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Meinung

von Martha Steinfeld

Neues aus dem Elternleben

Kinderkram: gestern, übergestern, nachgestern – die Zeitrechnung eines Sechsjährigen

Wissen Sie, wann nachgestern ist? Oder überübermorgenmorgen? Unsere Kinderkram-Autorin schon, schließlich sind das stehende Begriffe aus der Zeitrechnung ihres Sohnes. Eine Einführung.

Nach „morgen“ kommt „übermorgen“. Danach „nachmorgen“. Dann geht’s mit „überübermorgenmorgen“ weiter. Foto: ©ViDi Studio/stock.adobe.com

Alles hat ein Ende. Leider auch die Zeit, in der der Sechsjährige täglich neue, entzückende Wortschöpfungen von sich gab. Was einmal „Nagelnack“ gewesen war, ist nun banaler „Nagellack“, der „Kaubimi“ ist zum „Kaugummi“ geworden und auch der „Strebergarten“ wird nun korrekt als „Schrebergarten“ bezeichnet.

Als Zeitungsredakteurin habe ich ja eigentlich ein Interesse an korrekter Sprache. Aber in diesem Fall, muss ich zugeben, bricht es mir ein wenig das Herz.

Mein einziger Trost: Dass er in einem Punkt seine sprachlichen Niedlichkeiten beibehalten hat. In seiner Zeitrechnung nämlich. Die wichtigsten drei Zeiteinheiten des Sechsjährigen sind: heute, gestern und morgen.

So weit, so normal.

Doch dann wird es kompliziert. „Vorgestern“ heißt bei ihm „übergestern“. „Das ist so, weil das einen Tag über gestern ist“, erklärt er mit ernstem Gesicht, wenn man dieses Wort hinterfragt. Und schaut dabei immer ein wenig verständnislos. „Ist doch logisch“, sagt er.

Nachgestern ist der Tag nach übergestern

Für den Tag, der zeitlich noch vor vorgestern – Pardon: übergestern – kommt, gibt es wiederum ein eigenes Wort: nachgestern. „Das ist der Tag nach übergestern“, sagt der Sechsjährige. Das Argument, dass das Wort „nach“ ein Voranschreiten suggeriert und nicht ein Zurückgehen, wiegelt er ab. „Ich denke von da, wo ich bin“, sagt er. Und von da aus sei „nach“ eben immer nach etwas, was davor sei. Wie übergestern.

Dankenswerterweise ist seine Zeitrechnung in die Zukunft hin weniger kompliziert. Also, relativ. Nach „morgen“ kommt „übermorgen“. Danach – logischerweise – „nachmorgen“. Dann geht’s mit „überübermorgenmorgen“ weiter.

Ja, da steht zwei Mal „morgen“, was man sich aber gut merken kann, weil das Wort vier Wörter enthält und vier Tage in der Zukunft liegt.

Logisch.

„Nachmorgen“ kommt nach „übermorgen“

Der Tag danach heißt dann interessanterweise überüberüberüberübermorgen. Warum genau sich die „morgen“ da nicht wiederholen, ist mir allerdings noch nicht ganz klar.

Klar ist mir nur eins: Auch wenn mir regelmäßig der Kopf brummt, er soll bitte noch lange so Zeit rechnen. Bis ganz lang über nachmorgen hinaus.

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