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Termine sind gefragt

Brettener warten sehnsüchtig auf den Friseurbesuch

Am 1. März öffnen die Friseursalons wieder. Dann ist endlich Schluss mit Corona-Matte und Bad Hair Days. Wer hat schon einen Friseurtermin? Wer muss sich noch gedulden? Und wer hat im Lockdown selbst zur Schere gegriffen?

Haarschnitt von Mama: Vincent Scheuer aus Bruchsal. Foto: Marie Orphal

Melanie Röhl aus Schwetzingen gehört zu den Glückspilzen, die einen der heiß begehrten Friseurtermine ergattert haben. „Am 12. März ist es soweit“, frohlockt die 48-Jährige: „Ich bin heilfroh.“ Kurz nachdem feststand, dass die Friseure wieder öffnen dürfen, habe sie zum Telefonhörer gegriffen: „Da war die erste Woche schon komplett ausgebucht.“ Die langen braunen Haare hat sie während des Lockdowns meistens hochgesteckt. Nächste Woche lässt sie sich endlich wieder eine Dauerwelle verpassen.

Auch Röhls Mutter Linda Gattringer hat schon einen Termin - gleicher Salon, ebenfalls zweite Märzwoche. Nach zweieinhalb Monaten Zwangsschließung ist ihr blonder Haarschopf noch erstaunlich gut frisiert. „Ich drehe mir immer selber die Locken ein“, verrät die 68-Jährige, die aus Wiesloch kommt.

Sie und ihr Mann haben außerdem selbst zu Kamm und Schere gegriffen und sich gegenseitig frisiert. „Ich habe meinem Mann die Ohren frei geschnitten. Er hat dafür bei meinen Haaren ein paar Zentimeter abgeschnitten.“

Der Ansturm auf die Friseursalons ist groß, die Auftragsbücher für die ersten Wochen nach der Wiederöffnung sind schon gut gefüllt. Viele Friseure holen zuerst die abgesagten Termine nach, bevor neue Kunden an die Reihe kommen.

Ecki Hörig hätte eigentlich schon vor ein paar Wochen einen Termin gehabt, der wegen des Lockdowns ausgefallen ist. Dafür ist der Karlsbader jetzt als einer der ersten dran: Kurz nach der frohen Botschaft, dass Friseure wieder öffnen dürfen, klingelte bei Höring das Telefon: „Mein Friseur hat angerufen und gefragt, wann ich kommen möchte“, erzählt der Karlsbader. Und er wollte: „Am Mittwoch habe ich einen Termin.“

Gelernte Friseurin überlässt das Haareschneiden lieber den Profis

„Eigentlich sehe ich nicht so aus“, sagt Petra Jenner aus Östringen und zeigt auf ihre kinnlangen grauen Haare. Am 16. März lässt sich die 59-Jährige wieder die Haare schneiden - das erste Mal seit Oktober. „Eigentlich wollte ich im Dezember zum Friseur, aber ich habe zu spät geschaltet.“ Bevor sie einen Termin vereinbart hatte, war der Lockdown schon da.

Selbst zur Schere gegriffen hat Jenner in der Zwischenzeit nicht - obwohl sie sogar eine Ausbildung zur Friseurin gemacht hat: „Das ist aber schon 40 Jahre her..“ Mit Kämmen und Scheren hat Jenner längst nichts mehr am Hut. Heute arbeitet sie als Floristin, das Haareschneiden überlässt sie lieber den Profis.

Andere waren mutiger: „Meine Mutter hat mir die Haare geschnitten“, erzählt Vincent Scheuer aus Bruchsal. Das Ergebnis? Fast so gut wie beim Friseur, findet der 21-Jährige. Kleine Schönheitsfehler bügelt er mit Haargel aus. Einen Friseurtermin hat er deshalb noch nicht vereinbart.

Nicht alle wollen zum Friseur

„Ich brauche keinen Friseurtermin“, sagt derweil Gustav Ochs aus Bretten und lupft zum Beweis seine Schirmmütze. Die wenigen Haare, die sich darunter befinden, stutzt sich der 82-Jährige in Eigenregie, nicht erst seit dem Lockdown. „Viel wichtiger wäre es mir, dass die Restaurants bald wieder aufmachen.“

Günther Mehl aus Sulzfeld entlockt die Öffnung der Friseursalons ebenfalls nur ein müdes Achselzucken. „Ich gehe sowieso höchstens zweimal im Jahr zum Friseur.“ Die graue Mähne trägt der 64-Jährige schulterlang: „Ich bin ein Fan der 70er.“ Ein Friseurbesuch sei in den nächsten Wochen nicht geplant: „Erst, wenn der Pony über die Augen wächst und ich nichts mehr sehe.“

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