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Neues Gebäude, neue Struktur

Umzug unter erschwerten Bedingungen: So sieht es im neuen Karlsruher Gesundheitsamt aus

Raus aus dem alten Landratsamt, rein in einen modernen Bau: Das Gesundheitsamt Karlsruhe legt auf jedem Stockwerk einen neuen Fokus – vom Beamten über Kinder bis hin zum Risikopatienten.

Der Auszug aus dem Landratsamt endet im Grünen: Das Gesundheitsamt residiert seit Kurzem in der Wolfartsweierer Straße in Karlsruhe in einem Neubau der BGV. Foto: Rake Hora

Wer ein bisschen Glück bei der Bürozuteilung hatte, blickt direkt auf das Schloss Gottesaue. Auch der Turmberg erhält durch die Fensterscheibe Einzug in so manchen Raum. Zwischen reichlich Grün und Parkanlagen residiert das Gesundheitsamt für Stadt- und Landkreis Karlsruhe seit Mitte Juli an seiner neuen Adresse in der Wolfartsweierer Straße. Raus aus dem Landratsamt, rein in ein modernes, repräsentatives Gebäude – rund 115 Mitarbeiter auf knapp 5.400 Quadratmetern.

Das Gesundheitsamt hat eine neue Wirkung: Der Eingang und Wartebereich steht Kunden mit Terminen offen. Foto: Rake HORA Rake HORA

Das habe man auch gleich für ein paar Umstrukturierungen genutzt, sagt der stellvertretende Leiter Ulrich Wagner. Die größte Aufmerksamkeit liege weiter auf der spezialisierten Covid-Abteilung, die sich im dritten Obergeschoss des vom Landkreis angemieteten BGV-Baus befindet.

Ressourcen wegen Corona knapp

Doch auch in den Stockwerken darunter kehren wichtige Aufgaben in die Büros zurück, die der Landkreis aufgrund der hohen personellen Belastung im Frühjahr durch Corona aussetzte. Beratungen, deren Inhalt sich auf Reisen und entsprechende Impfungen konzentriere, würden aber weiterhin nicht stattfinden, so Wagner. „Wir sind gesetzlich nicht dazu verpflichtet, das zu machen. Irgendwo müssen wir Ressourcen streichen.”

Rückblick: In der Woche vom 13. Juli ist es schließlich so weit: Das Gesundheitsamt zieht vom Standort an der Kriegsstraße in die Nähe des Schloss Gottesaue. Allerdings nicht alle am selben Tag, erklärt Wagner und meint damit speziell die Abteilung des Infektionsschutzes: „Wir mussten zu jeder Zeit handlungsfähig bleiben.”

Den Überblick behält der Infektions-Experte: Ulrich Wagner, stellvertretender Leiter des Gesundheitsamtes, koordiniert die spezialisierte Covid-Abteilung. Die Kapazitäten seiner Mitarbeiter waren nicht mehr ausreichend. Foto: Rake HORA Rake HORA

Demnach packte zunächst ein Teil seines Teams die Kisten und richtete sich im neuen Büro ein. Erst als diese Mitarbeiter wieder am Schreibtisch saßen und sich etwa um Corona-Nachfragen kümmern konnten, folgte die andere Hälfte in den Neubau. „Das ging reibungslos”, so Wagner. „Aber es war ein zusätzlicher Kraftakt.”

Der Umzug hätte bereits rund zwei Monate früher stattfinden sollen, erinnert sich Wagner. „In der Phase der Pandemie ist das aber nicht in Frage gekommen.” Erst als es mit den sinkenden Fallzahlen etwas ruhiger wurde, habe man die Restkapazitäten dafür gehabt.

Das Erdgeschoss ist für Jedermann

Vom Besucherverkehr ist am Vormittag im Gesundheitsamt noch nicht allzu viel zu sehen. Die Sitzecke im Eingangsbereich ist leer. „Das haben wir uns natürlich auch anders gedacht vor Corona”, so Wagner. Verweilt wird hier vorerst nicht.

Hinter einer Glastür verbirgt sich der zentrale Untersuchungsbereich: Sechs Zimmer für die Ärzte, die persönlichen Büros liegen einen Flur weiter. Eine Trennung, die erst mit dem Umzug möglich wurde. „Im Vergleich zu früher kann man hier jetzt auch die Fenster öffnen, um zu lüften”, sagt Wagner.

Über 3.000 medizinische Gutachten werden vom Gesundheitsamt Karlsruhe jährlich erstellt – diese betreffen ganz unterschiedliche Menschen, vom Richter bis zum Obdachlosen. Dazu zählen etwa Untersuchungen, die überprüften, ob jemand arbeitsfähig sei oder welche Folgen ein Unfall hinterlassen habe, sagt Helga Meysen, Leiterin der Abteilung.

Untersuchungen bekommen einen neuen Raum: Sechs Zimmer stehen den Ärzten im Gesundheitsamt für ihre Gutachten zur Verfügung. Dabei geht es um rechtliche aber auch psychologische Fragen. Foto: Rake HORA Rake HORA

In einem Zimmer auf der linken Seite des Flurs reihen sich Teddybären mit Aids-Schleifen auf der Ablage: „Wir testen hier auch auf solche Krankheiten.” Zudem sei das Amt eine von landesweit vier Stellen für alle Gutachten für Beamten. Es kämen aber auch Personen in das erste Geschoss, die unter akutem Verdacht von Fremd- oder Eigengefährdung stünden und etwa von der Polizei gebracht würden.

Rund 13 Mitarbeiter kümmerten sich darum, die gesundheitliche Situation der verschiedenen Fälle zu bewerten. „Es gibt Menschen, die fallen durch alle Raster und landen schließlich im Gesundheitsamt”, so Meysen.

Mit täglich 20 bis 30 Menschen, die sich künftig auf die Untersuchungszimmer verteilten, rechnet Meysen. Denn zunächst geht es darum, die Arbeit wieder vollständig aufzunehmen. Denn fast drei Monate blieben die Gutachten jedoch liegen - das Personal half hingegen bei der Verfolgung der Corona-Infektionsketten.

„Es ist dadurch eine wichtige unterstützende soziale Stelle weggefallen”, sagt sie. „Ich habe sehr darauf gedrängt, dass wir die Gutachten wiederaufnehmen.” Doch rund 20 Prozent aller Termine scheiterten bislang. „Die Menschen haben Angst zu uns zu kommen und sich mit dem Coronavirus anzustecken, etwa auf dem Weg zum Amt oder bei uns im Haus.”

Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern nehmen zu

Ganz andere Sorgen gehören einen Stock darüber zum Alltag: Schon das Wartezimmer unterscheidet sich. Spielzeug wartet in der Mitte auf Besucher, im Regal an der Wand liegt noch mehr.

Beim Kinder- und Jugendärztlichen Dienst steht die Fürsorge um den Nachwuchs im Mittelpunkt. Alleine rund 6.500 Kinder untersuchen die Ärzte dort pro Jahr vor deren Einschulung. „Das ist verpflichtend. So kommen wir auch einmalig an die Kinder ran, die sich sonst unserem Blick entziehen”, erklärt Elena Maier, stellvertretende Bereichsleiterin. Dazu gehörten etwa solche, die nicht in einer Kita untergebracht seien. Auffälliges Verhalten lasse sich dort schnell erkennen. „Welche Unterstützung brauchen die Kinder? Welche Defizite haben sie?”

Zwei große Themen würden enorm zunehmen, so Maier: Probleme mit der Sprache sowie allgemeine Verhaltensauffälligkeiten. „Zudem sind bei uns auch die frühen Hilfen angegliedert”, sagt sie. Hauptaugenmerk liege hierbei auf psychisch erkrankten Müttern. Zwischen 300 und 400 Familien jährlich erhielten darüber alleine im Gesundheitsamt Unterstützung. Die Zusammenarbeit verlaufe eng mit dem Jugendamt. „Wir bilden den präventiven, medizinischen Teil.”

Das Dritte OG ist Corona-Zentrale

Gesundheitliche Prävention, aber auch die Nachbereitung besonders schwieriger Schicksale findet in den Büros im zweiten Obergeschoss statt. „Etwa Entschädigungen von Opfern sexuellen Missbrauchs oder die Einschätzung des Pflegegrads”, erklärt Wagner beispielhaft. Weiter sitzt dort auch der Infektionsschutz. Für das Thema, das dem Gesundheitsamt aber zuletzt besonders viel Aufmerksamkeit einbrachte, müsse man ganz nach oben.

Die Hotline für Corona-Fragen: Die spezialisierte Covid-Abteilung hilft weiterhin am Telefon bei medizinischen Unsicherheiten rund um das Virus. Foto: Rake Hora

Im Dritten OG kümmern sich rund 30 Mitarbeiter ausschließlich um Corona, sagt er. Bis zu 45 sollen es werden - durch Neueinstellungen, um nicht weiterhin den anderen Bereichen notwendiges Personal abzuziehen.

Im Dritten Geschoss ist bereits auf dem Flur mehr los als in den Etagen darunter. „ Wir finden langsam zu den anderen Aufgaben zurück. Aber Corona dominiert noch immer und spielt in alle anderen Bereich rein”, sagt Wagner. Zuletzt traf das Gesundheitsamt bundesweite Kritik zum Umgang mit Kindern, die aufgrund einer Corona-Ansteckung oder eines -Verdachts isoliert werden müssen.

Die Verfügungen gefährdeten das Kindeswohl, lautete der Vorwurf. Davon distanzierte sich der Landkreis. Als Ursprung der Debatte vermutet er den Ausbruch des Virus in einer Bruchsaler Schule.

Um die Krise zu managen, Infektionsketten zu verfolgen und Ausbrüche zu verhindern, gliederte das Amt eine spezialisierte Covid-Abteilung aus. „Über die Hotline merken wir einen konstanten Bedarf”, so Wagner. Vier Mitarbeiter betreuen in einem Zimmer die Telefone und Anfragen. „Wir hoffen, das Sachgebiet irgendwann wieder integrieren zu können.” Bislang müsse man aber vorbereitet bleiben, das Infektionsgeschehen binde derzeit noch viele Kräfte.

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