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Einer ist seit 1969 dabei

„Es kann einen jederzeit selbst erwischen“: Warum Weingartener Blut spenden

Spenderblut wird dringend benötigt. Reinhard Kindermann und Timo Martin gehören in Weingarten zu den Vielfach-Spendern.

Stolze Zahlen: Die Gemeinde Weingarten ehrt wieder ihre Blutspender. Zwei Vielfachspender sind Reinhard Kindermann mit über 150 und Timo Martin mit 108 Spenden Foto: Marius Becker/dpa

Am 14. Juni 2004 haben die Weltgesundheitsorganisation, das Internationale Rote Kreuz und weitere Hilfsorganisationen den Geburtstag Karl Landsteiners, des Entdeckers der Blutgruppen, zum Weltblutspendetag ausgerufen. Er wurde am 14. Juni 1868 geboren. Seither ist er alljährlich eine Erinnerung, dass Blutspenden dringend benötigt werden, um Leben zu retten.

Die Gemeinde Weingarten ehrt alljährlich ihre Blutspender mit einer kleinen Feierstunde. „Die Welt braucht Helden. Hier stehen sie“, hatte Bürgermeister Eric Bänziger ausgerufen, bevor er die vielfachen Spender auszeichnete.

Viermal im Jahr organisiert Bereitschaftsleiterin Maria Holzmüller mit ihrem Team die Durchführung der Blutspende und wird dafür mit einem Blumenstrauß bedacht.

Es kann einen jederzeit selbst erwischen.
Timo Martin, 108-facher Blutspender

Zwei Vielfachspender sind Reinhard Kindermann mit über 150 und Timo Martin mit aktuell 108 Spenden. Beide nennen die Hilfe für andere, denen es schlecht geht, als ihre erste Motivation.

Timo Martin hat schon mehr als 100 Mal Blut gespendet

„Es kann einen jederzeit selbst erwischen“, sagt Martin. Er habe als Zivildienstleistender frühzeitig Einblick in die wertvolle Arbeit des DRK bekommen und spende seit seinem 19. Lebensjahr Blut. Das gebe ihm ein gutes Gewissen und er sei dankbar, spenden zu dürfen, weil er das Privileg habe, gesund zu sein.

Eine Wiedervorlage im Kalender erinnere ihn an den nächsten Termin, so dass er die maximale Anzahl von sechs Spenden im Jahr erreiche. Die ärztliche Überprüfung alle acht Wochen sehe er nebenbei als einen regelmäßigen Gesundheitscheck, da er nie krank sei und daher keinen klassischen Hausarzt habe.

Kein Rückgang von Spendern in Corona-Zeiten

„Jeder, der irgendwann eine Blutspende braucht, hält es für selbstverständlich, diese auch zu bekommen“, stellt Kindermann fest. Er hat 1969 die erste Spende abgegeben und ist seither am Ball geblieben.

Er fühlt auch selbst einen positiven Einfluss des regelmäßigen Spendens auf seinen Körper, ähnlich dem Aderlass in früheren Zeiten. Er sei jetzt 70 Jahre alt, bis zum 73. Lebensjahr dürfe er noch spenden. Sein Ziel sei, die 175. Spende noch zu erreichen, denn, sagt er augenzwinkernd, für Timo Martin hänge er die Messlatte hoch.

Doreen Holzmüller, seit Jahren an der Anmeldung für die Datenaufnahme zuständig, registriert auch in Coronazeiten keinen Rückgang an Spendern. Die Spendewilligen hätten das Hygienekonzept geduldig akzeptiert und die neu eingeführte Terminvergabe werde von den meisten befürwortet. Sie selbst würde das gern beibehalten, denn für die Anmeldung sei der Durchlauf dann besser steuerbar. Aber das sei eine Vorgabe des Blutspendedienstes.

„33 Prozent der Menschen könnten Blut spenden“, berichtete Bänziger, „aber nur drei Prozent sind dazu bereit.“ Schon viele hatten sich Gedanken gemacht, wie diese Statistik zu verbessern sei. „Vielleicht mit qualifizierten ‚Vertrieblern‘“, schlägt Martin vor. „Diese könnten im Ort spontan Leute auf der Straße ansprechen, ob sie bereit wären, spontan zu spenden.“

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