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Borkenkäfer lässt eine Generation aus

Kühles und feuchtes Frühjahr entspannt die Situation in den Wäldern im Karlsruher Norden

Die Wälder im Karlsruher Norden können ein bisschen aufatmen. Durch das kühle und feuchte Frühjahr gibt es eine Generation weniger Borkenkäfer. Doch es warten andere Feinde.

Unangenehm: Der Eichenprozessionsspinner löst allergische Reaktionen aus. Foto: Franz Lechner

Durch Wassermangel geschwächte und daher für Schädlinge besonders anfällige Bäume sind schon seit zwei Jahren ein großes Problem für die Forstwirtschaft. „Nirgendwo sieht man die Klimaveränderung so deutlich wie in unseren Wäldern“, bestätigt der beim Forstbezirk Hardtwald unter anderem für Waldnaturschutz zuständige Forstbeamte Christoph Weihrauch.

Aber das Frühjahr 2021 war erstmals seit Jahren wieder relativ kühl und feucht. Hat sich kritische Zustand der Wälder dadurch gebessert? „Aktuell hat sich die Situation zwar ein klein wenig entspannt, aber sie hat sich nicht grundlegend geändert“, sind sich Weihrauch und Christian Feldmann einig.

Unterschiedliche Baumarten in Kraichgau und Rheinebene

Feldmann ist Leiter des Forstbezirks Unterland, zu dem auch die Wälder bei Pfinztal und teilweise auch die von Weingarten zählen. Dabei unterscheiden sich die Probleme, die beide Forstbeamte in ihren Zuständigkeitsbereichen haben, deutlich. „Das liegt einfach daran, dass im Kraichgau andere Baumarten dominieren als in der Rheinebene“, erklärt Weihrauch.

So ist der dominierende Nadelbaum in der Hardt die Kiefer, während es im Forstbezirk Unterland die Fichte ist. „Deshalb haben wir in den vergangenen Jahren große Probleme mit dem Borkenkäfer“, berichtet Feldmann. Der habe in den vergangenen warmen Jahren drei Generationen pro Jahr ausgebildet.

Fraßspuren: An dieser kranken Fichte haben sich Borkenkäfer gütlich getan Foto: Franz Lechner

Ohne Gegenmaßnahmen vermehre sich der Käfer pro Generation um den Faktor 20 –eine große Gefahr für die Fichtenbestände im Forstbezirk Unterland. „Durch das kühle Frühjahr wird der Borkenkäfer aber in diesem Jahr glücklicherweise nur zwei Generationen entwickeln“, erklärt Feldmann. Darum sei die Situation in diesem Jahr nicht ganz so kritisch wie in den Jahren zuvor.

Den Kiefern in der Hardt haben die Niederschläge bisher ebenfalls wenig geholfen. Sie sind allerdings nicht durch Borkenkäfer, sondern durch die Mistel und besonders durch eine Pilzerkrankung gefährdet. „Dipoloida pinea heißt der Schadpilz, der an unseren Kiefern das Diploida-Triebsterben hervorruft“, sagt Weihrauch. „Die Sporen des Pilzes dringen über die Nadeln und die jungen Äste in den Baum ein, zerstören dort Gewebe und bringen den Baum so innerhalb weniger Wochen zum Absterben.“

Borkenkäfer ist nicht die einzige Gefahr

Das Diploida-Triebsterben ist also das größte Problem für den Hardtwald, der Borkenkäfer dagegen für die Wälder im Kraichgau. „Beides sind Schädlinge, die schon immer da waren. Aber der Wassermangel behindert die Bildung von Harz, mit dem sich Bäume normalerweise gegen Schädlinge wehren“, erklärt Feldmann.

Und so wundert es nicht, dass die Forstverwaltungen derzeit noch mit einigen weiteren Schädlingen zu kämpfen haben. Mit dem Braunen Rüsselkäfer beispielsweise. „Der bedroht vor allem Jungbäume und erschwert damit unsere Wiederaufforstung“, so Feldmann. Aber immerhin sind einige andere gefürchtete Forstschädlinge derzeit keine große Gefahr: „Bei Frostspanner und Schwammspinner haben wir aktuell keine Massenvermehrungen“, sagt Feldmann.

Plagegeist: Die Zecken profitieren von den Niederschlägen im Frühjahr. Foto: Franz Lechner

Der Eichenprozessionsspinner trete derzeit ebenfalls nicht so häufig auf wie in den Jahren zuvor. Diese Nachtfalterraupe, deren Härchen beim Menschen allergische Reaktionen hervorrufen können, sei ohnehin mehr ein medizinisches Problem und weniger für den Wald, ergänzt Weihrauch. Das gilt natürlich auch für Zecken und Stechmücken.

Für den Wald sind die kleinen Blutsauger kein Problem, aber es sind schlimme Plagegeister und gefährliche Krankheitsüberträger. Und beide profitieren von Niederschlägen im Frühjahr und dem aktuellen feuchtwarmen Klima. „Ich hatte in diesem Jahr schon einige Zecken am Körper“, berichtet der Leiter der Bruchsaler Forstverwaltung, Michael Durst.

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