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Zwei Jäger und Sammler

Leiter des Heimatmuseums Eggenstein-Leopoldshafen und seine Frau teilen die Leidenschaft für Geschichte

Der Leiter des Heimatmuseums Eggenstein-Leopoldshafen und seine Frau gehören seit Jahrzehnten zusammen und haben eine gemeinsame Leidenschaft: die Heimatforschung.

Für Wolfgang Knobloch, den Leiter des Heimatmuseums Eggenstein-Leopoldshafen, ist Ehefrau Otti enorm wichtig. Sie unterstützt den Heimatforscher bei seiner Arbeit – und ist mit genauso viel Leidenschaft bei der Sache wie er. Foto: Ingrid Vollmer

Wolfgang Knobloch bekommt leuchtende Augen, wenn er vom Modell des Rheinfrachtschiffes erzählt, das im Heimatmuseum Eggenstein-Leopoldshafen in einer Vitrine steht. „Das einzig in Deutschland erhaltene Werftmodell aus dem Jahr 1812“, sagt er ein wenig stolz.

Für ihn, den ehrenamtlichen Leiter des örtlichen Museums, nicht nur aus historischer Sicht etwas Besonderes. Denn als Sohn einer Eggensteiner Fischerfamilie hat er auch eine ganz spezielle Beziehung zum Rhein. Vielleicht mehr noch zu den Baggerseen, die seine Begeisterung für archäologische Funde weckten.

Den ganzen Sommer lang war er als 13-jähriger Wolfgang mit den Freunden am Baggersee und erlebte hautnah, wie Mammutknochen oder ein merowingisches Gräberfeld ausgebaggert wurden und die Gegenstände, die durchs Kiessieb fielen, auf Halden landeten. „Dort habe ich ständig gewühlt und meine Funde dann ins Naturkundemuseum gebracht“, erinnert er sich.

Die Restauratoren im Museum hätten sich damals ihm gegenüber sehr korrekt und freundlich verhalten, sodass er sich akzeptiert fühlte. Auch das habe ihn in seinem Hobby bestärkt, sagt er. Das Interesse an der Geschichte und den Vorfahren haben seine Tante und sein Großvater bei ihm geweckt.

Die sammelten allerlei alte Gegenstände und erzählten dem jungen Wolfgang viele Geschichten aus früheren Tagen. Und so wurde aus ihm, der nach dem Willen des Vaters Elektroingenieur hätte werden sollen, eben ein Archäologe von Berufs wegen.

Bei mir ist der Trieb des Sammelns und Jagens extrem ausgeprägt.
Wolfgang Knobloch, Leiter des Heimatmuseum Eggenstein-Leopoldshafen

„Bei mir ist der Trieb des Sammelns und Jagens extrem ausgeprägt“, sagt Wolfgang Knobloch schmunzelnd und erwähnt, dass das Heimatmuseum über stolze 18.000 Objekte verfügt. Bevor es dieses Museum gab, stapelten sich zahlreiche gesammelte Gegenstände in Wolfgang Knoblochs heimischer Scheune.

Das Paar eint ihr Interesse an Geschichte

Da ist es einem fast Angst um die Frau an der Seite dieses leidenschaftlichen Sammlers. Denn irgendwie ahnt man, dass das Knobloch’sche Wohnhaus als Dependance des Museums dient. Otti Knobloch schmunzelt, sagt zunächst „ja“, relativiert dann aber: „Jetzt im Alter probe ich den Aufstand und verlange von Wolfgang schon hie und da mal, dass etwas wegkommt“.

Und Wolfgang fällt seiner Frau fast ins Wort und meint: „Deine Sammlungen nehmen daheim ja viel mehr Platz ein.“ (Otti Knobloch sammelt Bücher und Gemälde heimischer Maler). Sie wiederum stellt fest, alte Gegenstände zu bewahren sei auch eine Verpflichtung den Altvorderen gegenüber. Und er sagt über seine ständig über historische Personen recherchierende Frau: „Wenn sie von Adelsfamilien anfängt, braucht man Klebeband für ihren Mund“.

Die Knoblochs kabbeln sich und sind sich doch einig: „Es geht halt nur zusammen“. Die zwei ergänzen sich in ihrem Geschichtsinteresse, in ihrer Sammelleidenschaft, in ihrem unbändigen Drang, immer wieder Neues zu entdecken und die Öffentlichkeit teilhaben zu lassen.

Otti Knobloch forscht in der Eggensteiner Geschichte und schreibt Broschüren beispielsweise über „Eggensteiner Köpfe“, über alte Rezepte aus dem Ort, stellt Vorträge über bedeutende Personen zusammen und geht in der Familienforschung auf. Ihr Vater sei sehr geschichtsbewusst gewesen und habe sie als Kind schon für das Thema begeistern können, erzählt sie.

Seine Heimatsammlung führte die Knoblochs zusammen

Und so ahnt man fast, wie sich Otti und Wolfgang Knobloch nähergekommen sind: Im alten Gasthof „Anker“ im Ort traf man sich zum ersten Mal, und Wolfgang fragte Otti nach der Veranstaltung dort, ob er ihr seine Heimatsammlung zeigen dürfe.

Die Knoblochs leben, ja sie atmen Geschichte. So haben sie es auch als „Chance des Lebens“ angesehen, als die Gemeinde das alte Leopoldshafener Rathaus 1980 zum Heimatmuseum umfunktionierte. Im Fachwerkbau fanden all die Gegenstände aus den zurückliegenden Jahrhunderten endlich ein festes Domizil und repräsentative Räume.

Das Heimatmuseum ist ein Lebenswerk.
Wolfgang Knobloch, Leiter des Heimatmuseum Eggenstein-Leopoldshafen

„Das Heimatmuseum ist ein Lebenswerk“, meint die heute 72-Jährige, und ihr drei Jahre älterer Mann fügt hinzu: „So lange es Spaß macht und ich es noch kann, werde ich die Arbeit hier auch weiterführen.“

Liebe zu den Dingen des Alltags

Natürlich wäre es Wolfgang Knobloch wohler, wenn seine Nachfolge jetzt schon geregelt wäre. Allerdings habe die Gemeinde Eggenstein-Leopoldshafen eine hauptamtliche Archivarin, so dass auf jeden Fall gesichert sei, dass nach seinem Ausscheiden als ehrenamtlicher Museumsleiter nicht alles auseinanderfällt.

„Das ist schon eine Beruhigung für mich“, sagt er und streicht mit den Fingern über einen alten Zigarrenaschenbecher auf einem Tisch im Museum. An Gegenständen wie diesen hängt das Herz des Ehepaares besonders: Dinge aus dem Alltag der Familien, aus den örtlichen Scheunen und von Dachböden.

Derzeit zeigt eine kleine Ausstellung im Heimatmuseum allerlei Trinkgefäße, zum Jahresende soll die Sonderschau „Der gedeckte Tisch – aus Küche, Keller und Kaufladen“ Heimatkunde-Interessierte anlocken. Ideen haben die Knoblochs noch zuhauf.

Es scheint, sie sprühen vor Energie und ergänzen sich prächtig in ihrem Tun. Otti ist hauptsächlich für alles Organisatorische zuständig, Wolfgang ist immer noch der „Jäger und Sammler“ mit vielen Kontakten. Der Erfolg gibt dem Paar recht. Wer denkt da schon ans Aufhören.

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