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Weniger Kapazität bei Schmuddelwetter

Gastronomen in Bretten fürchten erneute Einnahmeeinbußen im Herbst

Sobald der Herbst mit seinem typischen Schmuddelwetter Einzug gehalten hat, ist die Zeit des gemütlichen Draußensitzens vorbei. Bei vielen Gastronomen in Bretten halbiert sich dann schlagartig die Platzkapazität, weshalb die Branche große Einnahmeeinbußen befürchtet.

Reger Betrieb in den Abendstunden: Nicht zuletzt dank des herrlichen Spätsommerwetters sind die Außenbereiche der Gaststätten, Bars und Kneipen auf dem Brettener Marktplatz derzeit fast täglich sehr gut frequentiert. Foto: Tom Rebel

Ein Feierabendbier oder beim Sonnenuntergang einen Cocktail trinken und dabei die Seele baumeln lassen – dank des herrlichen Spätsommerwetters prägen in Bretten vollbesetzte Tische auf dem Marktplatz, in der Fußgängerzone oder in den Biergärten im Moment fast täglich das Stadtbild.

Allerdings wissen die Gastronomen und Wirte in der Melanchthonstadt, dass diese Phase irgendwann vorbei sein wird. Spätestens wenn im Herbst die Zeit des Draußensitzens endet, wird es für die Gastronomie ungemütlich. Die Branche, die wegen des Corona-Lockdowns und der folgenden Corona-Regeln ohnehin arg gebeutelt ist, befürchtet dann erneute Einnahmeeinbußen.

„Wenn das Wetter bis zum Februar so bleibt, dann wäre 2020 sogar noch ein gutes Jahr für uns“, sagt Ingo Jäger scherzhaft. Der Inhaber des Alten Rathauses fügt dann ernst an: „Es weiß keiner, wie sich die Lage entwickelt. Ich bin da eher pessimistisch, lasse mich aber natürlich gern positiv überraschen.“

Sitzplatzkapazität verringert sich im Herbst schlagartig

Der Gastwirt freut sich momentan darüber, dass seine rund 100 Sitzplätze auf dem Marktplatz gut frequentiert sind und entsprechend auch der Umsatz stimmt. Wenn es im Herbst aber mit dem Schmuddelwetter losgeht, lässt Jäger nur die Tische und Stühle unter den drei großen Schirmen an der Hausseite draußen stehen, die Kapazität verringert sich dann schlagartig auf nur noch 40 Plätze.

Drinnen sind es weiterhin statt der ohne Corona üblichen 70 Plätze nur 50. Hinzu komme die Ungewissheit, „ob die Leute überhaupt weiterhin so zahlreich kommen, wenn sie nicht mehr draußen sitzen können, sondern wieder ins Gebäude rein müssen“.

Keine Gäste im Außenbereich: Wenn der Herbst mit dem typischen Schmuddelwetter Einzug gehalten hat, werden leere Tische und Stühle wie hier am Brettener Weltkugel-Brunnen keine Seltenheit sein. Foto: Tom Rebel

Jäger spielt mit dem Gedanken, für den Außenbereich drei Infrarotstrahler anzuschaffen, um diese Plätze weiterhin für Gäste attraktiv zu machen. Im Gegensatz zu den sogenannten Heizpilzen haben diese Infrarotstrahler den Vorteil, dass sie geruchsneutral sind und die Gäste und nicht nur die Luft erwärmen.

„Das ist eigentlich eine sehr angenehme Wärme für die Leute, aber die müssen trotzdem erst einmal kommen“, erklärt Jäger. Da einer dieser Infrarotstrahler rund 500 Euro kostet, müsse er sich das „gerade in diesen Zeiten“ ganz genau überlegen, ob sich die Anschaffung überhaupt lohnen kann.

Im Nerone sind Überraschungen geplant

Deutlich weniger Plätze stehen im Herbst auch Salvatore Catarraso zur Verfügung. Zwar werde er einige Tische im Hof mit dem markanten Weltkugel-Brunnen vor der Kaffeerösterei Nerone weiterhin bestuhlt lassen. Das Tagesgeschäft werde aber wohl weitgehend im Ladeninneren stattfinden, so der Nerone-Inhaber.

Wegen Corona stehen dort nur 15 Plätze zur Verfügung, doch das soll sich zeitnah ändern: „Wir haben für unsere treuen Stammgäste und Kunden die ein oder andere Überraschung geplant.“ Es werde sich optisch einiges tun, so werde Raum für weitere Plätze entstehen. Laut Catarraso sollen das bekannte italienische Flair und die Nerone-typische Wohlfühlatmosphäre erhalten bleiben.

„Natürlich ist das für uns auch mit einem gewissen Aufwand und mit Kosten verbunden“, sagt der Gastronom. Da sich aber „an der generellen Situation so schnell nichts ändern wird“, sei dieser Schritt unumgänglich.

Nur wenige Meter vom Nerone entfernt in der Fußgängerzone sind das La Piazzetta und der Schweizerhof. Sowohl in der Pizzeria, als auch in dem Gasthaus gegenüber halbiert sich die Platzkapazität, sobald im Herbst die Außenbestuhlung wetterbedingt wegfällt. „Wir haben schon Angst vor den kommenden Monaten, denn wegen Corona ist der Umsatz definitiv gesunken.

Aber wir werden weiterkämpfen und nicht aufgeben“, erklärt Arcangela Lamola-Vedda. Sie führt zusammen mit ihrer Tochter Sabrina Metallo das La Piazzetta. Wegen des begrenzten Platzangebots rät die Gastronomin ihren Gästen in den nächsten Monaten immer vorab zu reservieren: „Es ist einfach immer schade, wenn man jemanden wegschicken muss.“

Herbst und Winter entscheiden über die Zukunft

Für viele Gastronomen werde sich über den Herbst und den Winter entscheiden, wie es weitergeht, meint indes Nadja Oberdorfer. Wie die anderen Wirte hofft die Inhaberin des Schweizerhofs zunächst einmal auf einen goldenen Oktober, „außerdem brauchen wir alle dringend das Geschäft mit den Weihnachtsfeiern“.

Nachdem das Ostergeschäft wegen des Lockdowns komplett weggefallen ist, und Taufen, Hochzeiten oder andere Familienfeiern längst nicht in dem Ausmaß der vergangenen Jahre stattgefunden haben, wäre ein gutes Weihnachtsgeschäft für die Branche ein Segen. Allerdings sehe es danach derzeit nicht aus, so Oberdorfer.

Umso wichtiger wäre für sie, dass im Oktober sowohl das Wetter als auch die Stadt Bretten mitspielen. Oberdorfer würde gerne so lange wie möglich im Außenbereich bestuhlt lassen. Allerdings soll im Oktober wieder ein Gerüst gestellt werden, da es mit der Renovierung der Fassade weitergehen soll.

„Es wäre fatal, wenn wir einen goldenen Oktober hätten, wegen des Gerüsts draußen aber keine Tische mehr stellen könnten“, erklärt Oberdorfer. Über ihren Wunsch, das Gerüst vielleicht erst im November zu stellen, hat sie die Stadtverwaltung informiert, nun hofft die Wirtin auf eine positive Rückmeldung aus dem Rathaus.

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