arbeiter schon Laternenmasten.

Neues Krantheater am Boulevard

Nur ein kleiner Kran kündet an der Kriegsstraße 400 Meter weiter östlich von einem noch größeren Projekt, an dem ebenfalls bereits gearbeitet wird: Es ist das gewaltige Unterfangen, das Badische Staatstheater für eine Richtung Milliarde davon galoppierende Millionensumme in großem Stil um- und auszubauen.

Zwischen dem „K.“ am Ettlinger Tor und dem Theater ist der Hermann-Levi-Platz bereits eine Baulandschaft, während in der Nähe gerade erst der Schotter über dem Tunneldeckel für die neue Kriegsstraße planiert wird.

Doch weil noch viel Höheres an der Kriegsstraße für die nächsten Jahre geplant ist, werden dort auch noch viel größere Kräne als die 40-Meter-Exemplare von gestern und von heute in den Karlsruher Himmel wachsen.

Nach langem Hin und Her steht fest: Das Landratsamt wird abgerissen. An Stelle der einstigen Badenwerk-Zentrale, wie die autogerechte Kriegsstraße von 1965, mit dem städtebaulichen Karlsruher Gardemaß von 72 Metern, wird mindestens ein gleich hoher Büroturm oder vielleicht gar ein mit über 90 Metern überragender Gigant gebaut.

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