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Gegendemonstranten vor Ort

Tag der offenen Tür in Karlsruhe: Prostitutionsbetriebe verstärken Hilferuf an die Politik

In der Rotlicht-Szene herrscht seit Corona Stillstand. Deswegen machen auch Karlsruher Prostitutionsbetriebe mit einem Tag der offenen Tür auf ihre schwierige Situation aufmerksam.

Alles ist vorbereitet: Im Massagehaus in Karlsruhe wartet der Betreiber auf ein Signal der Politik. Vor der Corona-Krise arbeiteten dort meist drei bis vier Frauen zur gleichen Zeit gearbeitet. Alles ist vorbereitet: Im Massagehaus in Karlsruhe wartet der Betreiber auf ein Signal der Politik. Vor der Corona-Krise arbeiteten dort meist drei bis vier Frauen zur gleichen Zeit gearbeitet. Foto: Jörg Donecker

Der Stillstand wegen Corona belastet viele Bordelle. Immer lauter werden daher auch die Stimmen der Bordellbetreiber, die Betriebe wieder öffnen zu können. Bis jetzt bleibt die Politik beim Verbot. Deshalb nehmen am Donnerstag drei Betriebe in Karlsruhe an der deutschlandweiten Aktion „Redlights On“ teil. Während parallel eine Gegendemonstration der Initiative „Karlsruhe gegen Sexkauf“ stattfindet, machen die Prostitutions-Betriebe mit einem Tag der offenen Tür auf ihre schwierige Situation aufmerksam.

Im Massagehaus Karlsruhe brennen auf einer hölzernen Kommode im Eingangsbereich zahlreiche Kerzen. Das Licht an der Decke ist gedimmt. Im Hintergrund läuft ruhige Musik. Der Besitzer Manuel B. führt in eines der Zimmer. Dort hängt das hochformatige Foto einer Frau in Unterwäsche. In der Mitte des Raumes steht ein frisch gemachtes Bett. Auf dem weißen Laken liegen zwei Rosen.

Alles scheint bereit für die Wiedereröffnung, doch der Schein trügt. Seit März verdient der Betreiber Manuel B. kein Geld mehr im Rotlicht-Gewerbe. Er befinde sich in einer existenzbedrohenden Situation. „Unser Vermieter hat den Vertrag zum Ende des Jahres gekündigt“, erklärt er. Zu Beginn der Corona-Krise habe er zunächst die Miete reduziert. Seit diesem Monat verlange der Vermieter aber wieder den vollen Betrag. Nun hofft Manuel B. darauf, dass er wieder öffnen kann.

Genau das will die Initiative „Karlsruhe gegen Sexkauf” verhindern. Vier Teilnehmer demonstrieren am Donnerstag vor dem Bordell Eros Laufpark in Karlsruhe. Auf dem Boden liegen zahlreiche Blätter mit Wikipedia-Artikeln. Darauf sind Frauen aus der Region zu sehen, die im Kontext der Prostitution ermordet wurden. „Sexkauf muss generell verboten werden. Alle Bordelle müssen geschlossen werden”, fordert die Aktivistin Ingeborg Kraus. Keine Frau mache die Arbeit freiwillig, oft mangele es an Optionen für den Ausstieg.

Hat Corona Prostituierten beim Ausstieg geholfen?

Kraus befürwortet das sogenannte Nordische Modell für die Prostitution. Die Aktivistin Sandra Novak erklärt: „Wir fordern Ausstiegshilfen für Prostituierte und eine Kriminalisierung der Bordellbetreiber und Sexkäufer.” Durch die Corona-Krise sei es insgesamt zu einer positiven Entwicklung gekommen. Viele Frauen hätten durch den Stillstand aufgrund des Verbots den Absprung aus der Branche geschafft.

Bei Manuel B. arbeiten die Prostituierten selbstständig und zahlen die Miete für ihre Zimmer. Sein Massagehaus befindet sich in einer Lagerhalle im Rheinhafen. Gemeinsam mit seiner Frau hat er das Gebäude umgebaut, um dort erotische Massagen anbieten zu können.

Vor der Corona-Krise haben laut dem Betreiber zur gleichen Zeit meist drei bis vier Frauen im Massagehaus gearbeitet. Manuel B. meint, dass er bei einer möglichen Öffnung die Hygieneregeln einhalten könne. Bei einem Corona-Fall sei es zudem ohne Probleme möglich, den Kunden ausfindig zu machen. „Zu mir kommen fast nur Stammkunden, von denen ich die Nummer besitze“, erklärt der Betreiber. Bei den regelmäßigen Besuchern steigt nach seinen Angaben ebenfalls die Ungeduld.

Schließlich berichtet auch eine Masseurin vor Ort von ihrer schwierigen Lage. Sie hat vier Kinder und momentan keine Arbeit. Viele Frauen im Rotlicht-Gewerbe hätten noch einen weiteren Job. Die Masseurin hat aber auch ihre Anstellung in einem Büro verloren. Für den Lebensunterhalt sorge gerade ihr Freund.



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