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Für Sportler, Hotels und Co.

Welche Folgen die Corona-bedingte Absage des Ironman Kraichgau hat

Jedes Jahr im Sommer ist es das sportliche Großereignis im Landkreis Karlsruhe. Über 3.000 Sportler, nicht minder wenige Helfer und meist zehnmal so viele Zuschauer kommen für den Ironman 70.3 Kraichgau zusammen. Doch von den roten Schwimmkappen wird im Juni nichts zu sehen sein.

Am Hardtsee bei Ubstadt-Weiher kommen im Juni zum Ironman Kraichgau normalerweise tausende Sportler zusammen, um von dort den Triathlon zu starten. In diesem Jahr bleibt das Ufer leer. Foto: Blum

Jedes Jahr im Sommer ist es das sportliche Großereignis im Landkreis Karlsruhe. Über 3.000 Sportler, nicht minder wenige Helfer und meist zehnmal so viele Zuschauer kommen für den Ironman 70.3 Kraichgau zusammen. Doch von den roten Schwimmkappen wird im Juni nichts zu sehen sein, die sonst abgesperrten Lauf- und Radstrecken bleiben frei, die Jubelschreie im Ziel ersetzt Stille.

Die Veranstalter haben den Ironman abgesagt, in Zeiten der Corona-Krise und den geltenden Verordnungen ist das nicht anders möglich. Für den Kraichgau, der durch den Triathlon sonst für ein Wochenende zum Anlaufpunkt für Zuschauer, Weltklasse-Athleten und Hobby-Sportler wird, hat das Folgen.

Für die Hotels und Pensionen entsteht ein enormer wirtschaftlicher Schaden.
Christina Lennhof, Geschäftsführerin von Kraichgau-Stromberg Tourismus

„Der Ironman ist das Highlight überhaupt für den Kraichgau“, sagt Christina Lennhof, Geschäftsführerin von Kraichgau-Stromberg Tourismus. „Etwa für die Hotels und Pensionen entsteht durch die Absage ein enormer wirtschaftlicher Schaden.“

Viele der Sportler reisen schon Tage vorher an und bleiben nicht nur für ein Wochenende, so Lennhof. Häufig brächten diese auch gleich ihre Familien mit. Diese Belegungen wurden einkalkuliert. „In dieser Zeit ist alles restlos ausgebucht, auch über den Kraichgau hinaus“, erklärt sie.

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Auch auf die Stadt Karlsruhe und die Region hat die Absage Auswirkungen

Effekte des Ironman wären auch in der Stadt Karlsruhe oder nahegelegenen Orten bemerkbar. „Die Veranstaltung hat zudem einen riesigen Werbeeffekt für die Region“, sagt Lennhof. Die Menschen lernten den Kraichgau auf eine andere Art kennen und auch schätzen. Die Locations für Sportler und Zuschauer seien einzigartig.

Auf seiner Homepage teilte der Veranstalter schon vor einigen Tagen seine Entscheidung mit. „Wir haben die Anweisungen und Empfehlungen der Gesundheitsbehörden und der lokalen Behörden stets befolgt und werden diese auch weiterhin befolgen“, heißt es in der Mittelung der Ironman Group.

Ersatztermin für Ironman Kraichgau wird gesucht

Man arbeite daran, Ersatztermine zu finden und wolle die Sportler zeitnahe informieren, ob und wann der „Sparkasse Ironman 70.3 Kraichgau powered by Kraichgau Energie“ nachgeholt werden kann.

Dass tatsächlich noch 2020 am Hardtsee bei Ubstadt-Weiher ins Wasser gesprungen und in Bad Schönborn durchs Ziel gelaufen werden kann, bezweifelt allerdings nicht nur Christina Lennhof. „Es braucht auch eine gewisse Vorlaufzeit, das Ereignis zu planen“, sagt Tony Löffler, Bürgermeister von Ubstadt-Weiher. Der Hardtsee sei etwa im Spätjahr schon von anderen Veranstaltungen belegt. Der Radweg in Gochsheim stehe ebenfalls aufgrund von Bauarbeiten nicht zur Verfügung.

„Viele Randbedingungen sind nicht klar. Es müssen auch die Helfer oder die Feuerwehr Zeit haben, die dafür den Termin im Juni eingeplant hatten“, so Löffler. Den Ausfall des Ironman bedauere er sicher, hege aber keine gesonderten Gefühle: „Das geht unter in der Corona-Zeit. Schließlich fallen auch unsere eigenen Veranstaltungen weg.“

Bürgermeister erleichtert, weil Straßensperrungen ausbleiben

Klaus Detlev Huge, Bürgermeister von Bad Schönborn, bezeichnet das Großereignis als „Lust und Last“. Es sei toll, namhafte Sportler, zahlreiche Zuschauer und Helfer im Ort zu haben. Die Bekanntheit steige.

„Doch die Straßensperrungen etwa über zwei bis drei Tage sind auch für unsere Anwohner eine Belastung“, erklärt Huge. Auf diesen Ausnahmezustand könne man ein Jahr gut verzichten. Wirtschaftlich würden jedoch Einnahmen fehlen.

Andere Sachen sind derzeit eben wichtiger.
Markus Rolli, Triathlet

Man müsse die Absage in eine größere Perspektive einordnen, sagt Triathlet Markus Rolli, der in Waghäusel zuhause ist. „Andere Sachen sind derzeit eben wichtiger.“ Dennoch sei der Ironman Kraichgau sein persönliches Sport-Highlight des Jahres – sein Lieblingswettkampf, der ihm besonders am Herzen liege. „Das motiviert mich im Training“, sagt Rolli. Nun müsse er sich neue Ziele stecken. „Man arbeitet und trainiert weiter.“

Dass gerade auch Hobby-Triathleten die Veranstaltung vermissen werden, könne er gut nachvollziehen. Doch als Profi hänge an der Absage noch wesentlich mehr: „Wir Sportler rechnen mit den Preisgeldern. Manche Sponsorenverträge sind an spezielle Wettkämpfe gebunden“, erklärt er. Der Ironman Kraichgau war für Rolli eine Chance, der Qualifizierung für die Weltmeisterschaft näher zu kommen.

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